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International Was darf der Kampf gegen die Erderwärmung kosten?

Am Klimagipfel in Paris geht es auch um die Frage, wie stark sich reiche Industrienationen für Klimaprojekte in Entwicklungsländern finanziell engagieren sollen. Die Schweiz will jedenfalls keinen pauschalen Fixbeitrag leisten.

Legende: Video «SRF-Korrespondent Jürg Brunner: «Die Schweiz wird gehört»» abspielen. Laufzeit 1:42 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.11.2015.

Mit wie viel Geld sollen die reichen Industrienationen die Entwicklungsländer im Kampf gegen die Erderwärmung künftig unterstützen? Ein zentraler Diskussionspunkt am Klimagipfel in Paris. Denn in Zukunft sollen sich alle Länder dazu verpflichten, die weltweiten Emissionen einzudämmen und ihren Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten.

«Die Schweiz müsste pro Jahr eine Milliarde beitragen»

Die entwicklungspolitische Arbeitsgemeinschaft Alliance Sud fordert daher, dass auch die Schweiz den Entwicklungsländern unter die Arme greifen soll. «Viele Länder haben im Vorfeld des Klimagipfels Pläne für Reduktionsmassnahmen festgelegt. Doch diese Pläne können nur umgesetzt werden, wenn genügend Mittel vorhanden sind», sagt Jürg Staudenmann, Verantwortlicher für Klimapolitik bei Alliance Sud. Staudenmann fordert, dass sich die Schweiz mit einer Milliarde Franken an Klimaprojekten in Entwicklungsländern beteiligen soll. Der Betrag ergibt sich aus der Wirtschaftsstärke gemäss den UNO-Beitragszahlungen.

Doch wie soll dieses Geld aufgetrieben werden? Für Staudenmann ist klar, dass die Gelder nach dem Verursacherprinzip mobilisiert werden müssen. Einfach Steuergelder zu brauchen, sieht er nicht als Lösungsansatz. Und in keinem Fall dürften für die Entwicklungshilfe vorgesehene Gelder umverteilt werden. «Dies wäre fatal, weil dann die Armutsbekämpfung vernachlässigt würde», gibt Staudenmann zu bedenken.

Keine pauschalen Beiträge

Von offizieller Seite will man jedoch noch keine finanziellen Versprechungen machen. Die Schweiz werde ihr Engagement in diesem Bereich zwar weiter stärken, doch wie viele Mittel mobilisiert werden, müsse noch geprüft werden, erklärt Franz Perrez. Der Leiter der Schweizer Delegation in Paris steht finanziellen Zuwendungen kritisch gegenüber: «Die Erfahrung hat gezeigt: Je mehr finanzielle Unterstützung in Form von konkreten Zahlen angekündigt wird, desto mehr wachsen auch die Forderungen nach zusätzlicher Unterstützung.»

Vielmehr fordert Perrez, dass in der Weltklimapolitik ein Paradigmenwechsel stattfinden solle. Die Zweiteilung des Systems in Industrie- und Entwicklungsländer entspreche nicht mehr den aktuellen Gegebenheiten. Alle Länder, die dazu in der Lage seien, sollten finanzielle Beiträge leisten: «Die Schweiz ist nicht bereit, ein System weiterzuführen, in welchem Länder, die die Kapazitäten dazu hätten, ihren Beitrag nicht leisten.»

Griechenland zahlt für Klimaprojekte in Saudi-Arabien

In der Tat sieht die aktuelle Klimapolitik so aus, dass beispielsweise Griechenland für Klimaprojekte im wirtschaftlich potenteren Saudi-Arabien aufkommt, weil dieses noch als Entwicklungsland gilt. Auch bezüglich der Transparenz wird mit unterschiedlichen Ellen gemessen. So werden die Emissionen des Industrielandes Liechtenstein kontrolliert als diejenigen Chinas, welches als Entwicklungsland gilt.

Für die Alliance Suisse steht ausser Zweifel, dass dieses System veraltet ist. Dennoch seien viele Länder auf Geld aus den Industrieländern angewiesen. «Wir erwarten von Entwicklungsländern, dass sie einen anderen Pfad einschlagen, als wir es getan haben. Dazu müssen wir aber auch bereit sein, sie zu unterstützen», sagt Staudenmann.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Die Grenzen des Wachstums waren immer die, dass der Grossteil der Menschheit in Armut bleiben muss, damit es den wohlhabenden Erdteilen gut geht. Das ist die wahre Debatte, die aber alle scheuen. Und wenn die Debatte doch einmal angerissen wird, dann nur in Form kollektiver "Moralanfällen", wo alle so tun, als würden sie nur unter grösstem Protest und Seelenqualen erdulden im Wohlstand zu leben, obwohl sie doch so gerne mit den hungernden Menschen tauschen würden. Was natürlich Unsinn ist.
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    1. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      2) Aber irgendwie kriegt man das "im Westen" nicht zusammen, die Schere im Kopf, bestehend aus moralischen Ansprüchen und hochtrabenden Selbstbildern und der tatsächlichen Realität, die natürlich alle mittragen, ob man offen dazu stehen will oder nicht. Man lebt im Wohlstand, der weiterhin wächst, weil der Grossteil der Menschen in Armut lebt. Für alle 7 Milliarden Menschen sind nämlich nicht genug Ressourcen vorhanden, um auch nur annähernd in Wohlstand zu leben.
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    2. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      3) Auch das eine Lebenslüge der Weltpolitik, so zu tun, als müssten "wir" uns nur genug anstrengen, es nur genug wollen und alle Menschen könnten so leben wie ein Durchschnittseuropäer. Statt die Realität zu sehen und pragmatische Schadensbegrenzung zu betreiben heisst es weiter: lieber die Taube auf dem Dach als der Spatz in der Hand.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Ein wesentlicher Faktor des CO2-Ausstosses sind die US/ Nato- Streitkräfte. Obama soll diese "Faktoren" aus dem Klimavertrag herausgelöst haben - welche Farce!
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ m. mitulla: Diese Erkenntnis bringt uns nicht weiter. Auch bei einer Abschaffung der US-Armee verlangsamt sich die Erderwärmung überhaupt nicht.
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Was darf der Kampf gegen die Erderwärmung kosten?........ Gegenfrage...Was darf das Ueber-Leben der Menschheit kosten????
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Franz NANNI: Da schreiben Sie genau die richtige Antwort auf diese Frage. Anders formuliert könnte man auch fragen: Was ist uns unser Überleben wert. Wahrscheinlich mehr als die Kosten für das Abbremsen der Klimaerwärmung.
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