US-Militär tötet versehentlich afghanische Soldaten

Ein Kontrollpunkt der afghanischen Soldaten wurde irrtümlich von der US-Luftwaffe angegriffen. Dabei starben zehn Soldaten. Die Station lag zwar in der als Taliban-Hochburg bekannten Provinz Logar, soll aber deutlich mit einer afghanischen Flagge gekennzeichnet gewesen sein.

Silhouette eines Helikopters, von unten aufgenommen.

Bildlegende: Trotz offenbar deutlicher Flaggen-Markierung nahmen US-Helikopter einen afghanischen Kontrollpunkt unter Beschuss. Keystone

Zwei US-Helikopter haben einen Kontrollpunkt der afghanischen Armee im Bezirk Baraki Barak in der Provinz Logar angegriffen. Der Bezirksgouverneur teilte mit, der Kontrollpunkt sei in Flammen aufgegangen. Die Behörden berichten von zehn getöteten Soldaten. Zuvor war von 14 Toten gesprochen worden.

Der stellvertretende Polizeichef bestätigte die Angaben. Neben den zehn Toten habe es bei dem Angriff noch vier Verletzte gegeben.

Die Provinz Logar südlich der Hauptstadt Kabul gilt als Hochburg der islamistischen Taliban. Doch der Bezirksgouverneur betonte gegenüber der BBC, der angegriffene Kontrollpunkt sei kein «verdächtiges Gebiet» gewesen. Zum Zeitpunkt des Angriffs habe dort die afghanische Flagge geweht.

Das US-Militär liess bislang nur verlautet, es habe in der Provinz einen «Zwischenfall» mit US-Truppen gegeben. Der Vorfall werde untersucht.

Nicht der erste tödliche Irrtum

Im Dezember waren bei einem Nato-Luftangriff im selben Bezirk fünf Zivilisten getötet und sechs weitere verletzt worden. Während des 13-jährigen internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan hatten tödliche Luftangriffe der internationalen Truppen die Afghanen immer wieder in Wut versetzt.

In den vergangenen Wochen war die Zahl der Luftangriffe wieder stark angestiegen: Nachdem im Mai noch 41 Angriffe geflogen wurden, waren es im Juni 106. Die Taliban haben seit dem Beginn ihrer jährlichen Sommeroffensive wieder vermehrt Anschläge verübt.

Auch nach dem Ende des Nato-geführten Kampfeinsatzes Ende 2014 sind noch immer tausende ausländische Soldaten als Berater und Ausbilder in Afghanistan stationiert. Bis Ende 2016 sollen alle ausländischen Soldaten vom Hindukusch abgezogen werden.