Ukraines Präsident rächt sich bei den Separatisten

Bei Luftangriffen auf Stellungen von pro-russischen Separatisten im Osten der Ukraine sind laut Armee 1000 Separatisten getötet worden. Die Separatisten wiesen diese Angaben allerdings als falsch zurück. Nach dem Tod von 23 Soldaten hatte Präsident Poroschenko ihnen mit Vergeltung gedroht.

Ukrainische Truppen nahe Slavianks am

Bildlegende: Ukrainische Truppen nahe Slaviansk. Reuters/Archivbild

Bei neuen schweren Luftangriffen in der Ostukraine hat die ukrainische Armee nach eigenen Angaben Hunderte Separatisten allein in der Stadt Dserschinsk getötet. Die pro-russischen Aufständischen wiesen die Zahlen als nicht zutreffend zurück, bestätigten allerdings den massiven Beschuss mit Raketen. In Dserschinsk – nahe der Millionenstadt Donezk – gebe es keine solche Zahl an Kämpfern, betonte ein Separatisten-Sprecher der Agentur Interfax zufolge.

Der Sprecher der von Kiew geführten «Anti-Terror-Operation», Wladislaw Selesnjow, teilte mit, bei den Luftschlägen in den Regionen Donezk und Lugansk seien rund 1000 Separatisten getötet worden, davon allein 500 in Dserschinsk. Dabei seien auch Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie Waffentechnik zerstört worden. Auch andere Militärsprecher wiederholten die Zahl.

Separatisten: 30 Tote nahe Donezk

«Er (Selesnjow) kann erzählen, was er will», sagte der selbst ernannte Verteidigungsminister der nicht anerkannten «Volksrepublik Donezk», Igor Strelkow (Girkin). «In der ganzen Garnison Dserschinsk gab es nur halb so viele Leute», betonte er. Die meisten Kämpfer seien abgezogen gewesen. Es sei nur ein Kämpfer verwundet worden.

Bei schwerem Artillerie-Beschuss durch Regierungstruppen seien im Donezker Vorort Marjinka dagegen mindestens 30 Zivilisten getötet, sagte Strelkow weiter. Der Beschuss dauere an. «Wir haben Kenntnis von 30 Toten. Aber noch nicht alle Trümmer sind beseitigt. Es kann noch mehr geben», sagte er der Agentur Interfax zufolge. Die pro-russischen Kräfte seien intensiv mit der Evakuierung von Ortschaften beschäftigt. Auf Seiten der Aufständischen habe es keine Verluste gegeben.

Es droht eine noch grössere Katastrophe

Eine Bombardierung der ursprünglich von rund einer Millionen Menschen bewohnten Stadt Donezk hätte verheerende Folgen. Die Separatisten hatten angesichts drohender Militärschläge angekündigt, Hunderttausende Menschen in Sicherheit bringen zu wollen.

Russische Behörden berichten von einer «humanitären Katastrophe» auf ihrem Staatsterritorium. Rund 21'000 Flüchtlinge hielten sich demnach am Samstag in den insgesamt 321 eingerichteten Übergangslagern auf, wie das Zivilschutzministerium mitteilte. Insgesamt 30 Regionen würden inzwischen Ukrainer aufnehmen.

Präsident droht mit Rache

Am Freitagmorgen waren bei einem Raketenangriff bei Lugansk 23 Soldaten getötet und fast 100 verletzt worden. Dies war einer der schwersten Verluste der Regierungstruppen seit dem Beginn des Konflikts. Präsident Petro Poroschenko drohte den Separatisten daraufhin mit Vergeltung.

Die Kämpfe in der Ostukraine dauern seit Mitte April an. Die ukrainische Führung will mit dem militärischen Vorgehen verhindern, dass sich die nicht anerkannten «Volksrepubliken» Donezk und Lugansk komplett von der Ukraine abspalten. Die russisch geprägte Region Donbass erkennt die proeuropäische Führung in Kiew nicht an.

Nun droht Russland

Russland hat der Ukraine erstmals mit Gegenmassnahmen gedroht. Denn laut dem russischen Aussenministerium wurde in der Region Kuibyschewsk im Gebiet Rostow ein Fahrzeug mit Grenzschützern unter Feuer genommen. Die Schüsse kamen angeblich von ukrainischer Seite. Verletzt worden sei aber niemand.

Hunderttausende auf der Flucht

Hunderttausende auf der Flucht

Immer mehr Menschen fliehen vor den Kämpfen in der Ostukraine ins Nachbarland. Donezk bereitet sich auf eine Evakuierung vor. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International prangert zudem Folter an. Hier mehr.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Schwere Menschenrechtsverletzungen in der Ostukraine

    Aus Tagesschau vom 11.7.2014

    Weiterhin ungelöst ist auch der Konflikt im Osten der Ukraine. Die ukrainische Armee hat zwar einige Gebiete zurückerobert, den Kampf um die Vorherrschaft im Osten hat die Armee damit aber noch nicht gewonnen. Der Konflikt fordert auch Opfer unter der Zivilbevölkerung. Das zeigt ein Bericht von Amnesty International. Dokumentiert sind da gravierende Menschenrechtsverletzungen.

  • Der russische Präsident Wladimir Putin während seiner Rede zur Lage in der Ukraine.

    Putin trägt wenig bei zum Frieden in der Ukraine

    Aus Echo der Zeit vom 1.7.2014

    Das ukrainische Militär hat eine neue Grossoffensive gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes gestartet. Russlands Präsident Putin weist dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko die Schuld für die neusten Kämpfe zu und verspricht erneut, im Ausland lebende Russen zu schützen.

    Peter Gysling