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International Warum bleiben Flüchtlinge nicht in der Türkei?

Der Weg fast aller Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak oder aus Afghanistan führt über die Türkei. Das Land beherbergt zur Zeit mehr als 2 Millionen Vertriebene – so viele, wie kein anderer Staat dieser Welt. Und doch wollen Viele nicht in der grenznahen Türkei bleiben. Warum eigentlich?

Legende: Video Warum Flüchtlinge auch künftig nicht in der Türkei bleiben werden abspielen. Laufzeit 1:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.12.2015.

Die prekäre Situation in Syrien, dem Irak oder auch Afghanistan zwingt immer noch täglich Tausende dazu, ihre Heimat zu verlassen. Ihr Fluchtweg führt über die Türkei. Das Land gilt als Drehscheibe – aber nicht als naher Zielort einer Flucht.

Der Hauptgrund dafür: Im türkischen Gesetz ist kein permanentes Asylrecht für Flüchtlinge vorgesehen. Daneben sind es die schlechten Perspektiven, welche viele Flüchtlinge zu einer Weiterreise zwingen. Fehlende Arbeit, fehlendes Geld, hohe Mieten. Dazu haben rund 75 Prozent aller Flüchtlingskinder keinen Platz in einer Schule oder sie müssen mitverdienen.

Syrische Flüchtlinge betreten türkischen Boden.
Legende: Syrische Flüchtlinge betreten türkischen Boden. Es ist oft nicht die einzige Grenze, welche sie passieren. Keystone

«EU-Plan kann Flüchtlingswelle nicht stoppen»

«Wenn wir das alles betrachten und die fehlende Möglichkeit permanentes Asyl zu erlangen – dann ist der Anreiz natürlich gross, weiterzuziehen, in ein Land, das umfassenden Schutz bietet, in ein Land wie Deutschland oder in Länder der EU», sagt Emma Sinclair-Webb von Human Rights Watch.

Die EU will die Türkei nun bei der Flüchtlingsbetreuung unterstützen – mit 3 Milliarden Euro – und hofft, dass dann weniger Flüchtlinge Richtung Europa aufbrechen.

«Dieser Plan der EU und der Türkei, der kann die Flüchtlingswelle nicht stoppen», glaubt Sinclair-Webb. «Denn die Leute wollen permanentes Asyl und einen umfassenden Schutz, sie wollen eine Arbeitsbewilligung und Ausbildungsmöglichkeiten für ihre Kinder.» Doch dafür braucht es neue Gesetze – und das wird dauern.

23 Kommentare

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  • Kommentar von Christa lohmann (Saleve2)
    Ein Leben mit nur geringsten Perspektiven für die eigene Zukunft kann man in der Türkei vergessen. Man kann fordern, dass die Lager menschenwürdig ausgebaut werden. Wofür zahlt die EU 3 Milli. und sicher ohne Kontrolle, was mit dem Geld gemacht wird. Vor einigen Wochen schon, erschien der Bericht, die Schweiz will auch zahlen und über Rücknahme verhandeln. Nie wieder ein Wort davon gehört, aber die Summe war die gleiche wie die der EU. Hier müsste sich mal Amnest. Int. einschalten falls fähig.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Die gesamte Asylgesetztgebung und Handhabung wird die Türkei ändern müssen, soll sie in die Eu aufgenommen werden - dereinst würde sie dann auch dem EGMR unterstellt werden. Ich schätze, mit Erdogan wäre ein derartiger Wandel nicht zu vollziehen - und vieleleicht wäre die EU in diesem Fall auch kompromissbereiter als gegenüber der Schweiz. Aber wahrscheinlich ist die verlässliche Mitgliedschaft der Türkei in der Nato die Hauptsache - die Mitgliedschaft in der EU wäre dann das "Sahnehäubchen".
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    1. Antwort von Bruno Janthiang (Bruno Janthiang)
      ****Die gesamte Asylgesetztgebung und Handhabung wird die Türkei ändern müssen, soll sie in die Eu aufgenommen werden**** ---- Ich denke eher, dass die EU zuerst ihre Gesetze ändert für die Türkei, bevor die Türkei so etwas macht.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Es kann nicht sein, dass diese Flüchtlinge nun auch noch nach Europa weiterziehen müssen. Das mit der "Willkommens-Kultur" mag ja schön und gut sein, aber damit löst man die Probleme vor Ort nicht, sondern trägt sogar eher dazu bei, dass diese Flüchtlinge eben erst recht nach Europa kommen.
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