Troika nimmt Zahlen der Griechen unter die Lupe

Griechenland ist nach wie vor vom Bankrott bedroht. Doch die dunklen Wolken lichten sich langsam. Positive Anzeichen kommen vom Arbeitsmarkt und aus dem Bankensektor. Der Tourismus weckt Hoffnungen. Die internationalen Geldgeber kontrollieren, was wirklich hinter den Zahlen steckt.

Staatsangestellte demonstrieren gegen die geplanten Entlassungen.

Bildlegende: Reizthema: Staatsangestellte demonstrieren gegen die geplanten Entlassungen. Reuters

Die «Troika» der internationalen Geldgeber steht wieder vor den Toren Athens. Die Experten von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) prüfen den Stand des Reform- und Konsolidierungsprogramms in Griechenland. Es geht um die Freigabe einer weiteren Tranche in Höhe von 3,3 Milliarden Euro für das von der Pleite bedrohte Euro-Land.

Einer der wichtigsten Kontrollpunkte ist die Verschlankung des Staatsapparates. Privatisierungen und Entlassungen im öffentlichen Bereich sollen das erreichen. Doch die griechische Regierung hat Mühe. Corinna Jessen ist Journalistin in Griechenland. Sie sagt gegenüber Radio SRF: «Man tut sich sehr schwer, eine Liste zu erstellen, auf der die zu entlassenen Staatsdiener aufgeführt werden.»

Ein Reizthema

Denn Entlassungen sind ein politisches Reizthema. Besonders, wenn der Staat Menschen auf die Strasse setzt. Laut Jessen ist eine Anstellung beim Staat eine der wenigen sozialen Absicherungen für die Menschen im Land. «Es gibt kaum andere soziale Netze, die beispielsweise Arbeitslose auffangen.»

In Griechenland grassiert die Arbeitslosigkeit. Die Quote liegt bei 27 Prozent. Mehr als 60 Prozent der jungen Menschen sind ohne Job. Zunehmend werden Arbeitslose zu Obdachlosen. Das ist sozial und politisch sehr heikel für die Regierung. Sie versucht daher, die  Vorgaben der Troika durch weniger Einstellungen zu erreichen anstatt durch Massenentlassungen.

Zeichen stehen auf Besserung

Unterdessen gibt es in Griechenland positive Anzeichen auf dem Arbeitsmarkt und im Bankensektor. Regierungschef Antonio Samaras spricht sogar von einer Erfolgsgeschichte. So viel Optimismus geht Jessen zu weit.

Doch der Bankensektor erholt sich. «Die Alpha Bank steht wieder auf eigenen Füssen», sagt die Journalistin. Das Finanzinstitut hat die nötigen 4,571 Milliarden Euro an Kapital aufgetrieben, um ohne Hilfsgelder weiterarbeiten zu können. Die Alpha Bank ist damit die erste der vier als systemrelevant eingestuften Banken Griechenlands, der dies gelingt.

Die Nachrichtenagentur dpa beruft sich auf Bankenkreise in Athen: Danach bestehen gute Aussichten, dass zwei weitere griechische Grossbanken, die Piräus Bank und die National Bank of Greece, den Schritt auch schaffen können.

Zudem ist am griechischen Arbeitsmarkt das Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Im Mai gab es mehr Einstellungen als Entlassungen. Gemäss dem Arbeitsministerium in Athen wurden 124 295 Menschen eingestellt. Dagegen seien 68 562 Arbeitnehmer entlassen worden oder hätten gekündigt. Auch die Bilanz der ersten fünf Monate ist positiv: Von Januar bis Ende Mai wurden 76 193 Menschen mehr eingestellt als entlassen.

Hoffnungsschimmer Tourismus

Der Gastronomie- und Hotelsektor hat viele Arbeitskräfte angeheuert. Das weckt Hoffnungen. Und diese scheinen begründet. Griechenland erwartet dieses Jahr 17 Millionen Touristen. Das ist gemäss Jessen rekordverdächtig – und bitter nötig in Anbetracht des Devisenbedarfs in Griechenland.