Viele Philippiner sind nicht versichert

Nach dem Taifun stehen viele Menschen auf den Philippinen vor dem Nichts. Ihre Häuser sind zerstört. Auch Fabriken, Schulen, Strassen und Wasserleitungen sind kaputt. Als wäre das nicht schon schlimm genug: Der grösste Teil dieser Schäden ist nicht versichert.

Der Taifun «Haiyan» auf den Philippinen war zwar einer der schwersten Wirbelstürme der letzten Jahrzehnte, dennoch dürften die versicherten Schäden vergleichsweise klein bleiben. Das sagt Peter Zimmerli von Swiss Re im Gespräch mit SRF. Auf den Philippinen fehle zumeist das Geld, um Gebäude und Infrastruktur gegen die Folgen eines Sturms zu versichern.

Viel höhere Kosten in den USA

Bei dem Hurrikan «Sandy» letztes Jahr sei das ganz anders gewesen. Obwohl er mit viel tieferen Windgeschwindigkeiten über die USA hinweggefegt war, seien die versicherten Schäden vergleichsweise hoch gewesen, sagt der Experte für Naturkatastrophen weiter.

«Sandy» habe eine «sehr reiche und auch gut versicherte Bevölkerung getroffen». Mehr als 800 Millionen Dollar musste allein die Swiss Re für die Schäden des letztjährigen Hurrikans bezahlen. Auf den Philippinen werde es wesentlich weniger sein, obwohl der Sturm zerstörerischer war. Denn dort ist kaum jemand versichert.

 

Schwerste Stürme in armen Ländern

Und nicht nur dort: Neun der zehn schwersten Wirbelstürme der letzten Jahre wüteten in Südostasien, in ähnlich armen Ländern. Gerade dort, wo die Gefahr am grössten ist, sind die weitaus meisten Schäden also nicht versichert.

Doch das ändert sich langsam: Die Rückversicherer passen ihr Geschäftsmodell an. Bisher haben sie vor allem mit privaten Versicherungen zusammengearbeitet, die ihrerseits die Risiken von privaten Partnern, also von Firmen und Privathaushalten, abdeckten.

Regierungen versichern Infrastruktur

Nun kommen die Rückversicherer zunehmend auch mit staatlichen Regierungen ins Geschäft, wie Peter Zimmerli erklärt. In den letzten Jahren hätten sie mit Regierungen und unabhängigen Organisationen Lösungen aufgesetzt, um Infrastrukturschäden zu decken. «Die Regierungen haben so nach einem Ereignis Gelder zur Verfügung, die sie dort einsetzen können, wo sie nötig sind, um Schäden zu beheben.»

Solche Versicherungslösungen hat Swiss Re zum Beispiel mit Mexiko und Haiti abgeschlossen. Die Philippinen sind aber noch nicht rückversichert, um die Folgen von «Haiyan» zu decken und den Wiederaufbau zu finanzieren. Somit bleibt das Land auf internationale Hilfe und Solidarität angewiesen.

Die Glückskette sammelt für die Taifun-Opfer auf den Philippinen. Spenden können Sie auf das Konto 10-15000-6 mit dem Vermerk
«Überschwemmungen Asien» oder online.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Auf den Philippinen kommt Versorgung nur schleppend voran

    Aus Tagesschau vom 13.11.2013

    Die Zahl der Taifun-Toten auf den Philippinen ist offiziell auf mehr als 2000 gestiegen. Das sind allerdings nur die bestätigten Opfer. Im Katastrophengebiet kommt die Versorgung nur schleppend voran. Die Verzweiflung wächst. Zahlreiche Lebensmittellager und Warenhäuser sind geplündert worden - offenbar nicht nur von Verzweifelten. Aus Cebu meldet sich SRF-Sonder-Korrespondent Florian Inhauser.

  • Ein halbes Grad mehr fördert Katastrophen

    Aus Tagesschau vom 13.11.2013

    Die UNO-Weltorganisation für Meteorologie zeigt in seinem neusten Klimabericht, dass auch das Jahr 2013 zu den wärmsten Jahren gehört seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1850. Konkret dürfte es 0,48 Grad wärmer sein als im Durchschnitt. Ein halbes Grad mehr bringt die Meeresspiegel zum Steigen und macht Wirbelstürme gefährlicher.