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Todesstrafe weltweit Weniger Hinrichtungen im letzten Jahr – Dunkelziffer bleibt

  • Weltweit sind laut dem neusten Bericht von Amnesty International (AI) im letzten Jahr 993 Menschen hingerichtet worden, mehr als die Hälfte davon alleine im Iran.
  • Die Zahl der Hingerichteten ist im Vergleich zum Vorjahr um 39 Fälle gesunken.
  • Im Bericht fehlen aber Angaben zur Volksrepublik China, die keine offiziellen Zahlen herausgibt.

Schätzungen zufolge werden in China mehr Menschen hingerichtet als im Rest der Welt zusammengenommen. AI geht davon aus, dass dort die Todesstrafe jährlich weiterhin «tausendfach verhängt und vollstreckt wird.»

Amnesty International: Todesstrafe auch bei Drogendelikten

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SRF News: Andreas Walder, was sind die Gründe für den Rückgang der vollstreckten Todesurteile?

Der Rückgang ist eine Bestätigung des globalen Trends zur Abschaffung der Todesstrafe. Wir beobachten diesen Trend schon seit Jahrzehnten. In einzelnen Kontinenten war er sehr erfolgreich, beispielsweise in Europa und Südamerika. Nun vollziehen andere Kontinente das nach. Es hat eine Art Normalisierung eingesetzt. Primär sind es die Regierungen, die einsehen, dass in der heutigen Gesellschaft diese Strafe nicht mehr opportun ist.

Welche Länder machen nun den Schritt in Abschaffung der Todesstrafe?

Wir verzeichnen einen positiven Trend im südlichen Afrika. Dort sind es jetzt 20 Staaten, die die Todesstrafe vollständig abgeschafft haben. Damit ist dieser Kontinent in einem Wandel. Auch dort ist man zur Einsicht gekommen, dass die Todesstrafe kein taugliches Instrument im Verhältnis zwischen Staat und Bürger ist.

Vor allem im Nahen Osten, in Iran, Saudi-Arabien und in Irak werden Todesstrafen noch vollzogen. Warum?

Es gibt verschiedene Gründe, warum diese Länder an der Todesstrafe festhalten. In diesen drei Ländern sind ziemlich autoritäre Regimes an der Macht. Sie nutzen die Todesstrafe als eine Art Machtinstrument gegenüber der Bevölkerung, um zum Beispiel die Opposition einzuschüchtern. Zudem sind es alles Länder, die ziemlich instabil sind, sie sind auch alle in kriegerische Konflikte verwickelt. Wenn man die Weltkarte der Länder anschaut, sind es oft politisch instabile Länder, die in bewaffnete Konflikte verwickelt sind, die die Todesstrafe anwenden.

Auch in Asien wird die Todesstrafe noch vollzogen.

Ja, vor allem in China. China behandelt das als Staatsgeheimnis und gibt keine Zahlen bekannt. Doch es gibt auch andere Länder in der Region, Nordkorea, Vietnam, Japan und Malaysia, wo die Todesstrafe vollzogen wird. In Asien wird die Todesstrafe oft bei Delikten eingesetzt, für die sie eigentlich nicht zulässig ist, zum Beispiel Drogendelikte.

Im Jahresbericht werden Exekutionen in insgesamt 23 Ländern dokumentiert. Jedes Jahr streichen weitere Staaten die Todesstrafe aus ihren Gesetzesbüchern, im Jahr 2017 waren dies zum Beispiel Guinea und die Mongolei. Insgesamt werden laut Amnesty in 142 Ländern keine Todesurteile mehr verhängt.

Mehr Menschen zum Tode verurteilt

Die Zahl der Menschen, die zum Tode verurteilt wurden, erhöhte sich aber laut dem Bericht. Im 2017 waren es insgesamt 21'919 Menschen – 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Verhängt oder vollstreckt wurde die Todesstrafe vermehrt im Kampf gegen Drogen, vor allem in Nordafrika und im Nahen Osten.

Todesstrafe wetweit

10 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Der Titel dieses Beitrages ist ein Wiederspruch in sich. Wie kann man wissen dass es weniger Hinrichtungen gibt wenn man die genauen Zahlen nicht kennt?
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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    Manche haben aufgrund Ihrer bestialischen Taten grundsätzlich ihre "Menschenrechte" zu recht für immer versagt! Oder will hier jemand tatsächlich behaupten dass Adolf Eichmann oder Amon Göth usw. zu unrecht Hingerichtet wurde??
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  • Kommentar von Adrian Flükiger (Ädu)
    Das sind doch alles Staaten, mit denen wir nur die besten Handelsbeziehungen pflegen (wollen). Also, kein unnötiges Entsetzen an den Tag legen, oder aber die Botschafter dieser Länder einbestellen und ihnen für ihre politisches Führungspersonal die Leviten lesen. Herr Berset kann in Japan gleich selber damit anfangen!
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