Wahl in Niedersachsen: So hat es kaum jemand erwartet

Mit der knappsten aller möglichen Mehrheiten gewinnt Rot-Grün die Landtagswahlen in Niedersachsen. SPD und Grüne erreichen nur einen einzigen Sitz mehr als die amtierende Koalition von CDU und FDP. Für die Liberalen läuft es überraschend gut. Totalschaden erleiden die Linke und die Piraten.

Landtagswahlen Niedersachsen 2013

Ein Abend mit vielen Überraschungen und dennoch wenig dramatischen Folgen für die Bundespolitik. Überraschung Nummer eins: Die kleine FDP schaffte den Einzug in das Landesparlament Niedersachsens. Und zwar grandios mit zehn Prozent der Stimmen. Überraschung Nummer zwei: Die CDU verliert so viele Stimmen an ihre kleine Partnerin, dass es am Schluss doch nicht mehr für die bisherige Regierungskoalition reicht.

Überraschung Nummer drei: Die SPD verzeichnet trotz ständiger negativer Presse für ihren Kanzlerkandidaten Steinbrück und ständig sinkender nationaler Umfragewerte einen Zuwachs. Die Sozialdemokraten retten so mit den gut abschneidenden Grünen den Sieg hauchdünn über die Ziellinie.

Entgegen allen Umfragewerten

Fazit für die Bundespolitik: Die CDU und Kanzlerin Merkel mit ihren ausgezeichneten Beliebtheitswerten auf nationaler Ebene haben es einmal mehr nicht geschafft, dies in einen Wahlsieg umzuwandeln.

Der Schaden für die SPD, die in nationalen Umfragen immer schlechter dasteht, ist umgekehrt im Rahmen geblieben. Kanzlerkandidat Steinbrück erscheint mit dem knappen Wahlresultat in Niedersachsen weniger beschädigt, als viele dies zuvor angenommen hatten.

Die SPD freut sich über den Erfolg bei den Landtagswahlen

Bildlegende: SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil (Mitte) freut sich über das Ergebnis der Landtagswahl in Niedersachsen. Reuters

Vor allem aber der von allen erwartete Totalschaden für den FDP-Vorsitzenden Rösler fand überhaupt nicht statt. Rösler hat sich in Niedersachsen enorm ins Zeug gelegt und er kann jetzt ein sehr gutes Ergebnis vorweisen.

Piraten und Linke schaffen Fünf-Prozent-Hürde nicht

Es gab dennoch so etwas wie Totalschäden: die Piraten, die bis vor kurzem die grossen Aufsteiger waren, sind auf gerade noch zwei Prozent abgestürzt. Interne Querelen, ständige Streitereien haben ihre Spuren hinterlassen. Gleiches gilt für die Linkspartei, die den Einzug in das Landesparlament von Niedersachsen ebenfalls nicht mehr geschafft hat.

CDU bleibt stärkste Partei

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erreicht die SPD 49 Mandate. Die Grünen erhalten 20 Sitze. Die CDU stellt 54 Abgeordnete, die FDP 14.: Die CDU verliert 6,5 Punkte im Vergleich zu den Ergebnissen im Jahr 2008 und kommt auf 36,0 Prozent. Ihr Koalitionspartner FDP erzielt ein Rekordergebnis von 9,9 Prozent. Die SPD kommt auf 32,6 Prozent. Die Grünen erzielten mit 13,7 Prozent ihr bestes Wahlergebnis in Niedersachsen.

Die Linkspartei verpasst mit 3,1 Prozent den Wiedereinzug. Die Piraten schaffen mit 2,1 Prozent zum ersten Mal seit ihren Dreifach-Erfolg im vergangenen Jahr bei einer Landtagswahl den Sprung ins Parlament nicht. Die Wahlbeteiligung lag mit 59,4 Prozent leicht höher als 2008 mit 57,1 Prozent.