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International Verdächtige im Fall Nemzow möglicherweise gefoltert

Die Ermordung des Oppositionspolitikers Boris Nemzow in Moskau beschäftigt die russische Öffentlichkeit weiter. Nun sagen Menschenrechtler, die Hauptverdächtigen seien in Untersuchungshaft gefoltert worden. Der Kreml wiederum stellt die Menschenrechtler an den Pranger – und droht mit einer Anzeige.

Legende: Video Foltervorwürfe im Fall Nemzow abspielen. Laufzeit 1:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.03.2015.

Zwei Verdächtige im Mordfall des Kreml-Kritikers Boris Nemzow sind nach Aussagen von Menschenrechtlern möglicherweise bei den Vernehmungen gefoltert worden. Andrej Babuschkin, Mitglied der Menschenrechtskommission im Kreml, hat bei einem Besuch im Gefängnis bei den Männern Schürfwunden gesehen, die einen Folterverdacht nahelegten.

Der Chef der Gefangenenkommission, Anton Zwetkow, forderte nun eine Untersuchung. Die verdächtigten Männer behaupteten, mit Baseballschlägern und Stromschlägen gefoltert worden zu sein. Die Blutergüsse und Schrammen könnten aber auch von der Festnahme stammen, meinte Zwetkow.

Kein Essen, Schläge, Angst

SRF-Korrespondent Christof Franzen konnte mit Ewa Merkatschewa sprechen. Sie ist Journalistin und Mitglied der Öffentlichen Beobachtungs-Kommission der Stadt Moskau. Sie konnte die drei Verdächtigen im Fall Boris Nemzow deshalb in der Untersuchungshaft besuchen.

Er hat gestanden, weil er Angst hatte in U-Haft zu sterben.
Autor: Ewa MerkatschewaMenschenrechtlerin

Sie erzählt, der Angeschuldigte Zaur Dadajew habe gesagt, er sei während der Verhaftung gefoltert worden. Man habe ihm einen Sack über den Kopf gezogen und ihn geschlagen.

Der Verdächtige Zaur Dadajew.
Legende: Sagt er die Wahrheit? Der Verdächtige Zaur Dadajew. Reuters

Man habe Dadajew zwei Tage nichts zu essen zu geben, so Merkatschewa weiter. Dadajew habe gesagt, er habe die Tat nur gestanden, weil er unbedingt weg vom Kaukasus nach Moskau wollte. Er habe Angst gehabt, in der U-Haft in Inguschetien zu sterben. Merkatschewa spricht allerdings nicht von systematischer Folter.

Kreml droht den Menschenrechtlern

Die Untersuchungsbehörden haben inzwischen eine Mitteilung verschickt. Darin kritisieren sie, die Menschenrechtler Merkatschewa und Babuschkin hätten ihre Kompetenzen überschritten. Sie hätten sich in gesetzeswidriger Art und Weise in die «materiellen» Belange des Falles eingemischt. Und das, obwohl sie nur eingeladen worden seien, um die Haftbedingungen zu prüfen. Man kläre jetzt die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen die beiden ab.

Legende: Video Spekulationen und Verwirrung um die Ermordung Nemzows abspielen. Laufzeit 3:30 Minuten.
Aus 10vor10 vom 11.03.2015.

In Moskau ist die Verwirrung gross. Und genau das sei die Absicht, meint Russlandexperte Ulrich Schmid in der Sendung «10vor10». «Je mehr Versionen über diesen Mord und deren Täter kursieren desto besser. Schlussendlich entscheidet der Kreml, was Sache ist und bietet den Russen so wieder die gewünschte Orientierung.»

Anhänger Nemzows glauben Kreml nicht

Mitarbeiter und Anhänger Nemzows vermuten, der russische Sicherheitsapparat könnte etwas mit der Tat zu tun haben. Den Mord tschetschenischen Islamisten in die Schuhe zu schieben, sei nicht anderes, als ein Versuch, den Verdacht von Putin, seinem inneren Machtzirkel oder den Sicherheitskräften abzulenken.

Der Fall Nemzow

Der Oppositionspolitiker Boris Nemzow war am 27. Februar in Moskau von einem Unbekannten erschossen worden. Wenige Tage später nahm die Polizei fünf Verdächtige aus dem islamisch geprägten Nordkaukasus fest.

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59 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli, Burgdorf
    Dümmer gehts wohl nicht mehr. So kurz nach Nemzows Tod solche Aussagen zu machen ist verheerend. Damit haben sich Merkatschewa und Babuschkin ihren eigenen Totenschein unterschrieben oder mindestens die Fahrkarte nach Sibieren. Das hat nichts mehr mit Mut zu tun, sondern nur mit Dummheit. > Und wieder zwei Menschenrechtler weniger in Russland. DAS KOMMT MIT JEDER GARANTIE NICHT GUT!!!!!
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Gute Analyse: "Putin Predicted Washington Would Employ Assassination Tactic Against Russia — Paul Craig Roberts". Dass Putin diesen Mord zu verantworten hat ist sicher nicht die wahrscheinlichste Erklärung.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Hochrangige US-Politiker, insbesondere Nuland, kennen keine Grenzen der Lügen und Kriegstreiberei: "Victoria Nuland’s Lies Make War Inevitable Paul Craig Roberts". Es ist so grotesk, dass wohl immer mehr Menschen die Kriegspropaganda der USA durchschauen. Und das lässt auf Frieden hoffen. Aber die Gefahr eines WWIII, von den USA ausgelöst, ist noch lange nicht gebannt.
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    1. Antwort von m.mitulla, wi
      „Ich denke, dass die Deutschen erstmals seit 70 Jahren sozusagen aus der Pubertät herauskommen und das Erwachsenenalter erreichen und bereit sind, sich den USA entgegenzustellen und zu sagen: Unsere Interessen stimmen mit euren nicht überein. Wir wollen keinen Krieg in Zentraleuropa!“, sagte Ex-CIA-Analyst Ray McGovern in einem Interview des TV-Senders RT zu finden unter "Op-Edge". Und weiter: In den Kommentarspalten gibt es viel Verständnis für die Europäische Haltung :D
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