Unesco-Weltkulturerbe in Jemen bombardiert

Im Jemen kämpfen viele Parteien um die Macht. In Genf sollen die wichtigsten unter ihnen einen Frieden aushandeln. Bei Luftschlägen auf Sanaa gibt es neue Tote, historische Gebäude werden zerstört.

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Die Schäden in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa (unkommentiert)

0:18 min, vom 12.6.2015

Kurz vor den Jemen-Friedensgesprächen in Genf nimmt die von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz die Hauptstadt Sanaa unter Beschuss. Wie die Deutsche Presse-Agentur von Augenzeugen erfuhr, wurden mindestens sieben Zivilisten getötet und vier Häuser in der Altstadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, zerstört.

Blick auf die Altstadt von Sanaa. das Bild stammt von 2012. (reuters)

Bildlegende: Sanaa ist eine der ältesten, durchgehend bewohnten, Städte der Welt. Reuters

Es war den Angaben nach der erste solche Angriff auf den historischen Stadtteil seit Beginn der Bombardements am 26. März. Auch ein Waffenlager der Huthi-Rebellen wurde laut Anwohnern bombardiert. Zuvor hatte in Sanaa zwei Tage angespannte Ruhe geherrscht.

80 Prozent der Bevölkerung brauchen Hilfe

Im ärmsten Land Arabiens kämpfen schiitische Huthis gegen Anhänger des sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Der Staatschef war vor einigen Monaten nach Saudi-Arabien geflüchtet. Seit Ende März bombardiert ein von Riad geführtes Bündnis Stellungen der Aufständischen. Nach UNO-Angaben sind im Jemenkrieg seit März etwa 2300 Menschen getötet worden.

Hilfsorganisationen appellierten erneut an die Konfliktparteien, die Kämpfe zu beenden. Im Jemen herrsche bereits jetzt eine der weltweit grössten humanitären Krisen, erklärte die Entwicklungsorganisation Oxfam in einer gemeinsamen Mitteilung mit anderen internationalen Gruppen.

80 Prozent der Bevölkerung seien auf Unterstützung angewiesen, knapp die Hälfte hungere. Wegen des unsicheren Ausgangs der Friedensgespräche fordern die Helfer, dass zumindest die Versorgungsblockade sofort aufgehoben wird.

Gespräche in der Schweiz mit ungewissem Ausgang

Am Sonntag sollen in Genf die Verhandlungen zwischen Vertretern der Huti und des nach Saudi Arabien geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi unter Aufsicht der UNO beginnen. Die Ausgangslage der Verhandlungen ist sehr schwierig, Experten erwarten keinen Durchbruch.

Der von Saudi-Arabien unterstützte Hadi pocht auf die Umsetzung der UNO-Resolution 2216, nach der sich die Huti aus den Städten zurückziehen und Hadi als Staatsoberhaupt anerkennen sollen. Für die mit Iran verbündeten Huti gibt es aber keinen triftigen Grund, die trotz der Luftangriffe erreichten Bodengewinne wieder aufzugeben.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Erneut Luftschläge in Jemen

    Aus Tagesschau vom 22.4.2015

    Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition hat ihre Luftangriffe gegen die Huthi-Rebellen in Jemen fortgesetzt. Auch die USA haben weitere Kriegsschiffe in die Region entsandt.

  • Zwischen den Fronten im Jemen

    Aus Rundschau vom 8.4.2015

    Eine arabische Journalistin wagt sich zwischen die Fronten im umkämpften Jemen. Huthi-Rebellen haben die Macht an sich gerissen, unterstützt vom Iran. Jetzt fliegt Irans Erzfeind Saudi Arabien Luftangriffe im Jemen. Ein Stellvertreterkrieg, der sich rasch zu einem Flächenbrand in der ganzen Region ausweiten könnte. Wer sind die Huthis und was wollen sie? Die Reportage.

  • Vielschichtiger Konflikt im Jemen

    Aus Tagesschau vom 7.4.2015

    Die Gewaltspirale im Jemen dreht sich weiter. Der Konflikt ist komplex und vielschichtig: ein Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und Iran, regionale Konflikte zwischen verschiedenen Stämmen und der Versuch von Al-Kaida und IS, mehr Einfluss zu gewinnen.

  • Bürgerkrieg tobt im Jemen

    Aus Tagesschau vom 6.4.2015

    In den letzten 24 Stunden sind bei Kämpfen im Jemen mindestens 53 Menschen ums Leben gekommen. Besonders für die Zivilbevölkerung wird die Lage immer schlimmer.