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Spekulationen mit Wasserressourcen in den USA
Aus Echo der Zeit vom 07.09.2021.
abspielen. Laufzeit 05:52 Minuten.
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Wassernot durch Klimawandel Extreme Dürre im Südwesten der USA

Das Wasser muss rationiert werden, Bauern verlieren Erträge und Investoren wetten auf die Dürre. Der Beginn einer Klimakatastrophe.

Der Colorado-Strom versorgt 40 Millionen Menschen mit Wasser, von Denver über Phoenix bis Los Angeles. Doch jetzt wird das Wasser knapp, weil es in den Rocky Mountains wegen der Klimaerwärmung immer weniger schneit – nun schon seit zwanzig Jahren. «Die Lage verschlimmert sich jedes Jahr», sagt Zane Kessler von der Wasserplanungsbehörde Colorado River Water Conservation District gegenüber SRF.

Legende: Der Gunnison-Fluss, der wichtigste Zufluss des Colorado-Stroms. Er führt immer weniger Wasser – wegen der Klimaerwärmung. SRF / Isabelle Jacobi

Wasserverteilung per Notordnung

«Es droht eine existenzielle Wassernot.» Das Blue-Mesa-Reservoir hoch oben in den Rocky Mountains wurde diesen Sommer per Notverordnung aus Washington bis auf ein Drittel geleert, damit die Bevölkerung sowie Utah, Nevada, Arizona und Kalifornien noch genügend Wasser erhalten.

Legende: Ein Hafen liegt auf dem Trockenen – das Blue-Mesa-Reservoir musste notfallmässig geleert werden. SRF / Isabelle Jacobi

Im Elk-Creek-Hafen müssen alle Motorboote an Land gebracht werden, das Wasser ist zu seicht. Hafenbetreiber Eric Loken ist wütend: «Wir wissen, dass das Wasser knapp ist, aber wenn wir unser Wasser in die Wüste schicken müssen, wo es verdampft, dann kommt das hier nicht gut an.» Für ihn ist klar, so kann das nicht weitergehen. Es müsse Wasser gespart werden, aber nicht hier in Colorado, sondern in Arizona.  

Legende: Der Verteilkampf hat begonnen – Hafenbesitzer Eric Loken versteht nicht, warum er auf sein Einkommen verzichten soll. SRF / Isabelle Jacobi

«Das wird ein Theater geben, wenn die Leute in Arizona nicht mehr üppige Rasenflächen bewässern könnten», sagt Eric Loken zynisch. Tatsächlich hat Arizona den Wasserverbrauch für die Bauern erstmals rationiert.

Verteilkampf um die Ressource Wasser beginnt

Wenn sich die Dürre fortsetzt, was die Wissenschaft voraussagt, dann wird sich der Verteilkampf um die knappe Ressource intensivieren. Was der Südwesten der USA erlebe, sei der Anfang einer Klimakatastrophe, sagt der Umweltwissenschafter Jeff Sellen von der Western Colorado University. «Die Reservoire haben wie ein Bankkonto funktioniert, in trockenen Jahren hat man einen Bezug machen können.» Doch nun sei das Konto zusammengeschmolzen.

Legende: Umweltwissenschaftler Jeff Sellen steht auf den Überresten der Dorfes Iola, das in den sechziger Jahren geflutet wurde – nun sind seine Fundamente wegen der Dürre wieder zum Vorschein gekommen. SRF / Isabelle Jacobi

Geht die Dürre weiter, wie die Wissenschaft voraussagt, dann beginnt bald ein Verteilkampf zwischen den US-Staaten, die vom Wasser aus den Bergen Colorados abhängig sind. Bis im Jahr 2026 müssen die sieben betroffenen US-Staaten einen neuen Wasserversorgungs-Vertrag aushandeln. Der alte Colorado River Compact stammt aus dem Jahr 1922. Damals lebten in Phoenix 30'000 Menschen, heute sind es 1.6 Millionen.

Die Angst vor der künftigen Wasserknappheit ist bei den Bäuerinnen und Bauern gross. Die Rinderzüchterin Kathleen Curry aus Gunnison sass 12 Jahre lang im Parlament von Colorado und lobbyiert nun für die Wasserrechte der Bauern von Colorado.

Sie sieht die Zukunft der Landwirtschaft in akuter Gefahr. «Landwirtschaftliche Wasserverbraucher werden sich gegen die städtischen, bevölkerungsreichen Regionen kaum wehren können», sagt Kathleen Curry.

Legende: Sie nimmt die Klimakrise ernst – Kathleen Curry lobbyiert für die Wasser-Interessen der Bäuerinnen und Bauern in Colorado. SRF / Isabelle Jacobi

Zwar besässen die Bauern die ältesten Wasserrechte am Colorado-Fluss, aber die Landregionen hätten nicht das nötige politische Gewicht, um diese Rechte in Zukunft zu retten.

