Strittige Themen finden im Vatikan keine Mehrheit

Zu Beginn der Bischofssynode in Rom hatte es noch ausgesehen, als würden sich die Geistlichen bewegen – etwa bei kontroversen Themen wie dem Umgang mit Homosexualität oder bei der Wiederverheiratung von Geschiedenen. Aber aus diesem Reformkurs wurde nichts.

Der Papst begrüsst eine Gruppe von Bischöfen.

Bildlegende: Fortschrittliche Ideen kamen bei der Bischofssynode nicht auf die geforderte Mehrheit. Reuters

Am Ende der Familiensynode im Vatikan haben sich die Bischöfe nicht geschlossen hinter umstrittene Aussagen über den Umgang mit Homosexuellen und Geschiedenen in der katholischen Kirche gestellt. Das geht aus dem Abschlussdokument hervor.

Demnach fanden drei entsprechende Punkte eine einfache, nicht aber die nötige Zwei-Drittels-Mehrheit, um die Haltung der gesamten Synode widerzuspiegeln. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi betonte, das Dokument diene nun als Grundlage für weitere Diskussionen. Eine Synode zum gleichen Thema sei für das Jahr 2015 geplant.

Klara Obermüller, Schweizer Publizistin und profilierte Kritikerin der katholischen Kirche, hat diesen Ausgang befürchtet. «Natürlich hatte ich meine Hoffnungen», sagt sie gegenüber SRF. Doch die Skepsis habe von Anfang an überwogen.

Begriff Barmherzigkeit ist fehl am Platz

Nun seien die konservativen Kräfte offensichtlich stärker gewesen, so Obermüller. «Am Anfang hatte man viele Stimmen von Bischöfen aus westlichen Industrieländern gehört. Doch diese ticken halt etwas anders als jene in anderen Teilen der Welt.» Viele, zum Beispiel in Afrika oder in Lateinamerika, scheuten die Veränderung.

«Sie haben Angst, die Deutungshoheit über die ‹Wahrheit› zu verlieren», erklärt die Publizistin. Da half es auch nicht, dass Papst Franziskus in seiner Abschlussrede die Bischöfe und die Gläubigen allgemein dazu aufrief, keine Angst vor Neuem zu haben.

Der Pontifex hatte im Hinblick auf die Synode Barmherzigkeit für Homosexuelle und Geschiedene gefordert. Das passe zwar zu seinem Wesen und seiner pastoralen Auffassung, sagt Obermüller. «Doch er müsste eigentlich wissen, dass Barmherzigkeit nicht reicht: Barmherzigkeit ist nah beim Mitleid mit Armen und Kranken. Und das trifft auf Homosexuelle und Geschiedene überhaupt nicht zu.» Vielmehr brauche es eine klare Anerkennung und eine Aufarbeitung dieser theologischen Probleme.

Lehre kann verschieden aufgefasst werden

Einen bescheidenen Fortschritt sieht Obermüller darin, «dass die kontroversen Meinungen zu diesen Themen überhaupt auf dem Tisch kamen».

Dies habe den Bischöfen gezeigt, dass Glaubensgrundsätze wie etwa die Unauflöslichkeit der Ehe und das Verbot von künstlicher Empfängnisverhütung durchaus verhandelbar seien.