Top-Terrorist an Jordanien ausgeliefert

Nun kann ihm sein Heimatland den Prozess machen: Der Islamist Abu Katada soll eine wichtige Rolle im Netzwerk Al-Kaida gespielt haben. Lange konnte er sich dagegen wehren, aus Grossbritannien abgeschoben zu werden.

Video «Hassprediger nach Jordanien abgeschoben» abspielen

Hassprediger nach Jordanien abgeschoben

0:41 min, aus Tagesschau am Mittag vom 7.7.2013

Der islamistische Hassprediger Abu Katada ist nach einem jahrelangen Justiz-Marathon von Grossbritannien in sein Heimatland Jordanien abgeschoben worden. Der 53-Jährige traf am Sonntag auf einem Flugfeld in der Nähe von Amman ein und wurde sofort in ein Gefängnis gebracht.

Katada verliess Grossbritannien in der Nacht zum Sonntag an Bord einer Militärmaschine. Fernsehbilder zeigten ihn in einem weissen Gewand, als er an Bord ging. In Amman wurde der islamistische Prediger den Justizbehörden übergeben. Katadas Frau und seine fünf Kinder blieben in Grossbritannien.

Katadas Auslieferung war möglich geworden, nachdem sich beide Länder auf ein Abkommen geeinigt hatten. Darin wird garantiert, dass durch Folter gewonnene Beweise nicht in einem Gerichtsverfahren benutzt werden dürfen. London strebte seit gut einem Jahrzehnt danach, Katada auszuliefern. Die jordanische Justiz will zwei Verfahren wegen Terrorvorwürfen gegen ihn neu aufrollen.

Gegen Auslieferung gewehrt

Abu Katada, der eigentlich Omar Mohammed Othman heisst, wehrte sich mehrfach erfolgreich gegen die Auslieferung. Die britischen Justizbehörden machten geltend, in den jordanischen Verfahren gegen ihn könnten unter Folter gewonnene Informationen verwendet werden.

Jordaniens Informationsminister und Regierungssprecher Mohammed Momani sagte, Jordanien werde «Glaubwürdigkeit und Transparenz» in Katadas Fall walten lassen. Die Gerichte des Landes «respektieren die Menschenrechte».

Der britische Premierminister David Cameron zeigte sich «hocherfreut» angesichts Katadas Auslieferung. Es sei «sehr schwer» gewesen und habe «sehr lange gedauert», ihn auszuliefern. Innenministerin Theresa May bezeichnete Katada als «gefährlichen Mann», der Grossbritannien nun verlassen habe, um in seinem Land vor Gericht gestellt zu werden.

Einst zum Tode verurteilt

Abu Katada war 1999 in Jordanien in Abwesenheit wegen Plänen zu Terroranschlägen unter anderem in Amman zum Tode verurteilt worden. Die Strafe wurde aber zu lebenslanger Haft und Zwangsarbeit umgewandelt. Im Jahr 2000 bekam er erneut 15 Jahre Haft wegen mutmasslicher Anschlagspläne.

Abu Katada lebte aber seit 1993 in Grossbritannien, wo er Asyl beantragt hatte. Der grossgewachsene Mann mit dem markanten langen Bart machte rasch mit antiwestlichen, antijüdischen und gegen die USA gerichteten Predigten auf sich aufmerksam. Oft wurde er als «spiritueller Chef Al-Kaidas» in Europa und «europäischer Botschafter» von Terrorchef Osama bin Laden bezeichnet.

Gefahr für nationale Sicherheit

Im Jahr 2002 wurde er erstmals festgenommen, seitdem verbrachte er den Grossteil seiner Zeit in Haft oder unter Hausarrest. Erst Mitte Mai entschied ein Gericht erneut, Abu Katada sei «eine Gefahr für die nationale Sicherheit» und müsse weiterhin in Haft bleiben.

Im Juni schliesslich ratifizierten die Parlamente Jordaniens und Grossbritanniens das zuvor unterzeichnete bilaterale Auslieferungsabkommen, das auch für Katada galt.