Spekulative Landkäufe um Wasserrechte

Die einen fürchten sich vor der Wassernot, die andern sehen sie als Chance. Der Wall-Street-Investment-Fund «Water Asset Management» (WAM) beispielsweise kauft im grossen Stil Land mit alten Wasserrechten auf.

Legende: Im Grand Valley, Colorado, kauft der Investmentfonds Water Asset Management in Grenznähe zu Utah Land mit wertvollen Wasserrechten auf. SRF / Isabelle Jacobi

Dagegen regt sich im Parlament von Colorado Widerstand. Eine offizielle Arbeitsgruppe hat festgestellt, dass die Landkäufe spekulativ sein könnten. Spekulation mit Wasser ist im Bundesstaat Colorado verboten.

«Es gibt Investoren, die Land und Wasserrechte kaufen, mit der Hoffnung, finanzielle Gewinne zu machen, wenn dieses knapp wird», sagt Peter Fleming, Rechtsberater des River Water Conservation Districts und Mitglied der Arbeitsgruppe gegen Spekulation, gegenüber SRF am Rande eines Wasser-Kongresses in Steamboat, Colorado.

Anwalt James Eklund vertritt die Interessen des Investment-Fonds WAM. Er spricht von einer Verteufelung seiner Klienten.

Legende: Bis vor Kurzem war James Eklund ein wichtiger Wasser-Funktionär in Colorado, nun arbeitet er für seine Wall-Street-Klienten. SRF / Isabelle Jacobi

Es gehe vielmehr darum, die Wasserknappheit mit allen Kräften zu bekämpfen. Dazu brauche es privates Kapital. «Die Krise ist real. Noch nie hat man die Wasserreservoire dermassen leeren müssen wie in diesem Sommer.» Eklund verneint, dass es WAM bei den Landkäufen bloss um die Wasserrechte gehe. «Es geht meinen Klienten darum, gutes landwirtschaftliches Land zu kaufen mit guten Wasserrechten, wie man sie im trockenen Westen eben benötigt.»

Legende: Eine Wasserpumpe im Grand Valley: Mit einem komplexen Kanalsystem wird das Wasser an die Landbesitzenden verteilt – die Wasserrechte sind an das Land gebunden. SRF / Isabelle Jacobi

Das Ziel sei es, die Profitabilität des Landes zu erhöhen. «Meine Klienten investieren langfristig in Colorados Landwirtschaft», sagt Eklund.

Landkäufe stossen auf Widerstand

Das sieht der Wasser-Politiker Steve Acquafresca, Vorstandsmitglied der Wasserplanungsbehörde Colorado River Water Conservation District, anders. Er lebt in Grand Junction, wo zahlreiche WAM-Landkäufe Aufmerksamkeit erregten.

 «Die Investoren wetten darauf, dass das Wasser im Westen der USA dermassen knapp wird, dass man die Gesetze abändert und private Wasserverkäufe an bevölkerungsreiche Regionen wie Kalifornien erlauben wird», so Acquafresca. Dann winke den Investoren ein Riesenprofit.

Legende: Der ehemalige Pfirsichbauer und Wasserpolitiker Steve Acquafresca wehrt sich gegen einen freien Wassermarkt. Auf seinem Gut in Grand Junction wachsen Melonen – dank dem Colorado River. SRF / Isabelle Jacobi

Dass WAM im Grand Valley an der Grenze zu Utah Land kaufe, sei strategisch. «Die Grenzbezirke verfügen über alte und umfangreiche Wasserrechte, und das Wasser fliesst direkt in die grossen Reservoire». Er glaubt, dass strikte Gesetze die Wasser-Spekulation verbieten sollten. Denn Wasser sei wie Sauerstoff, es gehöre allen.

Selbst er als Besitzer von Wasserrechten dürfe das Wasser lediglich nutzen, während es vorbeifliesse. «Und das muss so bleiben, gerade weil das Wasser knapp wird», sagt Steve Acquafresca.

Echo der Zeit, 07.09.2021, 18:00 Uhr

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Megadürre und Hitzerekorde. Der Westen der USA trocknet aus. Waldbrände, Wasserknappheit. Der Beginn einer Klimakatastrophe ist im vollen Gange und das seit Jahren. Wenn Investoren, die Land und Wasserrechte kaufen, mit der Hoffnung, finanzielle Gewinne zu machen, wenn dieses knapp wird ist menschenvrrachtend und ohne Moral. Die Regierung muss strikte Gesetze erlassen die Wasser-Spekulationen verbieten. Wasser ist wie Sauerstoff, es gehöre allen.
  • Kommentar von Peter Meier  (pmeier)
    Liebe Leute, sollten wir nicht, irgendwann bald, aufhören Erdöl zu verbrennen?
  • Kommentar von Gnat Zsorg  (Gnat)
    Wer in der Hitze der Wüste einen grünen Rasen haben möchte, unbedingt dort Golf spielen muss, in Las Vegas sich mit einem Gondoliere durch künstliche Kanäle schippert oder Wassermelonen anbaut und an 200 Tage im Jahr die Klimaanlage an hat, hat den Bezug zur Realität schon lange verloren.