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International USA evakuieren ihre Botschaft in Libyen

Wegen anhaltender Kämpfe haben die USA ihre Botschaft in der libyschen Hauptstadt Tripolis evakuiert. Alle Mitarbeiter sind auf dem Landweg nach Tunesien ausgereist.

Rauch und kaputtes Gebäude, ein halbes Flugzeug davor.
Legende: Die US-Botschaft in Tripolis liegt unweit des Flughafens, der derzeit Ziel der Kämpfe ist. Keystone

Die Diplomaten der evakuierten Botschaft in Tripolis würden vorläufig von Washington oder anderen Einrichtungen in der Region aus arbeiten. Dies erklärte eine Sprecherin des US-Aussenministeriums. Das Ministerium rief in einer aktualisierten Reisewarnung zudem alle US-Bürger zum «sofortigen Verlassen» des Landes auf.

Das Personal der US-Botschaft war schon vorher reduziert worden. Rivalisierende libysche Milizen liefern sich seit Tagen heftige Kämpfe um den internationalen Flughafen von Tripolis, der unweit der US-Botschaft liegt. Seit Beginn der Kämpfe am 13. Juli ist der Flugbetrieb eingestellt, 47 Menschen wurden getötet.

Erinnerungen an Attentat in Bengasi

Auch das Leben in der Stadt ist zunehmend betroffen. Der Strom fällt immer wieder aus, zudem bleiben Tankstellen und Banken geschlossen. Die libysche Regierung hatte angesichts der Kämpfe um den Flughafen jüngst vor dem «Zerfall des Staates» gewarnt.

In den USA ist die Erinnerung an den Angriff militanter Islamisten auf das US-Konsulat in Bengasi noch frisch, bei dem am 11. September 2012 der Botschafter Chris Stevens und drei US-Mitarbeiter getötet wurden.

Die Schweizer Botschaft in Tripolis bleibe geöffnet, hiess es beim Aussendepartement (EDA) in Bern. Allerdings rät auch das EDA von Reisen nach Libyen ab.

Wer erhält die Macht?

In Libyen liefern sich rivalisierende Milizen seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Kämpfe um die Macht und die Kontrolle einzelner Städte. Mangels funktionierender Sicherheitskräfte ist auch die Regierung auf ihre Hilfe angewiesen.

Der Flughafen von Tripolis war nach dem Sturz Gaddafis in die Hände der sogenannten Sintan-Brigaden gefallen. Rivalisierende islamistische Milizen versuchen nun, die Brigaden zu vertreiben.

Laut libyschen Beobachtern geht es bei den Kämpfen um die Macht nach der Parlamentswahl vom 25. Juni. Deren Ergebnisse liegen zwar noch nicht vor, doch wird mit einer Schwächung der Islamisten und dem Erstarken der Liberalen gerechnet. Die Islamisten versuchen daher möglicherweise, ihre Niederlage militärisch zu kompensieren.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Ach ne, die Amis flüchten schon wieder. Eigentlich sind die Amis die absolute Lachnummer.
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  • Kommentar von M. Maruhn, Düren
    Hatten die Invasoren nicht die frühlingshafte Demokratie implantiert ? Die Ohnmacht der Helfersysteme, hier ein bisschen internationale Farbe drüber und jetzt interessiert nur noch das Macht und Gier-Gen, denn Gewinn steht vor Humanität. Die Lernresistenz beim Menschen ist erstaunlich....
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  • Kommentar von d mick, 4566
    Nenne mir jemand nur EIN muslimisch geprägtes Land auf dieser Welt, in dem Frieden und Gerechtigkeit herrschen...
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    1. Antwort von Tomasz Kamasa, Basel
      Tanzania, Oman, Marokko teilweise. Es sind meist auch Länder, die auf dem Reisbrett entworfen wurden und Jahre lang unter Britischer Krone oder den Franzosen sich dem Kolonialregime unterwerfen mussten. Ethnische Konflikte, Oligarchie, Industrialisierung, Nationalismus und viele andere Faktoren machen es den friedvollen Bürgern dieser Länder nicht einfacher. Es gibt keinen Königsweg aber Veränderung ist wohl die einziege Möglichkeit, wenn auch die Samen nicht sofort fruchten mögen. Hoffnung!
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    2. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Yep, Herr Kamasa hat das wunderschön gesagt. Diese Länder hatten nie ein Mittelalter mit Länderbildung. Die Kolonisten trennten zusammengehörige Stämme und vereinten feindliche Stämme mit einem Strich auf dem Reisbrett. Die Länderbildung muss nun einwenig nachgeholt werden. Auch eine Form der Demokratisierung - den es war ein weiter Weg...
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