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International Taliban überrennen Kundus und befreien hunderte Islamisten

Zwei Jahre nach dem Abzug der deutschen Bundeswehr droht die nordafghanische Provinzhauptstadt Kundus in die Hände der Taliban zu fallen. Die Islamisten haben heute mehr als die Hälfte der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht und hunderte islamistische Kämpfer aus einem Gefängnis befreit.

Innert weniger Stunden haben die islamistischen Taliban in einer Offensive grosse Teile der Provinzhauptstadt Kundus im Norden Afghanistans eingenommen. Dabei wurden laut Angaben der lokalen Sicherheitskräfte hunderte islamistische Kämpfer aus dem Gefängnis befreit. Davor hätten mit schweren Granaten bewaffnete Islamisten die Sicherheitskräfte beim Hauptgefängnis überwältigt.

Schwarzer Rauch über Kundus.
Legende: Innert weniger Stunden nahmen die Taliban am Montag grosse Teile der Provinzhauptstadt ein. Keystone

Auch das öffentliche Spital, mehrere Regierungs- sowie das Gerichtsgebäude haben die Taliban innert weniger Stunden unter ihre Kontrolle gebracht. Über dem zentralen Platz der Stadt haben sie bereits ihre Fahne gehisst. Der Palast des Provinzgouverneurs und das Polizei-Hauptquartier sind laut Polizeiangaben dagegen noch in der Hand der afghanischen Sicherheitskräfte.

Regierungstruppen seien unterwegs, um diese bei den nach wie vor andauernden Kämpfen zu unterstützen. Dies sagte der Provinzgouverneur am Flughafen der Stadt, an den er aus seinem Amtssitz geflüchtet war.

Angaben zu Opfern der Kämpfe lagen zunächst nicht vor. Mit Ausbruch der Kämpfe seien sämtliche Ausländer zum Flughafen geflüchtet, berichtet ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation am Telefon. Lediglich die Einheimischen seien noch in der Stadt. Diese wurden von den Taliban aufgefordert, bis zum Ende der Kämpfe in ihren Häusern zu bleiben.

Prekäre Sicherheitslage in der gesamten Provinz

Zwei Jahre nach dem Abzug der deutschen Bundeswehr droht Kundus als erste Provinzhauptstadt Afghanistans an die Taliban zu fallen. Mehrfach hatten die Aufständischen in diesem Jahr bereits Angriffe auf Kundus unternommen. Im Juni drangen sie laut Augenzeugenberichten bis an den Stadtrand vor. Ebenfalls im Juni nahmen die Taliban den Distrikt Dascht-e-Archie ein, die anderen sechs Distrikte rund um die Stadt sind umkämpft.

Karte von Afghanistan mit Kundus im Nordosten.
Legende: Die Provinz Kundus mit der gleichnamigen Hauptstadt galt lange als eine der sichersten Regionen Afghanistans. srf

Dabei erbeuteten die Islamisten laut einem afghanischen Regierungsmitarbeiter 25 bis 30 teils gepanzerte Kampffahrzeuge vom Typ Humvee. Mit diesen waren die afghanischen Sicherheitskräfte von der US-Armee ausgerüstet worden. Ausserdem sollen die Islamisten in der Provinz Kundus über eine schnelle Eingreiftruppe mit rund 600 Mann verfügen, wie sie in hochprofessionellen Armeen üblich sind.

Angeblich sollen die Taliban bereits vor dem heutigen Angriff auf Kunduz 80 Prozent der gleichnamigen Provinz kontrolliert haben. Als die deutsche Bundeswehr 2003 ihren zehnjährigen Einsatz in Kundus begonnen hatte, galt die Region noch als eine der sichersten des Landes. Bereits bei Beendung des Einsatzes 2013 hatte sich die Sicherheitslage jedoch deutlich verschlechtert.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Udo Gerschler (UG)
    Mir tun die Eltern leid die ihre Kinder auf Befehl deutscher Politiker in Afgahnistan verloren haben.Keiner kann sagen wofür.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Was zu erwarten war wird nun ja natürlich auch eintreten. Die Taliban erobern ihr Land zurück. Ausser Spesen, Leid und Tränen nichts gewesen, nichts bewirkt und alle Opfer waren vergeblich. - Wie hiess es doch da mal: "die Demokratie und den Frieden am Hinduksch...." oder sowas ähnlich klingendes?
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      ....es wurde einem eingetrommelt: "die Sicherheit Deutschlands wird am Hindukusch verteidigt". Nicht genug mit Lug und Trug: Jetzt hat Merkel die deutschen Grenzen abgeschafft und somit Tür und Tor auch für Terrormilizen jeglicher Couleur sperrangelweit geöffnet. Es ist zum Haare raufen. Früher hatte man im 19. Jahrhundert mal in Bayern aus geringerem Anlass einen König, Ludwig II. entmündigt und abgesetzt.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Über Afghanistan sollte man sich keine Illusionen machen. Die Taliban, der Grossteil der einfachen Bevölkerung wie auch die "Eliten" hassen die Westler, ganz besonders die Amerikaner. Aber wenn es um die Verteidigung ihrer Einkünfte aus Drogenanbau, Korruption und Veruntreuung von Aufbauhilfen geht, holen die "Eliten" sie zur Hilfe. Für KSA kann man diese Aussage mit "Rohöl" anpassen.
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