Terror bedroht historische Wahl in Pakistan

Am Samstag wählt das Land ein neues Parlament. Die Pakistaner hoffen, dass die Taliban aus der historischen Wahl am Samstag kein Blutbad machen. Die Islamisten drohten mit einer Welle von Anschlägen. Eine Bombenexplosion hat bereits drei Tote gefordert.

Eine Welle der Gewalt: Das kündigten die Taliban anlässlich der pakistanischen Parlamentswahlen am Samstag an.

Bereits kam es wieder zu einem ersten Zwischenfall: In Miranshah in Nord-Waziristan sind in der Nähe der Büros verschiedener Kandidaten zwei Bomben explodiert. Sie rissen mindestens drei Menschen in den Tod, 15 weitere wurden verletzt. Der Ort in der Nähe zur afghanischen Grenze gilt als Rückzugsort der Taliban und anderer Gruppierungen, die der Al-Kaida nahestehen. Zum Anschlag hat sich noch niemand bekannt.

Taliban bezeichnen Wahl als «unislamisch»

Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf mindestens 117, die im Zusammenhang mit den Wahlen stehen, die aus Sicht der Taliban «unislamisch» sind.

Die Behörden haben wegen der Drohungen der Taliban aufgerüstet: Ein massives Aufgebot von Polizei und Armee wird am Wahltag im Einsatz stehen. Allein in der bevölkerungsreichsten pakistanischen Provinz Punjab überwachen 300‘000 Sicherheitskräfte die Wahl, wie ein Armeesprecher erklärte. Weitere 96‘000 Sicherheitskräfte stünden im Nordwesten des Landes bereit.

Der Anführer der pakistanischen Taliban, Hakimullah Mehsud, hatte mit Selbstmordanschlägen in allen vier Provinzen des Landes gedroht.

«Wir akzeptieren das System der Ungläubigen nicht, das sich Demokratie nennt», schrieb Mehsud in einem Brief an den Sprecher der Extremistengruppe. Deshalb würden die Taliban das Land am Wahltag mit einer Welle der Gewalt überziehen. Die pakistanischen Sicherheitskräfte seien auf die Angriffswelle vorbereitet, sagte der Armeesprecher dazu.

Besondere Parlamentswahlen

Trotzt der Gewalt: Die Parlamentswahl gilt als Meilenstein in der Geschichte Pakistans. Zum ersten Mal schliesst mit der Wahl eine Zivilregierung eine volle Legislaturperiode ab.

Die Taliban wollen ein Ende der Militärzusammenarbeit von Pakistan mit den USA erzwingen. Die Regierung von Islamabad ist ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen Taliban und Al-Kaida in Afghanistan.

Aus Sicht der USA muss verhindert werden, dass pakistanische Atomwaffen in die Hände einer radikal-islamischen Regierung fallen.

US-Drohnenangriffe verurteilt

Ein Gericht in Pakistan hat angeordnet, die Regierung müsse die US-Drohnenangriffe stoppen und die unbemannten Flugzeuge notfalls abschiessen lassen. Der oberste Richter der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa verurteilte die Angriffe als «Kriegsverbrechen», durch die tausende Zivilisten getötet wurden. Der US-Geheimdienst CIA sei dafür verantwortlich.

Sohn von Ex-Premier entführt

Kurz vor der Wahl haben bewaffnete Männer einen Sohn des früheren Premiers Yousuf Raza Gilani entführt. Syed Ali Haider Gilani, der für die Volkspartei PPP kandidiert, war laut Polizei auf einer Wahlkampfveranstaltung in seiner Heimatstadt Multan in Punjab, als die Angreifer seinen Manager erschossen und ihn selbst ins Auto zwangen.