Unfälle verhageln die Sicherheitsbilanz der Luftfahrt

Das Jahr 2014 war für die kommerzielle Luftfahrt beunruhigend. Auch wenn das Fliegen insgesamt sicher bleibt: Die Umstände der schweren Unglücke in den vergangenen Monaten lassen aufhorchen. Die Zahl der Toten im kommerziellen Luftverkehr steigt auf 970.

Ein Flugzeug der Malaysia Airlines.

Bildlegende: Besonders die Malaysia Airlines hatte Pech. So war die Fluggesellschaft gleich von zwei schweren Unglücken betroffen. Keystone

Spektakuläre Unfälle haben der Luftfahrt im vergangenen Jahr die Sicherheitsbilanz verhagelt. Eine Liste der 60 sichersten Airlines weltweit wurde dadurch ordentlich durcheinandergewirbelt.

Die Zahl der Toten im kommerziellen Luftverkehr ist Flugunfallforschern zufolge im Jahr 2014 auf weltweit 970 gestiegen. «Dies ist der zweithöchste Wert im Zehnjahresvergleich», schreibt Jan-Arwed Richter, Mitbegründer des Hamburger Flugunfallbüros «Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre» (JACDEC).

Die Zahl liege nahezu viermal so hoch wie im Vorjahr, als nur 251 Menschen bei Flugunfällen ums Leben gekommen seien, erläutert Richter in einem Beitrag für das Luftfahrtmagazin «Aero International».

Malaysia Airlines sackt um 32 Plätze ab

Etwa die Hälfte der Unfalltoten entfiel auf die Region Asien-Pazifik. Obwohl Fliegen weiter extrem sicher sei, bremse die Negativbilanz eine Serie von Jahren mit fallenden Opferzahlen aus.

Video «Trotz allem kein schlechtes Jahr für die Luftfahrt» abspielen

Trotz allem kein schlechtes Jahr für die Luftfahrt

2:06 min, aus Tagesschau vom 30.12.2014

Die Negativbilanz wirbelte auch die JACDEC-Sicherheitsliste der 60 grössten Fluggesellschaften durcheinander. So fiel die von zwei schweren Unglücken betroffene Malaysia Airlines von Platz 34 auf nun Rang 57. Während die Lufthansa unverändert ihren 12. Platz behauptete, rückte Deutschlands zweitgrösste Fluggesellschaft Air Berlin vom 26. auf den 20. Platz vor.

Ein halbes Dutzend Totalverluste

Als weltweit sicherste Airline gilt nach dieser neuen Liste Cathay Pacific aus Hongkong, vor den arabischen Emirates, der EVA Air aus Taiwan sowie Air Canada. Die sicherste europäische Fluggesellschaft ist demnach nun die niederländische KLM auf Rang fünf, vor Air New Zealand und Australiens Qantas.

«Von den betrachteten 60 grössten Airlines mussten mehr als ein halbes Dutzend (Flugzeug-)Totalverluste hinnehmen», heisst es in dem Beitrag. Die JACDEC-Unfallforscher berechnen bei ihrer Wertung die Verkehrsleistung der Airline gegen die Anzahl der Zwischenfälle und Totalverluste der vergangenen 30 Jahre.

Im deutschsprachigen Raum blieben die grossen Fluglinien nach dem Bericht von ernsteren Vorfällen verschont. Bei der Zahl der Unfallopfer ragen Nordamerika und Eurasien (inklusive Russland) positiv heraus: Dort gab es 2014 keine Flugunfall-Toten.

Asiatisch-pazifischer Raum auf vorletztem Platz

Für Lateinamerika kamen die Analytiker auf 10 Tote bei verunglückten Regionalflügen mit älteren Maschinen, für die Region Mittlerer Osten und Vorderasien auf 57. Afrika blieb mit 18 Flugzeug-Totalverlusten und 134 Unfalltoten zwar ein Schwerpunkt, wurde aber von Europa abgehängt.

Inklusive einer über der Ukraine – wahrscheinlich nach Raketenbeschuss – abgestürzten malaysischen Boeing 777 belegt die Region mit insgesamt 300 Unfalltoten nun den vorletzten Platz – vor dem asiatisch-pazifischen Raum, in dem sich im vergangenen Jahr die Hälfte der vier schwersten Unglücke ereignete.

2014 – Schwarzes Jahr für die zivile Luftfahrt