USA schicken mehr Soldaten – aber keine Bodentruppen

Bessere Ausbildung für irakische Kämpfer: Um die IS-Terrormiliz zu vertreiben, will die US-Regierung die Zahl ihrer Soldaten im Irak um 500 Mann erhöhen. Es sind keine Bodentruppen, sondern Militärberater. Weiter planen die USA einen neuen Militärstützpunkt im Land.

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Offensive gegen den IS-Vormarsch

0:50 min, aus Tagesschau am Mittag vom 10.6.2015

Die Terroristen der IS-Miliz hatten ein leichtes Spiel, als sie vor rund einem Monat die irakische Stadt Ramadi eroberten. Ein zu leichtes, fanden offenbar nicht nur die Kritiker von Barack Obama, sondern auch der US-Präsident selber.

Zwei Soldaten in unterschiedlicher Kampfmontur liegen auf dem Boden, der eine zielt mit einem Gewehr, der andere schaut ihm dabei zu.

Bildlegende: Ein US-Soldat bildet einen irakischen Sicherheitsmann in Bagdad aus. Keystone

Hinter den Kulissen liess er deshalb einen Aktionsplan ausarbeiten. Laut Medienberichten sieht dieser ein stärkeres Engagement der USA vor. So soll etwa die Zahl der US-Soldaten im Irak um 500 auf total 3500 aufgestockt werden.

Soldaten als Berater

Es handelt sich dabei um Militärberater und nicht um klassische Bodentruppen. Sie sollen der irakischen Armee helfen, die IS-Einheiten aus der westlichen Provinz Anbar zu vertreiben. In Anbar wollen die Amerikaner zudem eine weitere Militärbasis errichten, heisst es unter Berufung auf Regierungsvertreter.

Obama hatte sich am Montag mit dem irakischen Premierminister getroffen, dem Schiiten Haider al-Abadi. Dieser versprach einmal mehr, alle Kräfte des Landes besser in die Regierung einzubinden und vorwärts zu machen mit der Bewaffnung und Ausbildung von sunnitischen Kämpfern im Irak.

Druck auf die Regierung

Bislang liegt die Ausbildung sunnitischer Kämpfer im Irak in der Hand der schiitisch dominierten Regierung in Bagdad. Dass die USA mit den Ergebnissen alles andere als zufrieden sind, ist ein offenes Geheimnis. 2006 hatten die USA mit dem Einsatz sunnitischer Stammeskämpfer gegen das islamische Terrornetzwerk Al-Kaida im Irak gute Erfahrungen gemacht.

US-Präsident Barack Obama hatte am Montag am Rande des G7-Gipfels auf Schloss Elmau gesagt: «Wir wollen mehr ausgebildete, frische, gut ausgerüstete und konzentrierte irakische Truppen haben.» Bislang haben die USA und ihre Bündnispartner knapp 9000 irakische Kämpfer ausgebildet, 2600 weitere befinden sich derzeit in der Ausbildung.

Der IS hat weite Gebiete des Irak erobert und konnte auch durch Luftangriffe der US-geführten Koalition bislang nicht gestoppt werden. Mitte Mai eroberten die Dschihadisten Ramadi, die Hauptstadt der Provinz Anbar. Dies nährte Befürchtungen, dass die IS-Kämpfer bald zu einer weiteren Offensive ansetzen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Irak will Ramadi zurückerobern

    Aus Tagesschau vom 26.5.2015

    Die irakischen Truppen bereiten sich auf die Rückeroberung Ramadis vor. Nach der Niederlage gegen den IS wurde die irakische Armee heftig kritisiert, auch von amerikanischer Seite. Die Soldaten seien nicht kampfwillig, hiess es.

  • Die USA finden, der Verlust Ramadis sei verkraftbar. Die zahlreichen Menschen, die aus der Stadt fliehen, sehen das wahrscheinlich anders.

    Der «Islamische Staat» und die Rolle der USA in Irak

    Aus Rendez-vous vom 20.5.2015

    Am Sonntag ist Ramadi, die Hauptstadt der grössten irakischen Provinz Anbar, in IS-Hand gefallen - trotz Luftangriffen des US-Militärs. In der Umgebung wird weiterhin gekäpft, die irakische Regierung will die Stadt nicht aufgeben.

    Der Verlust Ramadis sei nicht so schlimm, lassen die USA verlauten. Warum? Antworten von Stefan Bierling von der Universität Regensburg.

    Ivana Pribakovic