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International US-Minister stürzt über Gesundheitsskandal

US-Veteranen-Minister Eric Shinseki ist nach einem Skandal um den Tod zahlreicher Kriegsveteranen zurückgetreten. Nach Medienberichten sollen allein im Bundesstaat Arizona 40 Veteranen gestorben sein, weil sie zu spät behandelt worden seien.

Eric Shinseki
Legende: US-Veteranen-Minister Eric Shinseki tritt nach Skandal zurück. Keystone

Der Skandal schwelt bereits seit Wochen in den USA: Dutzende Veteranen sind verstorben, weil sie nicht oder nicht rechtzeitig behandelt worden waren. Vor allem Republikaner hatten daraufhin einen Rücktritt des Veteranen-Ministers Eric Shinseki verlangt. Die Stellung und Behandlung von Kriegsveteranen in der Gesellschaft ist ein emotional besetztes Thema in den USA.

Legende: Video Veteranen-Minister tritt zurück abspielen. Laufzeit 01:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.05.2014.

Nun musste der Minister dem Druck offenbar weichen. Präsident Barack Obama sagte, er nehme den Rücktritt mit Bedauern an. «Wir müssen das Problem lösen», sagte Obama. Erste Prüfungen hätten landesweite Missstände bei der Gesundheitsversorgung ehemaliger Soldaten ergeben. Dies sei «völlig inakzeptabel. Unsere Veteranen verdienen das Beste.»

Schein-Wartelisten

Obama selbst war fünf Monate vor den wichtigen Kongresswahlen in Bedrängnis geraten – vor allem die grossen TV-Sender berichteten breit über den Skandal. Obama schloss Ermittlungen der Justiz wegen des Verdachts krimineller Vergehen nicht aus.

Nach Medienberichten wurden etwa in einem Veteranen-Spital in Phoenix Wartelisten für die Aufnahme ehemaliger Soldaten nur zum Schein geführt. Obama machte klar, dass die Probleme nicht länger unter den Teppich gekehrt werden dürften.

Wenn mehr Ärzte oder mehr Geld für eine schnellere Behandlung gebraucht werden sollten, müsse auch darüber geredet werden. Ein neuer Minister wurde zunächst nicht berufen.

Ex-Vier-Sterne-General

Der ehemaliger Vier-Sterne-General Shinseki selbst hatte am Freitag zu Veteranen gesprochen, erhebliche Missstände eingeräumt und sich entschuldigt. Er sei auch dabei, Verantwortliche zu feuern, sagte Obama.

Obama hatte sich nach längerem Schweigen vergangene Woche erstmals geäussert und rückhaltlose Aufklärung verlangt. Bereits damals räumte der Präsident ein, dass Missstände im Zusammenhang mit Veteranen keine neue Entwicklung seien, sondern teilweise «seit Jahrzehnten ein Problem» seien.

Auch Obamas Sprecher geht

Der Sprecher des Weissen Hauses, Jay Carney, verlässt nach dreieinhalb Jahren seinen Posten. Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Josh Earnest. Obama gab den Wechsel persönlich bekannt. Der Präsident nannte Carney einen seiner engsten Freunde und grossartigen Berater. «Ich werde ihn sehr vermissen.»

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Jens Brügger, Schaffhausen
    In den USA begeht jeden Tag ein "Veteran" Suizid. Muss ja echt krank sein was die USA im Krieg alles anrichten, dass Tausende Menschen so verstört und verloren sind und keinen anderen Ausweg mehr sehen.
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  • Kommentar von Roger Stahn, Fraubrunnen
    "Bereits damals räumte der Präsident ein, dass Missstände im Zusammenhang mit Veteranen keine neue Entwicklung seien, sondern teilweise «seit Jahrzehnten ein Problem» seien." (...) Obama musste ja den geplanten Militärschlag gegen Syrien angeblich wegen gewaltiger Meuterei in der US-Militärführung abblasen. Dazu erklärend: «Nur weil wir den besten Hammer haben, ist nicht jedes Problem ein Nagel.»
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    1. Antwort von Philipp Pan, St. Gallen
      Das hört sich sehr beunruhigend an, was Sie hier antönen, Herr Stahn! Sollte es tatsächlich "gewaltige Meuterei" im amerikanischen Militär gegeben haben, dann sollten wir alle vielleicht den geopolitischen Blick auch von Zeit zu Zeit wieder stärker nach Westen richten. Sehr gerne möchte ich Sie aber nach Ihrer Quelle für diese Information fragen. Wo haben Sie von solchen Zuständen in der Führung des amerikanischen Militärs erfahren? Vielen herzlichen Dank für weitere Aufklärung!
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    2. Antwort von Philipp Pan, St. Gallen
      Was Sie hier schreiben, Herr Stahn, hört sich sehr besorgniserregend an. Wenn es in der stärksten Armee der Welt tatsächlich zu solchen "gewaltigen Meutereien" gekommen sein sollte, wäre das eine äusserst gefährliche Entwicklung für die gesamte westliche Welt! Sie werden aber verstehen, dass eine solche Aussage schwer zu schlucken ist, wenn Sie keinerlei Quellen vorlegen. Ich wäre sehr interessiert daran zu erfahren, worauf Sie Ihre Aussage stützen! Vielen Dank schon im Voraus für eine Antwort!
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    3. Antwort von Roger Stahn, Fraubrunnen
      Ja Herr Pan, z.B. in der Washington Post: "The Obama administration’s plan to launch a military strike against Syria is being received with serious reservations by many in the U.S. military, which is coping with the scars of two lengthy wars and a rapidly contracting budget, according to current and former officers." (By Ernesto Londoño, Published: August 30, 2013 washingtonpost.com)
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    4. Antwort von Philipp Pan, St. Gallen
      Vielen Dank für Ihre Antwort! Ich halte den von Ihnen gewählten Ausdruck "gewaltige Meuterei" angesichts des Artikels für stark übertrieben. Dass es auch in der Armee immer wieder Gegner von Interventionen gibt, ist keineswegs ein neues Phänomen. Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen den Bedenken und Protesten von Armeeangehörigen und der Nicht-Intervention der USA in Syrien ist meiner Ansicht nach ebenfalls nicht gegeben, auch wenn es zusätzlich Druck auf Obama ausgeübt haben dürfte.
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    5. Antwort von Roger Stahn, Fraubrunnen
      Ja bitte gerne Herr Pan. In Anbetracht, dass bei allen vorhergehenden US- militärischen Interventionen der militärisch-industrieller Komplex stets die Stossrichtung für ein Eingreifen vorgab, finde ich den Ausdruck nun durchaus gerechtfertigt, wenn die obersten Militärs ein Eingreifen in Syrien verweigerten. Ferner wollte ich ebenso auf den Doppelstandard von Obama hinweisen in Bezug auf die Veteranen.
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