Tausende Flüchtlinge aus Mittelmeer gerettet

In einer gross angelegten Rettungsaktion wurden knapp 3500 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet. Sie waren in Holzbooten unterwegs. Schiffe verschiedener Staaten nahmen die Hilfsbedürftigen auf. Einige der Fluchtboote wurden später zerstört.

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Flüchtlinge aus Seenot gerettet

0:29 min, aus Tagesschau am Mittag vom 7.6.2015

Bei einer Rettungsaktion im Mittelmeer haben Schiffe der deutschen, italienischen und irischen Marine und einer Hilfsorganisation am Samstag vor der libyschen Küste fast 3500 Flüchtlinge aufgenommen.

Rettungsboot im Mittelmeer der deutschen Bundeswehr.

Bildlegende: Rettungskräfte aus verschiedenen Ländern sind an der Aktion im Mittelmeer beteiligt. Keystone/Archivbild

Insgesamt 15 Flüchtlingsboote waren am Morgen in Seenot geraten. Alle 3480 Menschen konnten nach Angaben der italienischen Küstenwache gerettet werden. «Die verlassenen Boote wurden als Schifffahrtshindernis eingestuft und zerstört», teilte die deutsche Bundeswehr mit. Zwei deutsche Schiffe nahmen 1411 Menschen aus vier Booten auf, darunter über 300 Frauen und 145 Kinder.

Geglückte Flucht für 40'000

Die Rettungsaktion wurde zunächst von der in Malta ansässigen Stiftung Seenotrettung (Migrant Offshore Aid Station - MOAS) koordiniert, die mit dem Schiff «Phoenix» vor Ort war.

Seit dem Jahresbeginn erreichten bereits etwa 40'000 Flüchtlinge aus Nordafrika über das Mittelmeer die Europäische Union, die meisten von ihnen Italien oder Griechenland. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration kamen bis Mitte Mai fast 1800 Menschen auf der gefährlichen Überfahrt ums Leben.

Mit einer Militärmission will die Europäische Union künftig das Schleusen von Flüchtlingen über das Mittelmeer unterbinden. Die EU-Länder hatten im Mai den Plan gebilligt, mit einem Marineeinsatz gegen Schlepperbanden vorzugehen. In einer ersten Stufe sollen Schiffe und Überwachungsflugzeuge Informationen über die Schleusernetze sammeln.

Für ein militärisches Vorgehen gegen Schlepperboote, das bis zu ihrer Zerstörung reichen könnte, will die EU ein Mandat der Vereinten Nationen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • EU sagt Schlepperbanden im Mittelmeer den Kampf an

    Aus Tagesschau vom 18.5.2015

    In Brüssel haben sich die Aussen- und Verteidigungsminister der EU zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen, um die Details einer Militärmission im Mittelmeer vorzubereiten. Einschätzungen von EU-Korrespondent Sebastian Ramspeck.

  • Mittelmeer: Hilfe für Bootsflüchtlinge

    Aus Tagesschau vom 14.5.2015

    Ein Verteilschlüssel für Flüchtlinge oder auch ein Militäreinsatz gegen Schlepper: über diese Vorschläge wollen die EU-Aussen- und Verteidigungsminister nächsten Montag weiter beraten. Schnell eingreifen tut dagegen "Moas", eine Initiative von Ärzten, Sicherheitsexperten und Seeleuten, die Bootsflüchtlingen helfen wollen.

  • 4‘500 Flüchtlinge aus Seenot gerettet

    Aus Tagesschau vom 3.5.2015

    An diesem Wochenende haben Rettungsschiffe rund 4‘500 Bootsflüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Neben der italienischen und griechischen Küstenwache beteiligen sich inzwischen auch Schiffe aus Frankreich und Deutschland.