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Verzweifelter Hilfsappell UNO bangt um Nothilfe-Gelder

Die Vereinten Nationen brauchen mehr als 22 Milliarden Dollar für Nothilfe im kommenden Jahr. Ob sie das Geld erhalten, ist mehr als fraglich.

Legende: Audio 22 Mrd. Dollar für humanitäre Hilfe abspielen.
2:07 min, aus Rendez-vous vom 05.12.2016.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die UNO beantragt fürs nächste Jahr 22,2 Mrd. Dollar für Nothilfe. 93 Millionen Menschen sollen damit unterstützt werden.
  • Ob das Geld zusammenkommt, ist alles andere als sicher: Die fürs laufende Jahr beantragte Summe ist erst zur Hälfte zusammengekommen.
  • Der Geldbedarf für Nothilfe dürfte in Zukunft weiter steigen.

Die Zahl der Menschen, die irgendwo auf der Welt auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, nimmt weiter zu. Derzeit sind es laut der UNO-Abteilung für humanitäre Hilfe 93 Millionen Menschen. Weil der Trend markant nach oben zeigt, sind die Vereinten Nationen auf immer mehr Geld angewiesen. So hat sich ihr Nothilfebudget in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht.

Legende:
UNO-Nothilfe beantragt immer mehr Geld: Diese Summen hat die UNO in den vergangenen Jahren ihren Mitgliedern für die Nothilfe beantragt. Die Grafik sagt aber nichts darüber aus, wie viel dann tatsächlich einbezahlt wurde. UNO

Gut die Hälfte der 22,2 Milliarden Franken, um die die UNO ihre Mitgliedstaaten fürs nächste Jahr bittet, entfallen auf vier Länder: Syrien, Jemen, Irak und Südsudan. Sorgen bereiten aber auch Staaten wie Afghanistan, Somalia oder Kongo. Dort leiden die Menschen seit Jahren unter nicht endenden Kriegen.

Symbolbild: Unternährtes Kleinkind.
Legende: Unterernährtes Kind in Jemen: In dem Kriegsland sind Millionen Menschen auf Nothilfe angewiesen. Reuters

Den Vereinten Nationen und privaten Hilfswerken fällt es immer schwerer, den unaufhaltsam wachsenden Mittelbedarf zu decken. UNO-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien beklagt, dass es sehr schwierig sei, die für die Hilfe notwendigen Gelder von den UNO-Mitgliedstaaten auch tatsächlich zu erhalten.

Irgendjemand führt Krieg – und wir müssen dann die Trümmer beseitigen und Menschen retten.
Autor: Stephen O'BrienUNO-Nothilfekoordinator

So kamen bis Ende November lediglich 51 Prozent der Mittel für humanitäre Hilfe zusammen, welche die UNO fürs laufende Jahr beantragt hatte. Das bedeutet, dass viele Hilfsoperationen unterfinanziert sind und reduziert werden müssen. Die Opfer im einen Notstandsgebiet werden so zu Konkurrenten der Opfer anderswo. Denn allen kann nicht geholfen werden.

O'Briens Spendenappell:

Nach Naturkatstrophen fliesst das Geld eher

«Irgendjemand führt Krieg – und wir müssen dann die Trümmer beseitigen und Menschen retten», sagt O'Brien. Die mangelnde Spendenbereitschaft spürt man besonders in politischen Konfliktgebieten. Potenzielle Geldgeber vermuten dort oft eine Mitschuld der Notleidenden. Geht es um Opfer von Naturkatastrophen fliessen die Spenden rascher und reichlicher.

Die UNO lanciert für 2017 einen rekordhohen Hilfsappell – und geht nicht davon aus, dass es in den darauffolgenden Jahren besser wird. Die Zahl der Kriege und Konflikte dürfte kaum zurückgehen. Und wegen des Klimawandels rechnen die Vereinten Nationen mit tendenziell mehr Naturkatastrophen und damit mehr Hilfsbedürftigen.

10 Kommentare

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  • Kommentar von robert mathis (veritas)
    Schade dass die UNO so an Glaubwürdigkeit verloren hat,würden diese nicht zuerst den grössten Stück Kuchen für sich abschneiden käme auch mehr Geld zu den Bedürftigen.Ein Teufelskreis unter dem die Schwächsten leiden müssen.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Die UNO bewirkt doch nichts Vernünftiges. Geburtenkontrolle, Verhütung in den ärmsten, sich immer mehr überbevölkernden Ländern ist immer noch Tabu. In den Kriegsländern gibt es Regionen, wo praktisch nur noch die Kriegsparteien und die Nutzniesser des Krieges da sind - alle andere sind schon im Europa. Wozu sollten wir Gelder in diese Regionen schicken, und vor allem, wieso gerade durch die UNO?
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  • Kommentar von Fredchen Schoch (Verschwörer)
    Ich persönlich denke das die Welt für Hilfeleistungen bei Klimakatastrophen zusammenhalten muss. Bei Hilfestellung nach Kriegseinsätzen finde ich aber ganz klar müssen die Verursacher in erster Linie selber gerade stehen. Die UNO welche von der USA regiert wird weiss genau welche Länder für die humanitäre Situation in Libyen, Syrien, Irak, Afghanistan und Jemen verantwortlich sind. Genau so müssen die Waffenverkaufenden Staaten zur Kasse gebeten werden. Also leider auch die Schweiz.
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