Zum Inhalt springen

Nach der Wahl in den USA Was will Trump mit seiner Personalpolitik?

Das politische Klima für Banken dürfte sich mit den neuen Ministern für Handel und Finanzen in den USA verbessern. Abgesehen davon stünden die beiden aber für unterschiedliche Richtungen, meint Finanzprofessor Alfred Mettler.

  • Sowohl der neue Finanz- wie auch der Wirtschaftsminister, Steven Mnuchin bzw. Wilbur Ross, waren Investmentbanker. Das politische Klima für Banken dürfte sich in Washington erheblich verbessern.
  • Die beiden stehen aber für unterschiedliche Richtungen von Trumps Personalpolitik. Finanzminister wie Mnuchin hätten Tradition, Ross stehe dagegen eher für Trumps radikalere Ansichten, sagt Finanzprofessor Alfred Mettler.

SRF News: Wie beurteilen Sie Mnuchin und Ross?

Alfred Mettler: Der US-Finanzminister war in der Vergangenheit oft ein Ex-Banker oder ein Ex-Chef einer grossen Unternehmung. Von daher fügt sich Steve Mnuchin sehr gut ein. Fraglich ist, was die Ernennung von Wilbur Ross genau bedeutet. Historisch gesehen waren Handelsminister nicht unbedingt Financiers wie er und schon gar nicht solche mit einem doch sehr einseitigen Hintergrund – Ross wurde vor allem mit Investitionen in notleidende Unternehmen bekannt.

Die Finanzbrache dürfte Freude haben an diesen Nominierungen?

Mnuchin spricht vor allem über Wirtschaftswachstum und über Steuererhöhungen. Bezüglich Banken hat er sich vage geäussert. Er sagt einfach, dass das Problem sei, dass Banken heute zu wenig Kredite vergeben und dass man das ändern müsse. Das Problem geht über die heutige Regulierung hinaus. Das hat auch sehr viel mit dem Wirtschaftswachstum zu tun. Klar ist, dass das politische Klima sicher nicht schlechter wird für die Banken.

Das politische Klima wird für die Banken sicher nicht schlechter.
Autor: Alfred Mettler

Die Banken müssen seit der Finanzkrise teils hohe Sicherheitspolster haben. Werden diese Regelungen unter Trump wieder gelockert werden?

Legende: Video Trump-Regierung nimmt Gestalt an abspielen. Laufzeit 01:59 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 30.11.2016.

Das glaube ich nicht. Anforderungen an das Eigenkapital sind internationale Vereinbarungen, welche die USA eigentlich immer mitgetragen haben. Aber nach der Bankenkrise wurde in den USA ein Gesetz eingeführt, der «Dodd-Frank Act», der weit über die Eigenkapitalvorschriften hinausgeht. Bestimmte Teile dieses Gesetzes dürften wahrscheinlich bald eliminiert werden. Ich denke beispielsweise an die Regel, dass Banken mit Kundengeldern keine Handelsgeschäfte mehr durchführen dürfen. Das wird wohl nicht mehr lange Bestand haben.

Zum designierten Handelsminister Wilbur Ross: Wo wird er Akzente setzen – beim Freihandel?

Ross war einer der ersten, die Trumps Ansichten zum Freihandel unterstützt haben. Das ist wohl auch der Grund für seine Nominierung. Ich zweifle jedoch daran, ob grundlegende Änderungen der Handelspolitik wirklich durchsetzbar wären, denn jede Handlung von amerikanischer Seite würde Reaktionen auf der anderen Seite provozieren. Trump wird wohl in der Realität weit vorsichtiger sein als mit seiner Rhetorik während des Wahlkampfs.

Trumps Personenwahl ist nicht eindeutig: Bestimmte Leute verfolgen seine Linie, andere sind moderater.
Autor: Alfred Mettler

Zusammenfassend: Welches Gesicht erhält die amerikanische Regierung mit diesen beiden Nominierungen?

Trumps Personenwahl ist nicht eindeutig. Bestimmte Leute verfolgen klar seine Linie, andere sind moderater. Manche sagen, dass Trump sein Kabinett absichtlich so wählt, dass sich seine Minister konkurrieren, dass sie kämpfen müssen. Aber wir müssen abwarten, bis das ganze Kabinett zusammen ist, bevor wir klare Aussagen machen können.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

Zur Person

Zu sehen ist Finanzprofessor Alfred Mettler.
Legende: Keystone

Alfred Mettler ist Finanzprofessor an der Georgia State University in Atlanta (USA). Er wuchs in der Schweiz auf und war bis zu seinem Umzug in die USA am Swiss Banking Institute der Universität Zürich tätig. Seit 1998 lehrt und forscht er in Atlanta.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Mit diesem Stab werden die USA die massive Erpressung von Partnerländer und anderen Konkurrenten noch verstärken, wo immer das möglich ist. Im Grunde geht es um wirtschaftliche Vorteile gegenüber den Schwachen. Das wird alle Bereiche der Wirtschaft, der Behörden und der Verteidigung betreffen. Wer nicht kuscht, erlebt die skrupellose Gewalt der "Guten". Bankster und Chefs von Konzerne nutzen die Macht der USA hemmungslos. Das geschieht bereits seit JZ'en und mit Trump wird das noch schlimmer.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alfred Schläpfer (191.5yenokavan)
    "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" für die Wirtschaftskriminalität. Unehrlich währt am Längsten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Die USA kann zwar auf Grund ihrer Macht in vielen Dingen souverän handeln, ist jedoch auch keine Insel. Ausserdem hindern die hohen Schulden und die teilweise marode Infrastruktur die USA, sich wie ein Elefant im Porzellanladen zu benehmen. Patriotische und forsches Vorgehen werden zwar Hochkonjunktur haben, doch um Zusammenarbeit wird selbst der Soziopath Trump nicht herumkommen. Sein Stab darf dann unpopuläre Massnahmen seinen Anhänger als Sieg verkaufen. Mediale Psychologie wird zunehmen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen