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Aus Tagesschau vom 31.03.2019.
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Wahl in der Ukraine Politische Elite der Ukraine erhält klare Absage

Der Politikneuling Wolodymyr Selenski hat laut Hochrechnungen alle anderen Kandidaten der ukrainischen Präsidentschaftswahl weit hinter sich gelassen. Darunter auch den amtierenden Präsidenten Petro Poroschenko und die ehemalige Innenministerin Julia Timoschenko.

Der Entertainer holte allein so viele Stimmen, wie die beiden anderen Kandidaten zusammen. Auch wenn der 41-jährige Selenski damit das Rennen noch nicht abschliessend gemacht hat, ist es eine überdeutliche Absage an die politische Elite des Landes. Fünf Jahre nach dem Machtwechsel sind die Menschen in der Ukraine der bisherigen Führungselite müde.

Wahlstrategie mit Weitblick

Sowohl Poroschenko als auch Timoschenko wirkten wenig ideenreich in ihrem Wahlkampf. Sie haben es sich selbst zuzuschreiben, dass ihr Gegner Selenski einen solchen Achtungserfolg erzielen konnte. So setzte Präsident Poroschenko auf Wahlplakate auf welchen lediglich stand: «Denk nach» und Timoschenko kündigte einen neuen Weg für die Ukraine an, ohne jedoch wirklich neue Inhalte zu liefern.

Selenski, bekannt aus TV- und Bühnenshows, musste die Wähler weniger von seinen eigenen Fähigkeiten als potenzieller Amtsinhaber überzeugen, als viel mehr sich gekonnt abgrenzen von den anderen Kandidaten. Das Resultat bestätigt ihn klar in seiner Strategie.

In der tief gespaltenen ukrainischen Gesellschaft, die des Kriegs im Osten und der wirtschaftlichen Krise mehr als überdrüssig ist, wirkte die positive Atmosphäre rund um den Wahlkampf von Selenski wohltuend.

Eine Absage an den Stillstand

Timoschenkos Reaktion auf das Wahlergebnis war absehbar, dürfte jedoch kaum von Erfolg gekrönt sein. Die ehemalige Innenministerin hat angekündigt, den bisherigen Hochrechnungen keinen Glauben zu schenken und warf der Regierung Wahlfälschung vor. Der Bericht der OSZE, welche die Wahlen mit an die 1000 Personen in der Ukraine vor Ort verfolgt hat, ist abzuwarten.

Selbst wenn der Abstand zum zweitplatzierten Poroschenko knapp ausgefallen ist, lässt sich der Rückstand Julia Timoschenkos auf den Gewinner Selenski nicht aus der Welt schaffen. Mit ihrer Reaktion bestätigt Timoschenko ihre Nichtwähler in der Einschätzung, dass von ihr dringend nötigen Veränderungen für das Land nicht zu erwarten sind.

Bevorstehender Härtetest

In den kommenden drei Wochen, die bis zur Stichwahl Ende April noch ausstehen, wird der Druck auf Entertainer Selenski bisher ungewohnte Ausmasse annehmen. Denn Amtsinhaber Petro Poroschenko dürfte mit grösserem Effort in den zweiten Wahlgang starten, um an der Macht bleiben zu können. Er hat sich in den vergangenen Jahren zu viele Feinde gemacht, als dass er die Macht leichtfertig abgeben könnte.

Nach Bekanntgabe der Hochrechnung hat Poroschenko neue Strategien angekündigt, um die Halbinsel Krim und die Gebiete im Osten des Landes wieder unter ukrainische Kontrolle zu bringen. Er richtete sich direkt an die junge Wählerschaft unter 30 Jahren und erklärte, er habe Verständnis für den Unmut über die stockenden Reformen im Land.

In den vergangenen fünf Jahren seien alle politischen Entscheidungen im Hinblick auf die Zukunft der Ukraine gefällt worden. Dies dürfte junge Wähler am Tag einer offensichtlichen Niederlage kaum davon überzeugen, für den Amtsinhaber zu stimmen. Der Hoffnungsträger der jungen Generation ist ohne Zweifel Selenski. Er muss jetzt von sich überzeugen können – ganz unabhängig vom Versagen der Konkurrenz.

