UNO ruft Pakistan und Indien zur Vernunft auf

Nach der Eskalation im Kaschmir-Konflikt will UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zwischen Pakistan und Indien vermitteln – wenn dies von beiden Seiten akzeptiert wird. Zuvor hatte Pakistan die UNO um Hilfe gebeten und sprach von einem gefährlichen Moment für die Region.

Männer in Karachi demonstrieren gegen Indien und halten ein Plakat mit dem Slogan «Die Uno muss das Töten Indiens in Kaschmir stoppen». (reuters)

Bildlegende: Beide Länder schieben sich die Schuld an der jüngsten Eskalation zu und halten sich mit Vorwürfen nicht zurück. Reuters

Die Spannungen zwischen den Atom-Mächten Pakistan und Indien haben sich verschärft, seit Rebellen einen indischen Militärstützpunkt in Kaschmir angegriffen haben. Nun hat sich UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon als Vermittler angeboten. Ban stehe zur Verfügung, wenn dies von beiden Seiten akzeptiert werde, erklärte sein Sprecher.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Monn spricht an einer rede. (Getty Images)

Bildlegende: Ban Ki Moon will Pakistan und Indien offenbar schnellstmöglich an den Verhandlungstisch holen. Getty Images

Ban rief die Konfliktparteien zu «maximaler Zurückhaltung» und zu «sofortigen Massnahmen zur Deeskalation der Lage» auf. Indien und Pakistan sollten ihre Streitigkeiten durch Dialog und Diplomatie lösen.

Die Spannungen zwischen den beiden Erzfeinden waren nach einem tödlichen Angriff auf ein indisches Militärlager stark gestiegen. Pakistans UNO-Botschafterin Maleeha Lodhi sprach bei einem Treffen mit Ban von einem «gefährlichen Moment für die Region». Sie bat den UNO-Generalsekretär um eine «entschlossene Intervention», um die Situation zu entschärfen.

Beschuldigungen auf beiden Seiten

Indien hatte am Donnerstag verkündet, in Kaschmir mehrere Stellungen der Rebellen auf der pakistanischen Seite der Demarkationslinie angegriffen zu haben. Obwohl es an der Grenze immer wieder Schusswechsel gibt, ist der Einsatz von Bodentruppen auf gegnerischem Gebiet selten.

Indien reagierte damit auf einen Überfall von Rebellen auf einen indischen Militärstützpunkt in Kaschmir mit 18 Toten.

Indien macht Islamabad für den Angriff mitverantwortlich. Indiens Regierungschef Narendra Modi wirft Pakistan vor, «Terrorismus in alle Ecken» zu exportieren. Pakistans Premierminister Nawaz Sharif hingegen bezeichnet den indischen Militäreinsatz als «offene Aggression».

Wieder Schüsse an der Grenze

Heute gab es an der Demarkationslinie erneut einen Schusswechsel. Pakistanische Soldaten reagierten nach Armeeangaben auf einen «grundlosen» Beschuss von der indischen Seite. Nach Angaben eines indischen Behördenvertreters kam der Beschuss von der pakistanischen Seite.

Seit der Tötung eines Separatistenführers durch indische Sicherheitskräfte im Juli gibt es in Kaschmir regelmässig Zusammenstösse. Dabei wurden mehr als 80 Menschen getötet.

Konflikt seit 70 Jahren

Die Bergregion Kaschmir ist seit einem Krieg 1947 zwischen Indien und Pakistan geteilt – wird aber bis heute von beiden Staaten vollständig beansprucht. Seit 1989 kämpfen mehrere Rebellengruppen teils für die Unabhängigkeit Kaschmirs, teils für den Anschluss an Pakistan.