Türkei bestellt Botschafter von USA und Russland ein

Noch sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen, doch für die Türkei ist klar: Entweder steckt die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) hinter dem Attentat oder Milizen des Islamischen Staats. Die Tonart wird nun schärfer. Die Botschafter der USA und Russland wurden einbestellt.

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Offenbar IS oder PKK hinter Attentat in Ankara

1:06 min, aus Tagesschau vom 14.10.2015

Die türkische Regierung hält eine Beteiligung der Kurdischen Arbeiterpartei PKK an dem Anschlag in der Hauptstadt Ankara mit fast 100 Toten für möglich. Sowohl die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) als auch die PKK hätten möglicherweise eine Rolle bei dem Attentat gespielt, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Die Ermittlungen zu den zwei Selbstmordattentätern würden nun ausgeweitet.

Zumindest einer soll demnach Verbindungen zur Terrormiliz IS haben, berichtete die türkische Zeitung «Hürriyet». Es handle sich dabei um den aus Adiyaman stammenden Bruder des Attentäters von Suruc. In südtürkischen Suruc hatte ein Selbstmordattentäter Ende Juni 33 Menschen mit in den Tod gerissen. Die Regierung machte den IS für den Anschlag verantwortlich, der sich jedoch nie dazu bekannte. Von offizieller Seite wurde die Identifizierung der Täter zunächst nicht bestätigt.

Auch syrische Kurdenmiliz im Visier

Davutoglu kritisierte zudem Waffenlieferungen an kurdische Milizen. Sein Land werde das nicht dulden und sei entschlossen, den Kampf gegen militante Kurden fortzusetzen. Die Türkei berief in diesem Zusammenhang die Botschafter der USA und Russlands wegen ihrer Verbindungen zur syrischen Kurdenpartei PYD ein, die der verbotenen PKK nahe steht.

Doch auch interne Kritik ist in der Türkei zu vernehmen. Der türkische Staatschef Erdogan räumte am Dienstag Versäumnisse der Sicherheitsbehörden ein: «Es muss ohne Frage einen Fehler gegeben haben, eine Fehlleistung in einem bestimmten Augenblick», so Erdogan.

Der Ministerpräsident

Bildlegende: Will die Untersuchungen ausweiten: Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Keystone

Rücktrittsforderungen an Minister wegen der Bluttat wies er jedoch zurück. Kritiker hatten den Behörden Versagen vorgeworfen. Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu hatte gefordert, der Innen- und der Justizminister sollten zurücktreten.

Eine erste personelle Konsequenz aus dem Anschlag hat es dennoch gegeben. Der Polizeichef der Hauptstadt Anakara sei seines Amtes enthoben worden, meldete die staatlcihe Nachrichtenagentur Anadolu.

Bei der Explosion von zwei Bomben in der Hauptstadt im Vorfeld einer Friedensdemonstration starben am Samstag 97 Menschen. Zur Kundgebung hatten pro-kurdische Aktivisten und Bürgerrechtler aufgerufen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Ballone mit den Namen der Opfer fliegen in den Himmel während eines Gedenkens in Ankara am 13. Oktober 2015.

    Anschlag in Ankara spaltet die Türkei

    Aus Echo der Zeit vom 13.10.2015

    Das Attentat mit fast 100 Toten in Ankara vertieft den wachsenden Graben, der durch die türkische Gesellschaft geht. Seit Monaten müssen die Türkinnen und Türken mitansehen, wie sich Rhetorik und Kampf zwischen Kurden und Regierungsanhängern akzentuieren.

    Beobachtungen von Louise Sammann, Korrespondentin von Deutschlandradio in Istanbul.

    Simone Fatzer