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International US-Budgetstreit: Vom «Shutdown» zum Showdown

Die US-Bürger und die Welt warten weiter auf einen Durchbruch im Washingtoner Finanzstreit. Die Stellungskrieger sprechen miteinander, herzlich, wie es heisst. Aber ohne Ergebnis. Zornige Veteranen liessen ihrer Wut über die Hängepartie freien Lauf. Und auch die Finanzmärkte reagierten am Morgen.

Hand hält Schrifttafel vor einem Gebäude
Legende: Macht eure Arbeit: Klare Aufforderung von Protestierenden vor dem Capitol an Politiker und Parteien. Reuters

Auch drei Tage vor dem Stichtag 17. Oktober für eine Erhöhung des Schuldenlimits gibt es keine Anzeichen für eine Übereinkunft im US-Finanzstreit.

Finanzmärkte reagieren

Die führenden Senatoren der Republikaner und Demokraten, Mitch McConnell und Harry Reid, telefonierten am Sonntag zwar miteinander – aber erreichten keinen Durchbruch. Ein demokratischer Kongressmitarbeiter beschrieb das Gespräch als «herzlich, aber ergebnislos».

Und die Finanzmärkte reagierten am Morgen. Der Währungsstratege der ANZ-Bank, Sam Tuck, bringt es auf den Punkt: «Die Märkte sind am Freitag in der Hoffnung nach Hause gegangen, dass eine Einigung unmittelbar bevorsteht. Bei allen beschwichtigenden Stellungnahmen aus der Politik fehlt die Einigung immer noch», erklärt der Experte. «Jetzt, in der Woche, wo die Schuldenobergrenze erreicht zu werden droht, gewinnt der Yen als sicherer Hafen.»

Poliziisten gegen Demonstranten
Legende: Scharmützel vor dem Weissen Haus: US-Veteranen machten ihrem Zorn über den Finanzstreit Luft. Reuters

Letzte Chance

McConnell und Reid hatten die Federführung bei der Kompromiss-Suche übernommen, nachdem Beratungen zwischen US-Präsident Barack Obama und dem Republikaner-Führer im Abgeordnetenhaus, John Boehner, gescheitert waren. Die Bemühungen der beiden Senatoren galten als möglicherweise letzte Chance, noch vor dem 17. Oktober eine Einigung zu erzielen.

Kommt es bis dahin nicht zu einem Kompromiss, könnten die USA laut Expertenberechnungen vermutlich noch bis etwa Ende Oktober ihre Rechnungen bezahlen. Danach würden sie in die Zahlungsunfähigkeit abrutschen - mit wahrscheinlich schweren Folgen für die Weltwirtschaft.

Zornige Veteranen

Am Sonntag kam es zu wütenden Protesten von Veteranen vor dem Weissen Haus. Dutzende Demonstranten rissen dem Sender CNN zufolge Absperrungen an einem Kriegsdenkmal nieder und warfen sie vor den Zaun an der nördlichen Seite der Regierungszentrale. Sicherheitskräfte hätten die Protestierenden dann zurückgedrängt.

Legende: Video Veteranen-Demo gegen Budget-Hickhack (unkommentiert) abspielen. Laufzeit 0:29 Minuten.
Vom 14.10.2013.

Der «Shutdown» der Regierung hat zur vorläufigen Schliessung zahlreicher Einrichtungen geführt. Auch Denkmäler sind für die Öffentlichkeit gesperrt.

Hauptstreitpunkte

Medienberichten zufolge gibt es drei Hauptstreitpunkte: die Höhe der künftigen Ausgaben sowie die Geltungsdauer einer Erhöhung des Schuldenlimits und eines Übergangshaushalts, der die Regierung bis zu einem längerfristigen Etat-Deal am Laufen halten würde.

Dagegen sind die Republikaner mittlerweile von ihrer Forderung nach massiven Abstrichen an der Gesundheitsreform abgerückt, die ursprünglich eine Einigung über einen Übergangshaushalt verhindert hatte.

Politischer Stellungskrieg

McConnell stellte sich nach Angaben der «Washington Post» am Sonntag öffentlich hinter einen Vorschlag der moderaten republikanischen Senatorin Susan Collins, den aber Reid bereits zuvor in der bisherigen Form zurückgewiesen hatte. Der Plan sieht eine Erhöhung des Schuldenlimits bis zum 31. Januar und eine Übergangsfinanzierung der Regierung bis Ende März vor.

Die Demokraten wollen aber eine längerfristige Anhebung der Schuldengrenze erreichen. Zudem wollen sie einen im Frühjahr in Kraft getretenen Stufenplan mit drastischen automatischen Ausgabenkürzungen querbeet durch den Haushalt durch ein langfristiges gezieltes Programm zum Defizitabbau ersetzen. Die Republikaner sind bisher nur dazu bereit, wenn es Einsparungen bei Sozialprogrammen gibt, was die Demokraten ablehnen.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Morf, Thun
    High Noon im wilden Westen. Ist das schwindende Magnetgitter der Erde schuld, dass die Menschen inzwischen etwas wirr im Kopf sind und die möglichen Folgen ihrer Handlungen nicht mehr überschauen können? Oder ist das alles inszeniert? Hoffen wir es gibt rechtzeitig weiche Knie und irgendeine Lösung.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Der Yen als sicherer Hafen. Sagt doch alles über die desolate Situation und die Ratlosigkeit. Japan ist bezüglich Sozialprodukt mehr als doppelt so hoch verschuldet wie die USA. Japan ist ebenfalls am Rande der Insolvenz. Nur eine kleine Zinserhöhung und das Land ist zahlungsunfähig. Gut, die Flucht in den Yen wird die Situation dort entschärfen, wehe aber, wenn die Gelder dort wieder abfliessen. Man glaubt sich in ein globales Finanzirrenhaus.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Keine der beiden Parteien hat irgendwelche brauchbare Vorschläge, wie die Situation mittel- bis langfristig gelöst werden könnte. Das ist ebenfalls besorgniserregend. Die ewige Aufstockung der Schuldenobergrenze kann auf Dauer auch nicht funktionieren. Warum keine Partei eine Lösung hat ist klar. Eine Lösung ist innerhalb der geltenden Denkmuster des heutigen Wirtschaftssystem nicht zu finden, da diese die Ursache der Situation sind.
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