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International Syrien-Konflikt: «Russische» Initiative nährt Hoffnungen

US-Aussenminister John Kerry deutet eine Schonfrist für Syrien an. Russland ergreift die Gelegenheit und fordert Syrien auf, ihre Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu stellen. Obama wertet das als «positive Entwicklung». Und der US-Senat verschiebt die Abstimmung über einen Angriff.

Die Aussenminister Russlands und der USA halten die Köpfe zusammen.
Legende: In die Hände gespielt: Kerrys «Ausrutscher» nutzt Russlands Aussenminister Sergej Lawrow (l.) für den Vorschlag. Reuters
Legende: Video US-Aussenminister Kerry auf die Journalistenfrage (engl.) abspielen. Laufzeit 0:27 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.09.2013.

Was kann Assad tun, um eine US-Attacke noch zu vermeiden? Diese Journalistenfrage bringt plötzlich völlig neue Optionen in der Syrien-Krise. Nach Tagen der harten Konfrontation zwischen Russland und den USA scheint plötzliche eine Lösung in Sicht zu sein. Wie ernst es den einzelnen Playern wirklich ist, bleibt aber abzuwarten

Powerplay in den USA

Während in den USA die ganze Propagandamaschine für einen Militärschlag gegen Syrien läuft, sorgt eine Aussage von US-Aussenminister John Kerry für eine plötzliche Wendung. Wenn Syrien innert Wochenfrist sämtliche Chemiewaffen an die internationale Staatengemeinschaft übergibt, wäre ein Militärschlag noch abzuwenden, sagte er bei einem Treffen mit Amtskollegen William Hague in London.

Dementi oder diplomatische Kunst?

Zwar wurde die Aussage vom Weissen Haus umgehend relativiert. Die Erklärung des US-Aussenministers sei quasi ein rhetorischer Fehltritt, ruderte Washington umgehend zurück.

Dennoch: Russland nahm den Steilpass sofort auf. «Wir fordern die syrische Führung auf, die Chemiewaffen nicht nur unter internationale Kontrolle zu stellen, sondern auch später zu vernichten», sagte Aussenminister Lawrow. Ausserdem solle sich Syrien der Organisation über das Verbot dieser Waffen anschliessen.

Obama sieht Chance

Und noch etwas: US-Präsident äusserte sich nach der Relativierung des Weissen Hauses zu dem Vorschlag. Er sprach von einem möglichen Durchbruch. Er sehe eine Chance für einen Erfolg dieses Vorstosses, wenn er denn «echt» sei, sagte Obama am Montag in einem Interview mit mehreren TV-Sendern. «Wir werden das ernst nehmen», ergänzte er. Er wolle das Gespräch mit den Russen suchen.

Das rief umgehend den US-Senat auf den Plan. Der sollte eigentlich über eine Resolution abstimmen, die einen Angriff auf Syrien umfasst. Der demokratische Mehrheitsführer Harry Reid zog sogleich die Notbremse. Er verschob die Probeabstimmung. Damit wolle er dem Präsidenten Zeit geben, das Volk über die Vorgänge zu informieren. Ein amerikanischer Angriff ist vorerst abgewendet.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von JP. Simon, Nietzscheaner, Bern
    Verlogene Diplomatie vom gröbsten u. zugleich vom feinsten, der polit. Verstand lässt sich von humanen Gefühlen leiten. Es kann schon vorkommen, dass die Worte des lügen müde werden und zu einer Wahrheit Zuflucht suchen, muss man hinterher, oder erspart es einem das fluchen. John Kerry ist von der Sachebene auf die Gefühlsebene gefallen, gar abgestürzt, da sind einige Kriegsgurgeln arg bestürzt, Suche er Rat bei B. Clinton, der brachte jede Wahrheit, an M. Lewinsky vorbei, zum verschwinden.
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  • Kommentar von W. Helfer, Zürich
    Fakt ist! Es wurden viele Kinder getötet um sie für eine Propoganda zu missbrauchen. Statt Bomben zu werfen, sollte man klären woher diese Kinder kommen, welche jeweils präsentiert werden. Ich habe einen Bericht gehört, wo sich Eltern und eine Lehrerin aus einem Dorf gemeldet haben, welche ihre entführten Kinder in den Giftgasbildern erkannt haben. Es sollte für die UNO u den "Weltsicherheitsrat" ? nicht so schwer sein, solchen Dingen nachzugehen. Aber anscheindend sind sie nicht fähig.
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    1. Antwort von K.D.Waldeck, Bellinzona
      so traurig es ist, leider besteht die Möglichkeit das aus den Reihen der Auständischen diese grausame Tat begangen wurde um die USA und ihre Verbündeten in den Konflikt hineinzuziehen. Erst wenn das zweifelsfrei widerlegt wurde ist ein Angriff auf Assa gerechtfertigt !
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    2. Antwort von W. Helfer, Zürich
      Selbst wenn Assad für diese grausige Propaganda verantwortlich wäre, rechtfertigt es nicht, dass in einem Land unschuldige Menschenleben und deren Grundlagen durch Bomben zerstört werden. Dann soll man Assad aus dem Verkehr ziehen. Wenn die USA wirkliche Beweise hätten und diese offenlegen würden, hätte Assad sicher keine Unterstützung mehr im Volk und könnte leicht gefangen und zur Verantwortung gezogen werden. Aber man will ja einfach NUR die Kontrolle über Syrien. Und das zu JEDEM Preis.
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    3. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      @W.Helfer: Im Hintergrund geht es auch um die libanesische Hisbollah, welche den Saudis und vor allem Israel ein Dorn im Auge sind. Der Versuch Israels, sich dieses Problems zu entledigen ist ja vor einigen Jahren kläglich gescheitert, da die Hisbollah über panzerbrechende Waffen verfügt. Im Zuge einer Bombardierung Syriens könnte man das Versäumte nachholen...
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Internationale Kontrolle? Sollte Assad hier tatsächlich zustimmen, dürfte das Zähneknirschen des kriegslüsternen und Terrorismus unterstützenden Iran kaum mehr überhörbar sein. Allerdings dürfte eine blosse Kontrolle und anschliessende Vernichtung der Chemiewaffen Syriens nichts am weiteren massenweise Töten in Syrien ändern. Daher ist ein Eingreifen durch die USA und ihren Verbündeten unumgänglich.
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