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Tunnelbau in Stonehenge Der Zorn der Hexen und Druiden

Ein mehrspuriger Tunnel soll beim mystischen Steinmonument Stonehenge gebaut werden. Die Freunde der Magie finden's gar nicht gut.

Legende: Video Tunnelbau bei Stonehenge abspielen. Laufzeit 01:54 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 08.04.2018.

Mystische Töne erklingen kurz nach Sonnenaufgang bei Stonehenge. Die Druiden schlagen den Gong. Frieden im Süden», ruft Druide Merlin, worauf sich alle Richtung Süden verneigen. Es folgen Westen, Norden und Osten. Und dann ein gemeinsames «Heil und lebe wohl». So verabschieden einige Dutzend Druiden, Hexen und Hippies die kalte Winterzeit.

Hippie James Light erklärt das Ritual: «Wir sind hier, um das Spirituelle zu feiern: Gott, Universum, wie auch immer Du es nennen willst.» Druide Merlin bezeichnet Stonehenge als das Zentrum von Zeit und Raum in der nördlichen Hemisphäre. «Es ist deshalb ein wichtiger Kraftort.»

Chronisch verstopfte Strasse

Auch kraftvoll, aber wenig mystisch sind die Fahrzeuge, die kaum 50 Meter entfernt vorbeirasen. Doch damit könnte bald Schluss sein, denn die Regierung plant die Strasse A303, eine wichtige Ost-West-Route im Süden Englands, unter die Erde zu verlegen.

Ein drei Kilometer langer, mehrspuriger Tunnel ist geplant. Denn die jetzige A303 ist chronisch verstopft. Autofahrer müssen oftmals mit Stau rechnen und so mancher Tourist der anreist, um die Stätte aus der Bronzezeit zu besuchen, empfindet die Strasse als Schandfleck.

Archäologen befürworten Pläne

Archäologen betrachteten die Tunnelpläne lange sehr kritisch. Sie fürchteten, archäologische Fundstätten könnten beschädigt werden. Denn das Weltkulturerbe Stonehenge umfasst mehr als nur den prominenten Steinkreis. In der Bronzezeit lebten hier bis zu 4000 Menschen.

Begräbnisstätte oder Observatorium?

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Jährlich besuchen eine Million Touristen und Druiden Stonehenge im Süden Englands. Bis heute ist nicht ganz geklärt, welchen Zweck das mystische Steinmonument aus der Bronzezeit hatte. Verschiedene Theorien sprechen von einem Kult- und Versammlungsplatz, einer Begräbnisstätte oder einem astronomischen Observatorium.

Immer wieder stossen Archäologen auf Überreste von einstigen Siedlungen. Diese drohten, durch die Tunnelgrabungen beschädigt zu werden. Doch die Pläne wurden angepasst. Deshalb sehen nun viele Archäologen wie Nick Snashall die Sache positiv: «Die jetzt geplante Route liegt so, dass die archäologischen Fundstellen nicht durchquert werden», sagt er.

Der Vorteil des Tunnels aus Sicht der Archäologen: Besucher könnten das Weltkulturerbe viel umfassender entdecken, wie Snashall erklärt: «Zwei Drittel der Fläche, die zum Weltkulturerbe gehört, liegt südlich der Strasse. Die stark befahrene Strasse hindert Leute daran, das Ganze zu entdecken.»

«Eine dumme Idee»

Auch die umliegenden Dörfer und viele Bürger sind dem Tunnel gegenüber positiv eingestellt. Nur die Druiden können ihm wenig Gutes abgewinnen. Die Hexe Tree erklärt: «Der Tunnel zerstört die Energie dieses Kraftortes. Das ist unsere heilige Erde, unser Weltkulturerbe.»

Das Ganze sei einfach eine dumme Idee, findet Hippie James Convey. Seine Alternativen sind radikal aber wohl kaum mehrheitsfähig: «Die Leute sollen laufen, wir sollten alle Strassen und Autos loswerden.»

Ein Hippie protestiert vor Stonehenge.
Legende: Nicht alle freuen sich über die Tunnelpläne bei Stonehenge. SRF/Henriette Engbersen

Der Druide King Arthur kann mit dem Tunnel gut leben. Seiner Meinung nach müsste er aber mit viel mehr Distanz zu Stonehenge gebaut werden: «Die jetzige Route ist nicht gut genug.»

Bis Ende April können Druiden und andere besorgte Bürger Einsprache erheben. Sollte dies nichts nützen, schliessen einige Druiden nicht aus, auch andere Kräfte gegen den Tunnel einzusetzen. Welche, wollten sie allerdings nicht verraten.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli (Tokapi GT)
    Als ich Stonehenge 78 das letzte mal besuchte, gab’s auf der A303 keine Staus. Aber optisch passte die nahe Strasse schon damals nicht ins reizvolle Landschaftsbild von Südengland. Mystisch an dieser, in der Jungsteinzeit errichteten und mindestens bis in die Bronzezeit genutzte Anlage, ist ihr Sinn und Zweck worüber sich die Gelehrten bis heute streiten. Auch wie die Erbauer die Tonnen schweren Steine z.T. aus dem ca. 240km entfernten SW von Wales vor Ort transportierten und errichteten.
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  • Kommentar von Brönnimann David (Malesh)
    Liebes SRF-Team. Bitte checked doch nochmals diesen Satz: "Immer häufiger stossen Historiker auf Grabstätten von Siedlungsüberresten." Der macht wenig bis gar keinen Sinn. Erstens handelt es bei einer prä-historischen Fundstelle eher selten um Historiker, und zweitens sollte es wohl eher heissen, dass man immer häufiger auf Überreste von einstigen Siedlungen stösst. Vermute ich zumindest. Vielleicht hatten bei diesem Satz aber auch empörte Druiden und Hexen ihre Finger mit im Spiel. Wer weiss.
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    1. Antwort von SRF News
      Besten Dank für Ihren Hinweis. Wir korrigieren es.
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