Zum Inhalt springen
Inhalt

International SRF-Korrespondent: «Einen Krieg auf der Krim wird es kaum geben»

SRF-Korrespondent Peter Gysling ist in Sewastopol auf der Krim. Abgesehen von den Plätzen, auf denen für Russland demonstriert werde, herrsche Alltag. «Die meisten Menschen hier sind pro-russisch eingestellt.» Für einen Krieg fehle der russischen Armee der Gegner – Kiew werde nichts riskieren.

Legende: Video Peter Gyslings Analyse zur Lage auf der Krim abspielen. Laufzeit 03:09 Minuten.
Aus News-Clip vom 01.03.2014.

Das russische Parlament hat Präsident Putins Bitte nach einem Militäreinsatz auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim zugestimmt. Bei der Eingabe des Antrags an den russischen Föderationsrat begründete er, die Bevölkerung auf der Krim müsse geschützt werden – ihr Leben sei bedroht.

SRF-Korrespondent Peter Gysling – derzeit in Sewastopol, der grössten Stadt auf der Krim – findet dieses Argument lächerlich. Im Interview mit Radio SRF sagte er: «Das Leben der Menschen hier ist nicht bedroht. Sie ärgern sich über ein restriktives Sprachengesetz, das ihnen gegenüber nicht sehr wohlwollend ist. Die meisten Menschen auf der Krim sind pro-russisch eingestellt.»

«Einen Krieg auf der Krim wird es kaum geben»

Russland gehe es bei dem Militäreinsatz um seine geopolitischen, politischen und wirtschaftlichen Interessen. Gsyling: «Russland tut sehr viel dazu, die Stimmung hier anzuheizen.»

Kommt es zur Intervention? In der «Tagesschau» sagte Gsyling klar: «Einen Krieg auf der Krim wird es kaum geben. Dazu fehlt der russischen Armee der Gegner. Aber: Putins militärische Drohkulisse kann die ganze Stabilität in der Ukraine gefährden.»

Wer sind die Kämpfer auf der Krim?

Bis zu 6000 Soldaten sind in den vergangenen Stunden an verschiedene Brennpunkte auf der Krim verlegt worden. Es sind teilweise rätselhafte Kämpfer – ohne Hoheitszeichen, unmarkierte Uniformierte.

Wer sind sie? Gysling: «Darüber kann ich auch nur mutmassen. Es sind aber eindeutig pro-russische Kräfte. Erstaunlicherweise bewegen sie sich in ganz normalen Truppentransportern – ohne Kennzeichen. Sie sind wie russische oder ukrainische Soldaten ausgerüstet – militärisch absolut professionell. Ich gehe davon aus, dass es sich um Nahestehende der russischen Schwarzmeerflotte handelt, die im Hafen von Sewastopol stationiert ist.»

«Kiew ist ratlos»

Welche Optionen hat die Übergangsregierung in Kiew? Gysling: «Die Übergangsregierung setzt auf Dialog, auf Diplomatie. Auf die eigene Armee kann sie sich nicht zuverlässig abstützen. Viele ihrer Armeeangehörigen haben sehr gute Verbindungen zu Russland. Es dürfte also sehr schwer sein die ukrainische Armee gegen die russische Armee in Stellung zu bringen. Ich denke, die ukrainische Regierung ist ziemlich ratlos – vielleicht auch etwas hilflos.»

Für Gysling ist klar: Die Entscheide heute in Moskau haben die Übergangsregierung innenpolitisch massiv zurückgeworfen.

Peter Gysling

Porträt von Peter Gysling.

Peter Gysling arbeitet seit 1980 als Journalist für SRF. Während des Mauerfalls war er Korrespondent in Deutschland. Von 1990 bis 2004 und erneut seit 2008 ist er Korrespondent in Moskau.

Das Sprachengesetz

Russisch wurde in der Ukraine 2012 per Gesetz als zweite Amtssprache zugelassen. Die neue Parlamentsmehrheit in Kiew wollte dieses Gesetz als eines ihrer ersten Projekte kippen. Der neue ukrainische Regierungschef hat nun offenbar versichert, das neue Gesetz nicht umzusetzen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Daniel Fink, Nidaus
    Es könnte doch sein, dass Putik einfach die nun vorhandene Regierung so aufmischen will, dass er oder prorussische Politiker wieder Aufwind haben und an die Macht kommen können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniel Briner, Neerach
    Gab es je eine militärische Drohgebärde einer Grossmacht, ob nun Russland, USA oder China, die nicht auf lächerlichen Argumentationen basierten? Im Flüchtlingslager Yarmouk, dem zusammengeschossenen Viertel in der syrischen Hauptstadt Damaskus lässt man die Palästinenser auch lieber verrecken, weil sich die Grossmächte mit Ihren Drohgebärden gegenseitig neutralisieren, anstatt gemeinsam militärisch einzugreifen! Dagegen ist diese ganze Aufregung um die Krim halt schon ziemlich verlogen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Guant, Sunnybeach
    Wer geglaubt hat,dass Russland zulassen würde,dass einer deren wichtigsten Marine Stützpunkte über Nacht zu einem Nato-Stützpunkt werden könne,der ist entweder naiv oder dumm.Der Westen lässt mögliche Szenarien durch seine strategischen Rechner durchlaufen,ohne Erfolg.Das Pentagon sollte sich langsam eingestehen,dass ihre Supercomputer u.deren Algorithmen zwar Schachspiele gewinnen oder Chaos verbreiten können,aber die Emotionen, 7Sinn u.Traumphasen fehlen in ihren Algorithmen,daher wertlos
    Ablehnen den Kommentar ablehnen