Zum Inhalt springen

Trumps Nuklearstrategie «Kleine Atombomben sind besonders heimtückisch»

Legende: Audio Fredy Gsteiger: «Die kleinen Atombomben machen die Welt nicht sicherer» abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.
04:59 min, aus Echo der Zeit vom 05.02.2018.

Die USA wollen ihr Atomarsenal erweitern – so steht es in einem Bericht des Pentagons zur künftigen Nuklearstrategie der USA. Die Regierung unter Donald Trump will neue Atomwaffen von kleinerer Sprengkraft. Sie können sehr viel flexibler eingesetzt werden, wie SRF-Sicherheitsexperte Fredy Gsteiger weiss.

SRF: Um welche Atomwaffen geht es genau?

Fredy Gsteiger: Es geht um «kleine Atombomben», die zum Teil auch auf U-Booten stationiert werden sollen. Allerdings ist der Begriff «mini nukes» eine Verharmlosung. Denn diese «kleinen Atombomben» haben eine Sprengkraft von etwa 20 Kilotonnen. Das ist weit mehr als seinerzeit etwa die Bomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki hatten.

Zu welchem Zweck werden diese Waffen eingesetzt?

Grosse Atombomben sind ja ein Stück weit Prestigewaffen oder politische Waffen. Es sind strategische Atomwaffen, die der Abschreckung dienen – mit der Idee, dass man sie gar nie einsetzen muss, weil die Wirkung derart zerstörerisch wäre. Bei den kleinen Atombomben ist das anders. Hier geht es tatsächlich zumindest um die Idee, sie unter bestimmten Umständen tatsächlich einzusetzen. Das macht sie besonders tückisch.

Sowohl die USA als auch Russland haben schon so viele Atombomben, dass sie sich mehrfach gegenseitig vernichten könnten.

Laut den USA ist der Entscheid zum Kauf kleinerer Atomwaffen eine Reaktion auf Russland, welches solche Bomben seit längerem schon besitzt. Ist diese Begründung nachvollziehbar?

Die Begründung ist in einem Punkt nachvollziehbar: Es ist in der Tat so, dass Russland immer schon eine grössere Zahl an sogenannten taktischen oder eben kleineren Atomwaffen besass und sie in den letzten Jahren modernisiert hat. Die Vereinigten Staaten haben auch solche Waffen. Sie sind hauptsächlich in Nato-Ländern stationiert. Aber es sind nur sehr wenige, etwa 150 an der Zahl.

Nicht nachvollziehbar ist die Begründung aber, wenn man sich die Frage stellt: Wird die Welt dadurch in irgendeiner Weise sicherer? Diese Frage lässt sich ganz klar mit Nein beantworten. Sowohl die USA als auch Russland haben ohnehin so viele Atombomben, dass sie sich mehrfach gegenseitig vernichten könnten.

Ist es eine scheinheilige Argumentation, wenn Russland sagt, mit diesem Aufrüsten senkten die USA die Schwelle für einen Nukleareinsatz?

Nein, diese Argumentation der Russen ist grundsätzlich richtig. Je mehr verschiedene Atombomben es für verschiedene Einsatzszenarien und Reichweiten gibt, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass eine davon irgendwann mal eingesetzt wird. Nicht recht haben die Russen insofern, dass sie dieses Aufrüsten ebenfalls betreiben.

Der Entscheid der USA senkt die Hemmschwelle für den Einsatz von Atomwaffen.

Inwiefern verändert der Entscheid zum Aufrüsten weltweit die Machtverhältnisse?

Eigentlich verändert es die geostrategischen Machtverhältnisse der wichtigen Mächte nicht. Es senkt jedoch die Hemmschwelle für den Einsatz von Atomwaffen – und das wiederum macht die Welt noch unsicherer. Man muss aber auch sagen, bereits Ex-Präsident Barack Obama hat Gelder gesprochen, um nuklear aufzurüsten. Das ist kein Kind von Donald Trump, auch wenn seine Regierung das nun weitertreibt.

Fredy Gsteiger

Portrait von Fredy Gsteiger

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er u.a. Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

28 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    «Kleine Atombomben sind besonders heimtückisch»... Sind sie nicht, garantiert nicht, heimtueckisch sind die Macher und Besitzer dieser Bomben, hueben wie drueben....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    wieder ein sehr gutes Interview mit Herr Gsteiger.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beatrice Fiechter (thea)
    Diese Länder haben alle zu viel Geld , so scheint es! Ehrliche gesagt sind doch alle Länder der Welt tief verschuldet...und anstatt Schulden abzubauen und in eine vernünftige Zukunft zu investieren, für eine lebenswerte Welt für alle Kinder, baut man fleissig an neuen Bedrohungsszenerien weiter und setzt immer noch eine oben drauf! Mit welchem Geld? Mit dem, welches fehlen wird für gute Bildung, gute Nahrung, gute Gesundheitsvorsorge!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen