Stadtteil in Magdeburg läuft voll «wie eine Badewanne»

In Sachsen-Anhalts Hauptstadt Magdeburg steigt das Wasser weiter und weiter. Der Stadtteil Rothensee laufe voll wie eine Badewanne, sagte ein Armeesprecher. Auch Norddeutschland rüstet sich für Schlimmeres. In Ungarn ist ebenfalls noch nichts ausgestanden.

Die Situation in den Hochwassergebieten im Osten und Norden Deutschlands ist prekär. Die Flutwelle rollt auch auf Brandenburg und Norddeutschland zu. Experten haben ihre Prognosen für Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein deutlich nach oben korrigiert.

Sachsen-Anhalt

In Magdeburg stieg die Elbe auf den Rekordstand von 7,46 Metern – rund 80 Zentimeter höher als beim verheerenden Hochwasser von 2002. Der Krisenstab rechnet damit, dass die extremen Wassermassen noch mehrere Tage gegen die Deiche drücken. Am Zusammenfluss von Elbe und Saale südlich von Magdeburg brach am Sonntag ein Damm. Riesige Landflächen wurden geflutet, um in den besonders bedrohten Städten Sachsen-Anhalts und Brandenburgs für Entlastung zu sorgen.

23‘000 Einwohner der Landeshauptstadt Magdeburg wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Im Stadtteil Rothensee gab es Zwangsevakuierungen. «Rothensee läuft voll wie eine Badewanne», sagte Bundeswehrsprecher Andrè Sabzog. Rund 700 Soldaten versuchten mit allen Mitteln, ein Umspannwerk in der Stadt zu retten.

Zudem ist die Stromversorgung der Stadt bedroht. Einsatzkräfte kämpfen vor allem um ein Umspannwerk, das für die Stromversorgung der Stadt wichtig ist. «Wir müssen auf alles gefasst sein», sagte der Oberbürgermeister.

Zusätzlich verunsichert die Menschen ein Schreiben von Unbekannten: Darin drohen sie, Anschläge auf Deiche zu verüben. «Wir nehmen das Schreiben ernst», sagte Innenminister Holger Stahlknecht. Die Deiche würden nun von der Luft und vom Boden aus verstärkt überwacht.

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Wassermassen fluten Ostdeutschland

1:44 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 9.6.2013

Brandenburg

Nord-Brandenburg steht das Schlimmste noch bevor. In Wittenberge stand die Elbe am Morgen mit 7,67 Metern – schon knapp 25 Zentimeter höher als 2002. Bis in zwei Tagen rechnen die Behörden mit einem Pegelstand von 8,1 Metern.

Helfer sind längst am Ende ihrer Kräfte. Ihnen steht aber noch ein tagelanger Kampf gegen das Hochwasser bevor. Eine spürbare Entspannung stelle sich wohl erst in drei bis vier Tagen ein, sagte eine Sprecherin des Krisenstabs.

Bis dahin und länger müssen auch die Dämme durchhalten: Doch das abfliessende Wasser drückt mit einer gewaltigen Wucht gegen die Deiche.

Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern

Norddeutschland rechnet nicht mehr damit, glimpflich davonzukommen. Für Mitte der Woche werden Rekord-Wasserstände erwartet. Die Altstadt von Hitzacker wird derzeit evakuiert.

Im Wendland werden Freiwillige gesucht, die Sandsäcke füllen. Einsatzkräfte stapeln diese derzeit auf die Deiche. Die Bundeswehr schickte Soldaten zur Verstärkung.

Sachsen

Sachsen hat das Schlimmste schon überstanden, die Pegelstände sinken. Die Lage an der Elbe bleibt aber angespannt – mindestens bis Montag. Noch immer macht das nur langsam abfliessende Wasser den Deichen zu schaffen.

Bayern

An der Donau hat das Hochwasser Unmengen von Schlamm hinterlassen. «Es ist eine stinkende Brühe», sagte ein Stadtsprecher in Deggendorf. Polizei und Bewohner schaufeln den Dreck weg.

Im ganzen Land schuften rund 70'000 Feuerwehrleute und 11'000 Bundeswehrsoldaten gegen die Flut und deren Folgen an.

Ungarn

In Ungarn steigt der Pegel der Donau weiter und weiter. Tausende Helfer im Westen und Nordwesten des Landes arbeiten seit Tagen pausenlos: Es werden Sandsäcke geschichtet, Menschen in Sicherheit gebracht, Strassen gesperrt. 

Der Höchststand der Donau wird im Laufe des Tages erwartet – Experten gehen von einem Pegel von 8.95 Metern aus. Der Pegel stand um acht Uhr morgens bei 8.83 Meter – 23 Zentimeter über dem Rekord-Hochwasser von 2006.

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Die Flutwelle rollt weiter – Lage spitzt sich zu

1:19 min, aus Tagesschau am Vorabend vom 9.6.2013

Gauck vor Ort

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Keystone

Bundespräsident Joachim Gauck besuchte die Hochwassergebiete in Sachsen-Anhalt. «Man kann sich nicht vorstellen, was da alles zu bewältigen ist», sagte er sichtlich beeindruckt.

Unterdessen hat Finanzminister Wolfgang Schäuble angedeutet, die Hilfen für Flutopfer aufzustocken. Bisher wurden 100 Millionen Euro Soforthilfe zugesagt.