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International Türkei erlaubt Kopftücher für Frauen im Staatsdienst

Bislang durften türkische Frauen, die beim Staat arbeiteten, kein Kopftuch tragen. Die Kopfbedeckung war schlicht verboten. Nun lockert der islamisch-konservative Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die Regeln. Das finden nicht alle gut, wie der Türkeikenner Werner van Gent weiss.

Eine Türkin mit Kopftuch auf einer Strasse
Legende: Verschleierungen im Wandel der Zeit: In der Schweiz werden die Regeln strenger, in der Türkei gelockert. Keystone/symbolbild

Das über Jahrzehnte an staatlichen Einrichtungen der Türkei geltende strikte Verbot des Kopftuchs wird aufgeweicht. Allerdings bleibt das Verbot weiter für Polizistinnen, Soldatinnen, Richterinnen und Staatsanwältinnen in Kraft, wie der islamisch-konservative Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara sagte. Es sei ein Schritt hin zu mehr Demokratie, sagt er.

«Erdogan hat immer gesagt, dass Menschenrechte auch das Recht beinhalten, die Religion auszuüben», sagt Werner van Gent, der von SRF befragte Türkeiexperte in Istanbul. Erdogans Regierung hatte bereits in den vergangenen Jahren das Kopftuchverbot in mehreren Institutionen gelockert oder ganz gekippt. In öffentlichen Schulen bleibt das Tragen des Kopftuchs aber weiterhin verboten – mit Ausnahme im Wahlfach Korankunde.

Staatsgründer war gegen das Kopftuch

Zu den Fundamenten der modernen Türkei gehört seit ihrer Gründung durch Kemal Atatürk die Trennung von Staat und Religion, in deren Zusammenhang seit 1925 auch das Kopftuchverbot für Staatsangestellte galt. Den Kemalisten gilt das Kopftuch als Symbol des Islams.

Werner van Gent sagt dazu: «Die laizistischen Kräfte habe immer gesagt, dass das Kopftuch ein religiöses Symbol sei und deshalb verboten werden müsse. Sonst würde die Religion wieder die alte Stellung wie im osmanischen Reich bekommen. Davor hat man grosse Angst.» Die Aufhebung des Kopftuchverbots würde bedeuten, dass die Religion dem Staat gleichgestellt würde. «Die modernen Türkinnen und Türken haben Angst, dass die Türkei noch islamischer, noch religiöser wird.»

Neue Proteste?

Neue Proteste in der Türkei seien nicht unbedingt zu erwarten, sagt van Gent: «Aber es ist schon so, dass die Leute, die protestiert haben, eine freiere Gesellschaft erreichen wollen und keinesfalls, dass die Religion eine grössere Bedeutung bekommt.» Erdogan habe in den letzten Monaten auf regionaler und kommunaler Ebene viele Beschlüsse durchgesetzt, die die Möglichkeiten der Opposition beschnitten haben.

Zugeständnisse an die Minderheiten

Die Gesetzesänderungen betreffen auch den Gebrauch der kurdischen Sprache und den Kurdisch-Unterricht. So soll es für Orte in den Kurden-Regionen im Süden und Osten des Landes in gewissen Fällen möglich sein, wieder die alten kurdischen Namen zu verwenden. In Privatschulen sollen zudem «Dialekte» wie das Kurdische unterrichtet werden können.

«Dies ist ein historischer Moment, eine wichtige Etappe», sagte Erdogan. Seine Ankündigungen beziehen sich nicht ausschliesslich auf die Kurden, sondern auch auf andere Minderheiten wie die Roma und die Alewiten. Mit geschätzten 15 Millionen Menschen sind die Kurden jedoch die grösste ethnische Minderheit in der Türkei, die insgesamt rund 76 Millionen Einwohner hat.

Erdogan sagte, die Buchstaben Q, W und X, die dem Kurdischen zugeordnet worden waren, könnten künftig wieder verwendet werden. Der Ministerpräsident kündigte zudem an, dass die Zehn-Prozent-Hürde bei der Parlamentswahl abgeschafft werde. Damit wird es kurdischen Parteien erleichtert, in das Parlament einzuziehen.

