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Ein unabänderliches Gesetz? Wasser heisst Leben – kein Wasser heisst Krieg

Legende: Audio Wasser als Friedensstifter abspielen. Laufzeit 04:15 Minuten.
04:15 min, aus Echo der Zeit vom 14.09.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • An vielen Orten ist Wasser ein knappes Gut – so knapp, dass es zu Konflikten kommt.
  • In Zukunft wird der Mangel noch grösser: Es gibt immer mehr Menschen und der Klimawandel verschärft die Wasserknappheit in vielen Weltregionen.
  • Nun hat ein internationales Gremium in Genf einen Bericht zum Thema vorgelegt.
  • Der Bericht warnt eindringlich vor den Gefahren der Wasserkrise. Gleichzeitig zeigt er Wege auf, wie aus dem Konfliktgrund Wasser ein Mittel zum Frieden werden könnte.
Unternährtes Kind hält seine Hand an den Mutter der Mutter, Niger 2005.
Legende: Ein fataler Kreislauf: Bleibt der Regen aus, folgen Missernten, Hunger und Vertreibung. Reuters

«Die Zukunftsaussichten sind düster, wenn es ums Wasser geht», sagt Danilo Türk. Der ehemalige Staatspräsident Sloweniens leitet die Globale Kommission für Wasser und Frieden, die den neuen Bericht verfasst hat.

In vielen Ländern sei das Wasser jetzt schon knapp. Im Nahen Osten etwa fliesse in manchen Flüssen 50 bis 90 Prozent weniger Wasser als vor 50 Jahren:

Weil die Weltbevölkerung wächst, wird der Wasserbedarf bis Mitte des Jahrhundert um 50 Prozent steigen.
Autor: Danilo TürkEhemaliger Staatspräsident Sloweniens
Danilo Türk.
Legende: Die Lage ist alarmierend, aber nicht aussichtslos: Danilo Türk will, dass gute Beispiele Schule machen. Reuters/Archiv

Das Wasser wird vor allem für die Landwirtschaft gebraucht, die heute schon das allermeiste Wasser verbraucht, aber auch für die Energie-Erzeugung. Etwa zwei Milliarden Menschen werden in rund dreissig Jahren von akuter Wassernot bedroht sein, prognostiziert Türk.

«Zwar führt Wasserknappheit allein kaum zu Kriegen», sagt er weiter. Aber wiederholt sei sie ein wichtiger Faktor gewesen, zum Beispiel in Syrien. Darum legt der Bericht grosses Gewicht auf jene positiven Beispiele, wo Länder beim Wasser erfolgreich zusammenarbeiten.

Erfolgsgeschichte in Westafrika

Entlang des westafrikanischen Flusses Senegal etwa liegen vier Länder. Sie hätten vor etwa 40 Jahren inmitten einer Dürre ein Abkommen geschlossen, um den Fluss gemeinsam zu nutzen, so Türk. Die Anrainer haben zusammen Dämme gebaut und finanziert. Den Strom, den sie damit produzieren, teilen sie. Kanäle für Landwirtschaft und Schifffahrt werden gemeinsam verwaltet.

Die Weltbank lobt, das Abkommen fördere die weitere Entwicklung der Region. Es gilt darum als Erfolgsgeschichte und die vier Länder als Pioniere, zumal derartige Abkommen die Ausnahme sind, nicht die Regel.

Frau wächst ihre Kleider im Senegal-Fluss, 2012 in Mauretanien
Legende: Am Senegal-Fluss, hier in Mauretanien, haben sich die Anrainer-Staaten auf Kooperation geeinigt. Reuters/Archiv

Gemeinsame Lösungen für gemeinsame Probleme

Pio Wennubst, Vize-Direktor der Deza, der Abteilung für Entwicklungshilfe beim Schweizer Aussenministerium, fasst die Wirkung solcher Wasserabkommen so zusammen: «Wo Länder ein Flussabkommen abgeschlossen haben, gibt es keinen Krieg.» Im Fall des Senegalflusses arbeiteten Senegal und Mauretanien weiter zusammen, obwohl sie sich für einige Jahre um einen Grenzverlauf stritten.