Luzia Tschirky

Luzia Tschirky

Russland-Korrespondentin

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Luzia Tschirky ist SRF-Korrespondentin für die Region Russland und die ehemalige UdSSR. Zuvor war sie im trimedialen Journalismus-Stage bei SRF.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von E. Jacobs (E.J.)
    Der von den Amerikanern und seinem Vasallen Deutschland eingesetzte Oligarch Poroshenko wird verlieren. Er wurde vom Westen als Marionette eingesetzt, nach dem der rechtmässig gewählte Präsident Janukowitsch gestürzt worden war. Seit dem herrschen noch mehr Korruption und Anti-Russland Propaganda denn je zuvor. Zensur und Neonazis herrschen über dieses Land.
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    1. Antwort von Peter Singer (P.S.)
      Aha und um es den bösen Europäern und Amerikanern zu zeigen, wählen die Ukrainer deshalb jemanden, der noch mehr pro-Westen ist. Da hat sich die das ganze Engagement der Russen in der Ukraine nicht gelohnt.
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    2. Antwort von E. Jacobs (E.J.)
      @P.S: Nicht ganz Herr Singer. Diese Kandidaten sind alle samt vom Westen gestellt. Fair wäre, wenn es auch Kandidaten aus der Donbas Region gäbe und die dortige Bevölkerung abstimmen könnte. Wenn dann die Ukrainer einen Pro-Westlichen Kandidaten wählen, dann gebe ich Ihnen recht Herr Singer. Aber so wie die Kandidaten jetzt aufgestellt sind ist das Land weit weg von Fairness
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    3. Antwort von Peter Singer (P.S.)
      Es stimmt, dass es nicht fair ist. Die Leute in den von Russland besetzten Gebieten können nicht abstimmen, dort hat der Staat keine Kontrolle. Doch diese Gebiete sind relativ klein, selbst wenn alle abstimmen könnten, hätten pro-westliche Kandidaten die Mehrheit. Was meinen Sie mit "vom Westen gestellt"?
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  • Kommentar von E. Jacobs (E.J.)
    Die Ukrainische Bevölkerung in der Donbas Region dürfen nicht wählen. Genauso wenig die 3mio Ukrainer welche in Russland leben. Das ist dasselbe wie wenn wir in der Schweiz den Bundesrat wählen dürften aber den den Romands und den Tessinern das Wählen verbieten würden. Dies nur, damit einer gewählt wird, der die Interessen der Deutsch-Schweiz vertritt. Von Rechtstaatlichkeit weit entfernt. Nichts desto trotz steht Selinski aber auch für den Dialog mit Russland.
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  • Kommentar von Peter Singer (P.S.)
    Es ist ganz klar, dass die Ukrainer sich nach Westen orientieren wollen. Der Maidanaufstand war keine Verschwörung der CIA, wie das von Putins Internettrollen oft behauptet wird. Selenski hat die Bewegung auch unterstützt, er will einen EU- und einen NATO-Beitritt.
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    1. Antwort von Fabian Sarbach (F. Sarbach)
      Die Ukraine ist ein gespaltenes Land. Ein Teil ist eher westlich ein Teil eher russisch orientiert. Die westliche Politik hat die Spaltung des Landes fahrlässig mitverursacht.
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    2. Antwort von Peter Singer (P.S.)
      @Sarbach: Die Ukraine ist nicht so sehr gespalten, wie es Putin gerne hätte. Eine überwiegende Mehrheit ist pro-Westlich, das hat diese Wahl erneut gezeigt.
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    3. Antwort von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
      Die EU-Mitgliedsstaaten können sich noch nicht mal auf die Einhaltung des gemeinsamen Inflationsziels einigen, Italien, Griechenland,Spanien und gar Frankreich können mit Deutschland nicht mithalten. Die Ukraine ist wirtschaftlich noch weit unterhalb Griechenlands anzusiedeln, dazu kommen die ungelösten Konflikte, massive Korruption und eine gespaltene Bevölkerung. Die wirtschaftlichen und politischen Folgen wären katastrophal. Die EU wird die Ukraine in absehbarer Zeit nicht aufnehmen können.
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