Zum Inhalt springen

Abe bei Trump USA-Japan: Eine asymmetrische Beziehung

Beim Besuch bei US-Präsident Trump steht für Japans Ministerpräsident Shinzo Abe viel auf dem Spiel. Japan, die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt, ist wirtschaftlich und sicherheitspolitisch eng mit den USA verbunden. Eine Geschichte in Bildern.

Legende: Audio Abe besänftigt Trump mit einem teuren Golfschläger abspielen. Laufzeit 2:54 Minuten.
2:54 min, aus SRF 4 News aktuell vom 10.02.2017.

Politik auf dem Golfplatz

Shinzo Abe trifft Donald Trump heute im Weissen Haus in Washington. Morgen Samstag werden die beiden Regierungschefs in Florida zusammen Golf spielen. Während der US-Präsident von einem «Plausch» spricht, scheint Japans Ministerpräsident dem Treffen mehr Gewicht beizumessen. Er reist nach Angaben in der japanischen Presse mit Investionszusagen im Wert von 450 Millarden Dollar in die USA.

Japans Ministerpräsident Shinzo ABe und US-Präsident Donald Trump in Golfkleidung.
Legende: Keystone

Japans Wirtschaft hat Angst vor Trump

Trump und seine Regierung werfen Japan vor, es halte den Wert des Yen künstlich tief, um seiner Exportwirtschaft Vorteile zu verschaffen. Der US-Präsident griff zudem den Autobauer Toyota an, eines der Vorzeigeunternehmen Japans, wegen seiner Investitionen in Mexiko an. Der Autokonzern hatte Anfang Jahr den Bau einer Fabrik in Mexiko angekündigt. Als Reaktioin auf Trumps Kritik erklärte Toyota, man wolle in den kommenden Jahren fünd bis zehn Milliarden Dollar in den USA investieren.

Zwei Geschäftsleute gehen nach Trumps Amtseinsetzung an einem Bildschirm mit fallenden Börsenkursen vorbei.
Legende: Keystone

Gemeinsam gegen China, uneins bei TPP

Für Abe ist das transpazifische Freihandelsabkommen TPP ein Pfeiler seiner Wirtschaftspolitik. Er erhofft sich davon einen Wachstumsschub. Japan sieht TPP auch als ein Gegengewicht zu China, das bei dem Vertrag nicht dabei ist. Trump schimpft zwar immer wieder über die chinesische Handelspolitik, findet den von seinem Vorgänger Obama ausgehandelten TPP-Vertrag aber unfair und will ihn deshalb kündigen.

Die Staats- und Regierungschefs der TPP an einem Gipfel.
Legende: Keystone

Die militärische Abhängigkeit Japans von den USA

Japan gibt nur rund ein Prozent seines Bruttoinlandprodukts für sein Militär aus. Zu wenig, fand Donald Trump. Japan profitiere bei der Sicherheit zu sehr von den USA. Er forderte, Japan müsse mehr tun für seine eigene Verteidigung. US-Verteidigungsminister Jim Mattis beruhigte letzte Woche die Japaner auf seiner ersten Auslandreise als Chef des Pentagons. Er sagte, die USA seien auch weiterhin dem Vertrag über gegenseitige Kooperation und Sicherheit verpflichtet.

Japanische und US-amerikanische Kriegsschiffe vor der Pazifikinsel Okinawa.
Legende: Keystone

Verbunden im historischen Schrecken

Japan und die USA sind durch für beide Nationen traumatische Ereignisse im 20. Jahrhundert miteinander verbunden. Japan hat mit seinem Angriff auf die amerikanische Militärbasis Pearl Harbour die USA in den zweiten Weltkrieg hineingezogen. Die USA haben in Japan mit den Atombombenangriffen auf Hiroshima und Nagasaki immenses Leid verursacht. Bis im April 1952 hielten die USA Japan besetzt. Bis heute sind über 50'000 US-Militärs in Japan stationiert.

Alliierter Soldat betrachtet die Trümmerlandschaft in Hiroshima 1945.
Legende: Keystone

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christian Takushi (geopolitical economist)
    In grossen Grundzügen stimmt diese Darstellung Japans, insbesondere das Misstrauen ehemaliger Kriegsopfer. Die Unantastbarkeit der Ehre der Vorfahren hat es allen Nordostasiaten fast unmöglich gemacht Schuldbekenntnis 'öffentlich' zu zeigen. Der rege gegenseitige Tourismus, das Internet und der Vormarsch des Chritstentums in dieser Region lassen allerdings öfter Annäherung stattfinden. Während Europa zögert, nutzt Tokio rasch die grosse Chance mehr als strategischer US Militärverbündete zu sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Die Japaner sind so etwas wie die Deutschen Asiens. Sicher erfolgreich, sicher technologisch führend, aber eben: niemand mag sie. Gerade weil sie sich als die Leitkultur schlechthin anschauen und deshalb die Kriege im letzten Jahrhundert angezettelt haben. Die Geschichte hinterlässt nun mal ihre Wunden und kein Amerikaner ist traurig, wenn es Japan schlecht geht. Geschweige denn ein Chinese oder Koreaner. Abe hat es wirklich schwer.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen