Zum Inhalt springen

International Waffenruhe in der Ostukraine bröckelt

Die Waffenruhe in der Ostukraine bekommt erste Brüche. Laut der Regierung in Kiew haben pro-russische Separatisten einen Armeehelikopter abgeschossen. Neun Menschen starben.

Ein pro-russischer Soldat vor der Russischen Flagge, er hält ein Gewehr in der Hand und blickt in die Ferne. Das Bild wurde in der Froschperspektive aufgenommen.
Legende: Waffenruhe light: Pro-russische Separatisten haben einen Armeehubschrauber abgeschossen. Reuters

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko verhängte vergangene Woche eine Waffenruhe für den Osten seines Landes. Sie soll bis Freitagvormittag gelten und ist Teil seines Friedensplans. Am Montagabend zogen die Rebellen in ihren Hochburgen Donezk und Luhansk nach.

Hoffnung auf ein Ende der Ukraine-Krise kam auf. Auch Russland sandte Friedenssignale an seinen Nachbarn. So hat der russische Föderationsrat die Vollmacht für Präsident Wladimir Putin zum möglichen Einmarsch in der Ukraine aufgehoben.

Zwölf Tote nach Gefechten

Inzwischen hat sich die Lage aber verändert. Laut der Regierung in Kiew haben pro-russische Separatisten am Dienstag einen Armeehelikopter abgeschossen. Neun Menschen starben den Angaben eines Militärsprechers. Drei Soldaten seien zudem bei Rebellenangriffen auf Militärposten und Kontrollpunkte getötet worden. Die Aufständischen gaben jedoch an, dass sie zuerst beschossen worden seien.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko wies seine Sicherheitschefs an, «ohne zu zögern das Feuer zu eröffnen», sollten Regierungstruppen angegriffen werden. Er schliesse nicht aus, «das Regime der Waffenruhe» vorzeitig zu beenden, wenn die Aufständischen weiterhin dagegen verstiessen, erklärte er.

Zugleich äusserte Putin sich aber am Abend bei einem Besuch in Wien skeptisch über die Erfolgsaussichten der Feuerpause. Die bis Freitag gesetzte Frist müsse verlängert werden. Sie sei zu kurz, um das Blutvergiessen zu beenden, sagte Putin. «Es reicht nicht aus, eine Waffenruhe zu vereinbaren, es müssen auch konkrete Verhandlungen geführt werden.» Sonst drohe ein Scheitern.

Zeit für Friedensgespräche nutzen

US-Präsident Barack Obama erklärte an Putin gerichtet, es sei wichtig, dass in den kommenden Tagen greifbare Schritte zur Beruhigung der Lage in der Ukraine ergriffen würden. Während der Feuerpause soll Zeit für Friedensgespräche sein, an denen auch Russland beteiligt ist.

Bereits wenige Stunden nach Ausrufung der Feuerpause durch die Rebellen lagen erste Berichte über Verstösse vor. Die Regierung warf den pro-russischen Separatisten vor, an mehreren Orten auf Militärposten zu schiessen.

Am Dienstagnachmittag teilte ein Militärsprecher dann mit, dass Rebellen in der Nähe der Separatistenhochburg Slawjansk einen Transporthubschrauber mit einer Rakete abgeschossen hätten.

Es war das zweite Mal, dass im Gebiet um Slawjansk ein Helikopter abgeschossen wurde. Bereits Ende Mai waren 14 Militärangehörige, darunter ein General, getötet worden.

EU könnte Weichen für Wirtschaftssanktionen stellen

Der Abschuss könnte die Bemühungen um ein Ende des gewaltsamen Konflikts zurückwerfen. Dies kurz vor dem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs am Freitag, auf dem diese über die Lage in der Ukraine beraten.

Dabei könnten auch die Weichen für Wirtschaftssanktionen gegen Russland gestellt werden, sollte Putin sich nicht für eine Entspannung in der Ukraine einsetzen.

Ukraine-Krise fordert 423 Tote

Im Ukraine-Konflikt sind nach Zählung der Vereinten Nationen seit Mitte April mindestens 423 Menschen getötet worden. Diese Zahl nannte der Untergeneralsekretär für Menschenrechte, Ivan Simonovic, am Dienstag im Sicherheitsrat in New York. Er bezog sich auf Informationen durch offizielle Quellen.

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von c.jaschko, Bern
    Jedem seine Meinung so auch Ihnen , Ihre. Als gebilderter Man, Sie sollten villeicht wissen das Zimbabwe ein gutes Land war und der Dollar dort 1 zu 1 mit dem US Dollar.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Steter Tropfen hölt den Stein. Es wird immer offensichtlicher, dass die Grundlagen der westlichen Gesellschaftsordnung längst von kriminellen Drahtziehern unterhölt sind. Während man das vor noch nicht allzu langer Zeit nicht so offensichtlich erkennen konnte, springt es einen heute richtiggehend an. Die meisten wagen wohl kaum, ihren Blick auf die Zusammenhänge zu richten, weil sie ahnen, was sie sehen werden. Andere versuchen sich kindlich dagegen zu wehren, dass der Samichlaus nicht echt war.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Und immer droht der Westen, die NATO inkl. Amerika Putin weiter. Er müsse sich stärker für eine Deeskalation in der Ost-Ukraine einsetzen. Aber bitte: WAS haben diese bisher zu einer Deeskalation beigetragen? Eine ganz einfache Antwort: NICHTS! Im Gegenteil verkündete Rasmussen, dass die NATO die Armee der Ukraine mit ein paar Millionen unterstützen & weiteren Ostblock-Staaten in die NATO holen will. Ist das deeskalierend? Ist es nicht, sondern pure Provokation gegenüber Russland & Putin.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Roger Stahn, Fraubrunnen
      Ja Herr Waeden, vom Westen hört man immer nur, dass Russland in der Pflicht sei. Eine plausible Begründung dazu? Fehlanzeige. Der Westen hat in Sachen Ukraine von Anfang an genau das getan, was dieselben ständig Russland vorwerfen. Wir sollten umdenken. Wenn der Westen von Frieden lamentiert, dann ist Krieg gemeint. usw. usf.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Joel Vonlanthen, Luzern
      Was hat der Westen getan für die Deeskalation tun? Kann ich euch sagen: Er kann Sanktionen gegen Russland verhängen. Russland muss aufhören Soldaten, Waffen und Panzer von Russland her in die Ukraine zu führen. Das währe mal ein Schritt zu Deeskalation! Und dass die NATO Geld schicken will ist gut, da die ukrainische Armee schlecht ausgerüstet ist.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen