Syriens Nachbarn bitten um mehr Hilfe für Flüchtlinge

Nach mehr als drei Jahren bewaffnetem Konflikt ist inzwischen jeder zweite Syrer auf der Flucht. Die Nachbarländer haben Millionen Menschen aufgenommen – und stossen längst an ihre Grenzen. Die Schweiz will nun die Hilfe verstärken.

Eine Frau mit einem Baby in der Hand wartet an der syrischen Grenze

Bildlegende: Wegen des Bürgerkriegs sind Millionen Menschen in die Nachbarstaaten geflüchtet. Reuters

Syriens Nachbarländer haben die internationale Gemeinschaft eindringlich zu weiterer Unterstützung bei der Bewältigung des Flüchtlings-Dramas in der Region aufgefordert.

«Wir haben alles für die Flüchtlinge gegeben, aber jetzt brauchen wir selbst Hilfe», sagte der libanesische Ministerpräsident Tammam Salam zum Auftakt einer Flüchtlingskonferenz mit Vertretern von 40 Ländern und Organisationen in Berlin.

Sein Land habe die Grenze der Belastbarkeit erreicht, betonte Salam. Er rief die Weltgemeinschaft dazu auf, die finanziellen Hilfen auszuweiten und mehr Flüchtlinge aufzunehmen als bisher. Ähnlich äusserten sich Vertreter Jordaniens, der Türkei, des Iraks und Ägyptens.

«  Wir haben alles für die Flüchtlinge gegeben, aber jetzt brauchen wir selbst Hilfe. »

Tammam Sala
Libanons Ministerpräsident

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Eine Kleinstadt wird von Flüchtlingen überschwemmt

2:02 min, aus Tagesschau vom 28.10.2014

Verschiedenen Schätzungen zufolge sind seit Beginn des Bürgerkriegs vor drei Jahren zwischen drei und fünf Millionen Syrer aus ihrer Heimat geflüchtet – vor allem in die Anrainerstaaten Libanon, Jordanien und die Türkei..

UNO-Flüchtlingskommissar António Guterres kritisierte, die internationale Unterstützung reiche nicht aus. «Die Situation in Syrien ist die dramatischste humanitäre Krise, die die Welt in letzter Zeit gesehen hat», sagte er. Die betroffenen Länder bräuchten finanzielle Hilfe. «Es müssen Prioritäten verschoben werden bei der entwicklungspolitischen Unterstützung.»

Burkhalter fordert rasche Hilfe

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Die Schweiz will vor allem vor Ort Hilfe leisten

2:42 min, vom 28.10.2014

Auch der Schweizer Bundespräsident Didier Burkhalter hat zu rascher Hilfe für die Flüchtlinge aufgerufen. Obwohl Hilfswerke unermüdlich Unterstützung leisteten, könnten sie nicht mit der wachsenden Nachfrage mithalten. Die Hilfe müsse verstärkt werden, mahnte der Aussenminister.

Es gelte, keine Zeit zu verlieren, da der Wintereinbruch bevorstehe. «Wir müssen sofort handeln, um sicherzustellen, dass tausende Menschen einen warmen und sicheren Aufenthaltsort haben», sagte Burkhalter. Die Schweiz werde dieses Jahr Zelte, Heizkörper und Decken in den Irak liefern. Bereits seit 2011 engagiert sich die Schweiz in der Region in der Winterhilfe.

Schweiz will Verantwortung wahrnehmen

Die Schweiz hat laut dem Bundesrat bisher rund 120,5 Millionen Franken für die Krise in Syrien und dem Irak bereitgestellt und sei bereit, ihr Engagement noch zu verstärken. «Die Schweiz wird auch weiterhin ihre Verantwortung wahrnehmen.»

Dabei werde sich die Schweiz auf ihre drei Kernanliegen konzentrieren: humanitäre Hilfe, die Suche nach einer politischen Lösung und das Internationale Recht. Insbesondere dürfe es keine Straflosigkeit für die schrecklichen Verbrechen geben, mahnte Burkhalter. Deshalb unterstütze die Schweiz die Verweisung der Situation in Syrien an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC).

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Eine Familie irakischer Christen von Qaraqosh. Sie ist vor dem «Islamischen Staat» nach Erbil geflohen.

    «Das Flüchtlingsdrama in Irak ist überwältigend»

    Aus Echo der Zeit vom 28.10.2014

    In Irak kommen zu hunderttausenden Syrienflüchtlingen noch zahllose intern Vertriebene, die aus anderen Landesteilen vor Krieg und islamistischem Terror geflohen sind. Das Flüchtlingshilfswerk der UNO kann längst nicht mehr alle versorgen. Reportage aus Erbil.

    Philipp Scholkmann

  • Gruppenbild der internationalen Flüchtlingskonferenz in Berlin.

    Internationale Hilfe für Millionen Flüchtlinge?

    Aus Echo der Zeit vom 28.10.2014

    Rund drei Millionen Menschen sind aus Syrien und Irak in die Nachbarstaaten geflohen, weitere zehn Millionen sind innerhalb ihrer Länder auf der Flucht oder sonst auf Hilfe angewiesen. Kurz vor Wintereinbruch haben in Berlin VertreterInnen aus 40 Ländern über internationale Hilfe diskutiert.

    Casper Selg