Syrien-Friedensgespräche in weiter Ferne

Die für Ende Woche vereinbarte Frist für eine Waffenruhe in Syrien läuft ab, doch in dem Bürgerkriegsland wird weiter gekämpft. Die Intensität hat seit den Gesprächen von München sogar zugenommen. Damit rücken auch mögliche Friedensgespräche für das gebeutelte Land in die Ferne.

Symbolbild: Wäscheleine mit trocknender Kleidung vor beschädigtem Haus.

Bildlegende: Ein Ende des Krieges ist weiterhin nicht absehbar, die Syrer müssen sich vorerst damit arrangieren. Keystone

Eigentlich sollte in Syrien Ende dieser Woche eine Feuerpause in Kraft treten. Doch stattdessen wird der Gefechtslärm nur lauter. Und die Türkei mischt jetzt auch mit. Friedensgespräche haben unter diesen Vorzeichen vorerst keine Chance, wie SRF-Auslandredaktor Fredy Gsteiger darlegt.

SRF News: Warum hat das mit der Waffenruhe nicht funktioniert, nachdem sich vor einer Woche doch noch alle einig waren?

Fredy Gsteiger: In München schien es zumindest so, als wären sich alle einig. Nach neunstündigen Verhandlungen hatten die beteiligten Staaten behauptet, sie stünden alle hinter dem Ziel einer Waffenruhe innerhalb einer Woche. Doch schon damals bezweifelten viele Beobachter, dass sich alle an ihre Worte halten würden. Genau das ist nun auch eingetreten: Etliche halten sich nicht an die Absprachen von München. Dabei muss man vor allem auf Russland und Iran zeigen. Die Armee von Syriens Präsident Assad marschiert mit russischer und iranischer Hilfe weiter auf Aleppo zu. Die Kämpfe werden dort noch intensiver geführt als vor München, offenbar versucht man, Fakten zu schaffen, um die eigene Position bei künftigen Verhandlungen zu stärken. Auch die Türkei hält sich nicht an die Zusagen von München. Ankara hat die Angriffe auf syrisches Gebiet eher noch verstärkt.

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Bilder der Zerstörung in Homs (unkommentiert)

0:21 min, vom 19.2.2016

Die Staaten haben in München auch versprochen, dass der humanitäre Zugang in Syrien verbessert werden soll. Ist in diesem Bereich in den letzten Tagen zumindest etwas gegangen?

Ja, hier gibt es kleine Fortschritte. In einzelnen, abgeriegelten Ortschaften konnten UNO-Konvois die eingeschlossenen Menschen mit dem Allernötigsten versorgen. Ausserdem gibt es den Plan der UNO, aus Flugzeugen Nothilfe abzuwerfen. Allerdings ist man auch im humanitären Bereich noch weit von den Vereinbarungen von München entfernt. Damals hiess es, der Zugang für humanitäre Organisationenen solle überall und zu jeder Zeit möglich werden. Doch das ist nicht der Fall.

Was heisst das für die Syrien-Friedensverhandlungen?

Nichts Gutes. Die Voraussetzungen für erfolgsversprechende Verhandlungen über die politische Zukunft des geschundenen Landes sind nicht vorhanden. Dazu wären eine Waffenruhe und ein uneingeschränkter Zugang für humanitäre Organisationen nötig. Nur eine minimale Stabilisierung und eine Reduzierung der Gewalt würde bei den syrischen Widersachern das für Zugeständnisse nötige Vertrauen ermöglichen. So fragt sich etwa die syrische Opposition, wieso sie verhandeln soll, solange Assads Armee vorrückt und so auf dem Terrain Fakten schafft. Und für das Regime erscheinen Verhandlungen ebenfalls nicht sinnvoll, solange seine Truppen auf dem Vormarsch sind.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

Friedensverhandlungen verschoben

Eigentlich wollte UNO-Vermittler Staffan de Mistura am 25.Februar in Genf eine neue Runde Friedensgespräche starten. Doch daraus wird vorerst nichts: «Wir brauchen zehn Tage Vorbereitung. Aber wir planen, das bald zu tun. Doch wir wollen richtige Gespräche über Frieden haben, nicht Gespräche über Gespräche», sagte der Sonderbeauftragte der schwedischen Zeitung «Svenska Dagbladet». Viel hänge dabei «von den USA und Russland und ihren Freunden ab». Er hoffe, dass die USA und Russland sich mit ihren Partnern innerhalb einer Woche auf einen Start der Waffenruhe einigen werden. (sda)

UNO-Hilfe aus der Luft

UNO-Hilfe aus der Luft

In einige Gebiete konnte die UNO in den letzten Tagen Nahrungsmittel und Medizin bringen, um die Not der eingekesselten Menschen zu lindern. Doch nicht überall erhalten die Hilfsorganisationen Zugang. Deshalb will die UNO nun erstmals Nahrungsmittel aus der Luft abwerfen. Hören Sie hier das Interview mit WFP-Vertreter Ralf Südhoff.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Hilfsgüter für belagerte Städte

    Aus Tagesschau vom 17.2.2016

    Rund eine halbe Million Menschen leben in Syrien gegenwärtig in Gebieten, wo sie von der Versorgung abgeschnitten sind. Unter Vermittlung der UNO sind heute Konvois von Damaskus aus mit Hilfsgütern in verschiedene Städte aufgebrochen.

  • Assad will die Waffen nicht ruhen lassen

    Aus Tagesschau vom 16.2.2016

    Syriens Präsident Baschar al-Assad hat offenbar nicht vor, die vereinbarte Waffenruhe in Syrien einzuhalten. Ein derartiges Abkommen könne nicht mit Terroristen getroffen werden, sagte er.