Südkorea: Mers-Epidemie beendet

Seit Mai sind dem Mers-Virus in Südkorea Dutzende Menschen zum Opfer gefallen. Um die weitere Ausbreitung des Erregers einzudämmen, musste das Land aufwendige Massnahmen treffen. Für die künftige Behandlung der Krankheit haben Schweizer Forscher einen Durchbruch erzielt.

Ein Paar mit Regenschirm auf einem Schriftzug

Bildlegende: «Mers Breaker» - ein Festival in Seoul erinnerte noch vor Tagen an den nationalen Kampf gegen den Virus. Keystone

Zwei Monate nach dem Auftreten des Mers-Virus in Südkorea hat die Regierung das Ende der tödlichen Epidemie verkündet. «Nach Abwägung verschiedener Umstände kommen die Mediziner und die Regierung zu dem Schluss, dass die Leute sich keine Sorgen mehr machen müssen.»

Das sagte Ministerpräsident Hwang Kyo Ahn bei einem Treffen mit Regierungsvertretern. Seit dem Ausbruch des Virus am 20. Mai erlagen in Südkorea 36 Menschen der Krankheit, 186 weitere erkrankten daran.

Schwerster Ausbruch ausserhalb Saudi-Arabiens

Es war der bislang schwerste Mers-Ausbruch ausserhalb Saudi-Arabiens, wo das Virus vor allem auftrat. Das Mers-Virus ist ein seit dem Jahr 2012 bekannter neuer Stamm aus der Gruppe der Coronaviren.

Die Erkrankung geht häufig mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Husten und Kurzatmigkeit einher. Bei schweren Verläufen kann sich eine Lungenentzündung entwickeln, auch Nierenversagen ist möglich. Weder gibt es bisher einen Impfstoff, noch eine Behandlung gegen die Krankheit.

Massive Einbrüche in der Wirtschaft

Die südkoreanische Wirtschaft erlitt durch die Folgen der Epidemie schwere Verluste. Einkaufszentren, Restaurants und Kinos verzeichneten seit den ersten Fällen deutliche Umsatzrückgänge, da die Menschen grössere Menschenansammlungen mieden.

Auch die Tourismusbranche wurde hart getroffen. So ging die Zahl der ausländischen Besucher im Juni um mehr als 40 Prozent zurück. Die Regierung legte ein milliardenschweres Konjunkturprogramm auf, um die unter der Epidemie leidende Wirtschaft anzukurbeln.

Uni Bellinzona: Antikörper in vier Monaten isoliert

Derweil hat ein internationales Forscherteam unter Schweizer Leitung einen Antikörper gegen die lebensgefährliche Viruserkrankung isoliert. Er könnte in Kürze zur Therapiereife gebracht werden – sofern sich ein Produzent findet.

Nur vier Monate brauchten die Forscher um Antonio Lanzavecchia von der Università della Svizzera Italiana (USI) in Bellinzona nach eigenen Angaben, um die Antikörper zu isolieren, zu testen und in grossen Mengen zu produzieren, wie sie im Fachjournal «PNAS» berichten.

Sie hatten die Antikörper aus dem Blut des ersten an Mers erkrankten Patienten gewonnen. Am Middle East Respiratory Syndrome (Mers) sind seit seiner Entdeckung 2012 bereits rund 1300 Menschen erkrankt und 500 gestorben.

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Bisher 20 Mers-Opfer

0:20 min, aus Tagesschau am Mittag vom 17.6.2015

Angehörige behandeln

«Ein Antikörper hätte die Epidemie in Südkorea einschränken können», sagte Lanzavecchia.

Denn die meisten der Ansteckungen seien bei Kontakten im Spital und zu Angehörigen erfolgt. «Mit Antikörpern hätte man die Patienten heilen und bei den Kontaktpersonen eine Postexpositionsprophylaxe machen können.» Dabei werden all jene behandelt, die vermutlich mit dem Erreger in Kontakt gekommen sind. So wird die Ausbreitung der Epidemie verhindert.

«Wir konnten zeigen, dass der Antikörper wirksam ist»

Antikörper sind Teil des Immunsystems und wehren im Körper Fremdstoffe ab. Sie werden etwa bei Impfungen gebildet. Der neue Mers-Antikörper konnte Mäuse von der Infektion heilen und zeigte sich wirksam gegen mehrere Virenstämme.

Mers zählt wie viele Erkältungsviren und auch der Sars-Erreger zu den Coronaviren. «Wir konnten zeigen, dass der Antikörper wirksam ist», sagte Lanzavecchia. Er könne nun eigentlich klinisch weiterentwickelt werden. Die südkoreanische Regierung hätte Interesse bekundet, aber noch keine kommerzielle Firma.

Besser als Impfung

Sobald eine Epidemie abklinge, schwinde auch das Interesse daran, meint der Immunologe, der am Institut für Biomedizinforschung der USI und der ETH Zürich forscht. Das sei bei Sars so gewesen, gegen das ihr Labor ebenfalls einen Antikörper entwickelt hätte.

Auch gegen Ebola hätte man lange vor der jüngsten Epidemie Antikörper herstellen können. Krisenregionen hätten dann aus Vorratslagern versorgt werden können.

«  Solche Epidemien können ein Land stark destabilisieren »

Antonio Lanzavecchia
Immunologe, Università della Svizzera Italiana (USI), Bellinzona

«Solche Epidemien können ein Land stark destabilisieren. Antikörper sollten zumindest ein Teil von Plänen zu ihrer Vorbeugung sein», urteilte der Immunologe. Seiner Meinung nach wären sie sogar besser geeignet als Impfungen, um tödliche Epidemien rasch zu unterdrücken. «Wir weisen nach, dass man einen Antikörper in kurzer Zeit zur klinischen Reife bringen kann», sagte Lanzavecchia.

Die Entwicklung eines Medikaments aus dem Antikörper dürfte einige Millionen Franken kosten. An der aktuellen Arbeit waren auch das britische Gesundheitsministerium sowie Forscher aus Grossbritannien und den USA beteiligt.