Überlebensgeschichten: Versteckt in der Kantine und im Kühlhaus

Vier Geiseln starben, als die Polizei am Freitag nahezu zeitgleich die beiden Geiselnahmen in und um Paris beendete. Mehrere Menschen überlebten den Terror – einige von ihnen, weil sie sich gerade noch rechtzeitig in Verstecke flüchten konnten.

Als die Täter am Freitag einen jüdischen Supermarkt in Paris und eine Druckerei in der Nähe der französischen Hauptstadt stürmen, gelingt es mehreren Menschen gerade noch rechtzeitig, sich in Verstecke zu retten.

Einsatzkräfte bei der Druckerei in Dammartin-en-Goële

Bildlegende: Einsatzkräfte bei der Druckerei in Dammartin-en-Goële: Innen überlebte ein Angestellter in der Kantine. Keystone

Versteckt in der Kantine

Der 26-jährige Lilian ist zu Tode erschrocken, als die beiden Brüder Said und Chérif Kouachi auf der Flucht vor der Polizei in die Druckerei in Dammartin im Nordosten von Paris eindringen, wie Staatsanwalt François Molins berichtet.
Dennoch hatte der Grafiker die Geistesgegenwart, sich in der Kantine im zweiten Stock unter einem Abwaschtrog zu verstecken.

Nach Angaben aus Polizeikreisen informiert der junge Mann von dort aus per SMS die Polizei über seinen Aufenthaltsort, die Beamten wiederum geben ihm Anweisungen, wie er sich während der bevorstehenden Erstürmung des Gebäudes durch die Eliteienheit verhalten soll. In seinem Versteck konnte Lilian offenbar hören, wie die beiden Täter miteinander sprechen.

Als die Kouachi-Brüder gegen 17 Uhr aus der Druckerei stürmen und im Feuergefecht mit der Eliteeinheiten der Polizei getötet werden, schickt die Gendarmerie ein gepanzertes Fahrzeug, um Lilian zu befreien. Aus Sorge vor möglicherweise im Erdgeschoss versteckten Sprengsätzen wird er direkt aus dem zweiten Stock geborgen. Er blieb unverletzt und konnte inzwischen zu seiner Familie zurückkehren.

Polizei vor dem Supermarkt im Osten von Paris, in dem es am Freitag zur Geiselnahme kam.

Bildlegende: Polizei vor dem Supermarkt im Osten von Paris, in dem es am Freitag zur Geiselnahme kam. Reuters

Stundenlang im Kühlraum ausgeharrt

Nicht weniger dramatisch verlaufen die Ereignisse im koscheren Supermarkt im Osten von Paris, in den der dritte Extremist Amedy Coulibaly eingedrungen war und mehrere Geiseln genommen hatte.

Als Coulibaly wild schiessend in das Geschäft stürmt, macht Ilan mit seinem dreijährigen Sohn gerade Einkäufe für den bevorstehenden Sabbat.

Er versteckt sich mit seinem Kind in den Kühlraum des Markts. Mindestens drei weitere Menschen tun es ihm laut Ermittlern gleich. Ilan gibt seinem kleinen Sohn seine Jacke, um ihn vor der eisigen Kälte zu schützen. Fast fünf Stunden müssen sie in der Kühlkammer ausharren. Ilans Mutter weiss, dass sich ihr Sohn in dem Supermarkt befindet, und gibt seine Handynummer an die Polizei weiter.

So können die Ermittler sein Handy orten und erfahren, wo genau sich die Gruppe versteckt hält. Als Eliteeinheiten schliesslich den Supermarkt stürmen – kurz nach dem tödlichen Feuergefecht vor der Druckerei in Dammartin – entgehen Ilan und die anderen dem Kugelhagel.

Ilan wird noch am Abend von den Geheimdiensten zu dem Geschehen befragt, während sich seine Mutter von den Stunden der Angst erholt.