«Die Kurden fordern seit vielen Jahren, dass kurdisch an den Schulen unterrichtet wird. Allerdings nur an Privatschulen. Die BDP, die einzige kurdische Partei im Parlament hat bereits gesagt, dass das zu wenig weit geht. Sie wollen, dass kurdisch im Osten des Landes, aber auch in Istanbul, an allen Schulen unterrichtet wird», sagt van Gent.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Von wegen hahaha: Sie vergessen dabei die militärisch brutale,islam.Expansion,begonnen im 7Jh,ausgedehnt bis nach Nordafrika,Zentralasien,Europa >die grausamen Türkenkriege,dauernd bis in die Zeit unsrer Grossväter!Die musl.Geschichte ist geprägt von Dschihad,Sklaverei+-handel,Frauenunterjochung+verschleiertem Völkermprd.Da hat sich bis heute nichts geändert.Die Epoche des neuzeitl.Kolonialismus begann erst im 16.Jh bis 2.WK.Und nicht alle eu Länder haben eine Kolonialgeschichte,die CH zB nicht!
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    1. Antwort von hasan isik, istanbul
      sie wissen sicher das es nicht wahr ist das sie da erzeahlen.sie haben nicht nur vorurteile sie haben unheimlich hass, griechenland war 500 jahre unter otmanischer herschaft wurden sie assimiliert?nein religion und kirchen waren auch frei polen ungarn rumanien im nachenosten afrika asien sogar im gebiet polen ungarn wurde nie zu vor und nach ottomanen so gerechtikeit geherrscht schreiben eigenene geschihte schreiber
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    2. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Ist ja verständlich, hasan isik, dass Sie nichts anderes antworten können. Man weiss, dass islamische Länder zwar westlichen Schulstoff und Elektronik verwenden, Texte und Bilder jedoch nach ihren Vorstellungen abändern oder streichen. Statt Eigenreflexion und Ehrlichkeit wird auf diese Weise früh Westophobie und islamistische Indoktrination gefördert, siehe Mali+++.
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  • Kommentar von hasan isik, İSTANBUL
    hahaha ihr im westen seid wölfe im schafspelzen was meint ihr was denken mehrheit der Türken!!! naechste wahlen bekommt ihr eine schöne antwort, ihr habt afrika asien amerika kolonosiert ermordet unterdürückt geklaut und jetzt spielt ihr heiligen !!!übrigens in21.september wurde eine junge demostrantin durch mit gummigeschoss ihr augenschein verloren Wo? ah so in winthertur durch schweizer polizei nicht den türkischen, ich glaube für türkei habt habt ihr sicher nicht gutes habt angst oder
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Das war leider abzusehen. Seit Erdogan an der Macht ist, wird die Türkei suksessive re-islamisiert und der Kemalismus zerlegt. 'Indoktrination vor Bildung': 17.000 neue Moscheen wurden in den 10 Jahren unter Erdogan gebaut, während die Anzahl der Schulen gleichblieb. Erdogan ist ein Wolf im Schafspelz - einer der geschickt die Demokratie dazu nutzt, um sie Stück für Stück abzubauen. Erst als er bei den Gezi Park-Protesten seine Maske fallen liess, sind viele im Westen endlich aufgewacht.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      "Erdogan ist ein Wolf im Schafspelz" Fairerweise muss man sagen, dass er aus seiner radikal islamistischen Einstellung nie einen Hehl gemacht hat. Einer der Hauptgründe übrigens, weswegen die Grüne De dermassen abgesackte: C. Roths Schwäche für Türken und die Befürwortung einer möglichst raschen Aufnahme der Türkei in die EU. Sie investiert als Grüne ihre Energien am falschen Ort, bläst damit ins selbe Horn wie Parteikollege Özdemir: "Wir wollen, dass De islamisch wird"
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      Das ist das Perverse an Erdogan - er hat aus seinem Islamismus, Neo-Ottomanismus und Kalifat-Träumen noch nie einen Hehl gemacht, aber in Europa tun die meisten Politiker so, als hätte er diese Dinge nicht gesagt, weil die Türkei unbedingt in die EU reingewürgt werden musste bzw. muss (Gott bewahre uns!). Die dt. Grünen sind jenseits von Gut und Böse - vorallem Claudia "Sonne, Mond & Sterne - ich mache seit 20 Jahren Türkei-Politik" Roth ist absolut indiskutabel. Da bekommt man Ausschläge!
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