Pio Wennubst beim Besuch einer kuwaitischen Delegation in Bern, zusammen mit Didier Burkhalter (29.8.2016)
Legende: Frieden durch Kooperation: Wennubst (vorne rechts) glaubt, dass gemeinsame Anstrengungen Vertrauen schaffen. Keystone

Herrscht bereits ein Konflikt, kann man die lebensnotwendige Ressource Wasser nutzen, um einen Dialog anzustossen, sagt Wennubst: «Am Tigris hilft die Schweiz der Türkei und dem Iran, eine hydrologische Station zu betreiben.» So würden sie gemeinsam messen, wie viel Wasser der Fluss führt und können sich auf eine Verteilung des Wassers einigen. «Das schafft Vertrauen – auch für andere Bereiche», glaubt der Vize-Direktor des Deza.

Um diese friedensfördernde Wirkung des Wassers breiter bekannt zu machen, hat die Schweiz die Gründung der Globalen Kommission für Wasser und Frieden angestossen. Obwohl sie das «Global» im Namen trägt, wirkt sie ausserhalb des Rahmens der Vereinten Nationen, 15 Einzelstaaten tragen die Kommission. Kein Zufall, sagt Wennubst:

Manche Länder wollen das Thema Wasser und Sicherheitspolitik nicht in der Uno behandeln. Das sei zu sensibel.
Autor: Pio WennubstVize-Direktor der Deza
Chinesischer Bauer schleppt Kübel mit Wasser über ausgedörrte Erde.
Legende: Ein wahrhaft globales Problem: Dieser chinesische Bauer schleppt Kübel mit Wasser über ausgedörrte Erde. Reuters

Doch der neue Bericht soll dies ändern helfen, Wasser müsse global viel mehr zum Thema werden, sagt Kommissionspräsident Danilo Türk: «Die internationale Zusammenarbeit beim Wasser ist zerstückelt, sie muss koordiniert und verbessert werden.»

Als ersten Schritt schlägt die Kommission eine grosse Wasserkonferenz vor. Sie soll eine neue Ära begründen, so wie das 1992 die Konferenz in Rio beim Umweltschutz geschafft hat.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    ... und an der Stelle sei gesagt: auch eine 10-Millionen-Schweiz kommt in den Ballungszentren nur noch mit chloriertem Trinkwasser aus. Dies und andere Zusammenhänge sollten sich die Wachstumsfetischisten und Zuwanderungsbefürworter endlich mal hinter die Ohren schreiben.
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  • Kommentar von Helmut Meier (Helmi)
    Leider muss ich auch diesen Bericht rügen: Wasser kann nicht verbraucht werden! Wir können es trinken, für die Landwirtschaft verwenden und so weiter. Am schlimmsten ist, wir können Wasser verschmutzen, damit kann es für alle bis nach der Reinigung unbrauchbar sein!!! Wenn wir einmal begriffen haben, dass wir mit unserem Tun und "Kirchen Befehl- vermehret euch" an die Grenzen kommen, denke ich hat uns die Gläubigkeit in den Abgrund geführt. Ist Frage der Zeit, bis die Natur uns satt hat.
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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    Das Wichtigste ist eine möglichst grosse Konferenz in einer weltbekannten Grossstadt zu machen (wo es genügend Luxushotels hat). Da können sich UNO- und Regierungsvertreter samt Delegationen von NGOs, allesamt von Staaten hoch bezahlt und vergütet, einhellig möglichst schwarzmalerisch von kommenden "Katastrophen" debattieren und anklagende Resolutionen verfassen, dass diejenigen, die es in dieser Welt zu Wohlstand gebracht haben, an allem "Schuld" seien und deswegen zur "Kasse" kommen müssen.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Und man bedenke, wie viele Brunnen für das Geld, welches die Politiker/Innen bei ihren vielen "Konferenzen" verprassen, gebaut werden könnten. Dieses Geld an die Ärmsten unter den Armen, (sind auf die Gesamtbevölkerung auf 11% angestiegen), verteilt, gäbe es keine Armut mehr.
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