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Vermehrt Hunger und Mangelernährung in Afrika
Aus Echo der Zeit vom 15.07.2019.
abspielen. Laufzeit 09:09 Minuten.
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Welthunger wächst wieder Die Welt im Rückwärtsgang

Die Statistiken stimmten optimistisch: Die Zahl der Hungernden nahm kontinuierlich ab. Der jüngste UNO-Bericht lässt jetzt aber aufhorchen. Es leiden wieder mehr Menschen Hunger auf der Welt.

Zur Jahrtausendwende nahm sich die UNO Grosses vor: Die sogenannten UNO-Millenniumsziele sollten nichts weniger als die Lebensverhältnisse weltweit revolutionieren. Das wichtigste Ziel: Armut und Hunger weltweit halbieren. Und, für manche überraschend: Dieses Ziel wurde bis 2015 erreicht.

Natürlich nicht nur dank der ehrgeizigen UNO-Agenda, sondern auch weil in vielen asiatischen Ländern, nicht zuletzt in China, dank des Wirtschaftsbooms zig Millionen von Menschen aus Armut, Elend und Hunger herausfanden.

Beflügelt vom Erfolg, oder zumindest Teilerfolg, nahm sich die Völkergemeinschaft noch mehr, noch ambitioniertere Ziele vor: die UNO-Nachhaltigkeitsziele. Sie sollen bis 2030 erreicht werden. Bis dahin soll weltweit niemand mehr Hunger leiden. Doch zurzeit sieht es dafür schlecht aus.

Welthunger wächst wieder

Nachdem es nämlich bei der Hungerbekämpfung zuvor gut ein Jahrzehnt lang erhebliche Fortschritte gab, sind auf einmal wieder Rückschritte zu verzeichnen. Besonders ausgeprägt ist die Rückkehr des Hungers in praktisch allen Regionen Afrikas. Teilweise aber auch in Westasien oder in der Karibik. Weltweit gibt es wieder mehr hungernde Menschen, nämlich mehr als 820 Millionen. Das sind elf Prozent der Weltbevölkerung.

Für fast zwei Milliarden Menschen ist die Nahrungsversorgung zumindest partiell bedroht, das heisst, sie können sich nicht ausreichend und – noch öfter – nicht gesund ernähren. Konsequenzen: Untergewichtige Säuglinge, Missbildungen und, gerade auch in reichen Ländern, immer mehr übergewichtige, weil fehlernährte Menschen.

Es fehlt das Patentrezept

Es gibt nicht einen einzigen Grund, der die irritierende Entwicklung erklärt. Es sind mehrere. Etwa die Weltfinanzkrise von 2008, die zwar in wohlhabenden Ländern einigermassen verdaut ist, in Drittweltländern jedoch immer noch stark nachhallt.

Dazu verursachen Kriege und Konflikte Hunger und Not: In Syrien, im Jemen, im Südsudan, in der Ukraine, in Burma, in der Sahelzone. Immer spürbarer werden zudem die Folgen des Klimawandels. Und schliesslich ist da das vielerorts weiterhin starke Bevölkerungswachstum.

Manche Länder wachsen zwar wirtschaftlich. Doch davon profitieren die Reichen, während die Armen ärmer werden. Solche wachsenden Einkommensunterschiede deuten auf Politikversagen und Korruption.

Aufgrund der vielfachen Ursachen fehlt auch den UNO-Spezialisten ein Patentrezept, um das Null-Hunger-Ziel bis 2030 doch noch zu erreichen. Einig sind sie sich nur darin: Man muss an vielen Orten ansetzen und enger kooperieren. Bloss: Wo genau? Und wer? Und wie?

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Josephk Ernstk  (Joseph ernst)
    Der Ansatz ist absolut richtig. Nur die Kolonialzeit hat Afrika nicht nur Rückstand gebracht. Vielfach sind die damalig vorhandenen Machtstrukturen bewusst von den heutigen Machthabern genutzt worden und werden weiterhin betrieben !
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  • Kommentar von Joel Benz  (J.Benz)
    Mein Ansatz: Die Entwicklungshilfe vollkommen neu aufgleisen. Das Geld direkt vor Ort in Infrastruktur, Schulen etc. investieren. Je schneller die unteren Bevölkerungsschichten profitieren, desto eher wird sich auch das Bevölkerungswachstum eindämmen, wie es in Europa auch der Fall war. Es wird zwar eine Weile dauern, aber 200 Jahre durch Kolonialismus herbeigeführter Rückstand kompensiert man nicht von heute auf morgen.
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  • Kommentar von Josephk Ernstk  (Joseph ernst)
    Als Hauptursache werden Kriege, Konflikte und die Klimaerwärmung genannt. Ein zusätzlich gravierendes Problem hat aber vorallem Afrika. Die westlichen Unterstützungsgelder dienen lediglich der Bereichrrung der Erliten. Das Volk leidet weiter. Sudan ist jüngste Beispiel !
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    1. Antwort von Norbert Zehner  (ZeN)
      Und wieso wird nirgends erwähnt, dass seit 1980 die grün bewachsenen Landflächen der Welt sich um Fläche mehr wie USA vergrössert haben, ursächlich verbunden höherem, für Pflanzenwachstum entscheidenden CO2 Gehalt der Atmosphäre (Xiao-Peng Song et al, Nature 560, 639–643 (2018)). Wissenschaftlich erwiesen steigt CO2 Konzentration als Folge der Klimaerwärmung. Wie soll Klimaerwärmung dann "Schuld" sein an Hunger, wenn gleichzeitig Pflanzen besser wachsen. Weil's grad so zum Narrativ passt?
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