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International «Wenn Südzypern niest, bekommt der Norden den Schnupfen»

Zypern steckt in der Sackgasse. Genauer gesagt: der griechische Teil der Mittelmeerinsel. Vom türkischen Teil im Norden hörte man bisher nur wenig. Dort wächst mittlerweile die Angst, in den Sog der Krise im Süden zu geraten.

Bemalte Grenzmauer, im Hintergrund Häuser
Legende: Geteilte Insel: Der EU-Teil Zyperns galt jahrelang als Steuerparadies für reiche Russen. Der Norden ging leer aus. Keystone

«Die Pläne der Griechisch-Zyprer, die Gasvorkommen vor der Küste zu verpfänden bereitet den Türkisch-Zyprern Sorge» sagt Christiane Sternberg. Sie ist freie Journalistin und lebt auf Zypern. Die Angst ist nicht ganz unbegründet. Zur Rettung der Finanzkrise im Süden der geteilten Insel existieren konkrete Pläne. Demnach will der griechische Teil der Insel mit der Vergabe von Lizenzrechten zur Ausbeutung der Gasfelder Kapital schlagen. Ein entsprechendes Gesetz sei am Wochenende vom griechisch-zyprischen Parlament verabschiedet worden.

Warnung aus der Türkei

«Die türkischen Zyprer warnen: Die Bodenschätze gehören auch uns», sagt Sternberg. Für die Journalistin ist diese Aussage korrekt: Denn die Türkisch-Zyprer seien laut Verfassung immer noch Bürger der ungeteilten Republik Zypern.

Auch die türkische Regierung hat in scharfer Form davor gewarnt, die Finanzkrise mit dem Verkauf der Gasvorkommen zu bewältigen. Die Türkei sei entschlossen, die eigenen Rechte und Interessen der türkischen Zyprer auf der geteilten Insel zu schützen. Dies teilte das türkische Aussenministerium am Samstag in der Hauptstadt Ankara mit.

Warten auf das Geld aus dem Süden

Der nord-zyprische Finanzminister hat kürzlich Sparer im Süden aufgefordert, ihr Geld auf Banken im Norden zu transferieren. «Diese Aufforderung ist ernstzunehmen. Nordzypern stellt sich auf einen Geldfluss aus dem Süden ein», sagt Sternberg.

Die Banken im Norden würden ihre Geldinstitute als sicheren Hafen bezeichnen. Betont werde zudem: Die Banken im Norden hätten keine direkte Verbindungen zu jenen im Süden. Somit seien die türkisch-zyprischen Banken von der Finanzkrise nicht betroffen, erklärt Sternberg.

«Allerdings warnen die Finanzexperten im Nordteil der Insel, dass dadurch Schwarzgeld ins Land kommen könnte.» Die türkisch-zyprische Bankverbindung habe deshalb angekündigt, hohe Geldbeträge gar nicht erst zu akzeptieren. Insbesondere werde sie alle Geldüberweisungen aus dem Süden überprüfen. Allerdings meint die Journalistin: «Schwarzgeld sucht sich immer seinen Weg.»

Selbstbewusstsein angekratzt

Der EU-Teil von Zypern hat den Euro. Er hat jahrelang gut gelebt als Steuerparadies mit sehr lockeren Gesetzen. «Dies hat sehr stark am Selbstbewusstsein der Türkisch-Zyprern gekratzt hat», erklärt Sternberg.

Wenn man vom Süden her in den ärmeren Nordteil der Insel komme, heisse es: «Nun seht ihr einmal wie es ist, kein Geld zu haben.» Viele Menschen hielten die Krise für eine Folge der griechisch-zyprischen Mentalität. Hinzu kommt: «Im Norden geht die Angst um, die Krise könnte auf den Nordteil übergreifen. Bei ihnen heisst es immer: Wenn der Süden niest, bekommt der Norden den Schnupfen», erklärt Sternberg.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Frau Sternberg macht einen Ueberlegungsfehler: Nordzypern ist als Staat international nicht anerkannt, lediglich durch die Türkei. Bei der Republik im Süden der Insel ist das anders. Von welcher Verfassung spricht die Türkei. Von der zypriotischen im Süden? Das ist lachhaft, da die Türkei die Republik Zypern als unabhängigen Staat im Ramen der EU nie als solchen de-jure anerkannte. Wenn nun die Gasvorkommen im Süden der Insel ausgebeutet werden kann die TK praktisch nichts dagegen unterne...
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    1. Antwort von Tarkan Ülkücü, Zürich
      @Girschweiler: Sie argumentieren juristisch, doch es geht hier nur um Macht- und Realpolitik. Wenn die Türkei und ihre Interessen nicht anteilig berücksichtigt werden, dann gibt es andere Mittel und Wege. Die USA haben sich das Öl im Irak mit einer Lüge als Vorwand geholt, da wird sich die Türkei bestimmt etwas besseres einfallen lassen.
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Tarkan Uelkücü: Das ist alles spiegelfechterei. TK würde sich ins Unrecht setzen u. somit jeglichen Goodwil bei EU und arabischen Staaten verscherzen. Ausserdem was macht die TK wenn Gazprom dann doch die beste Offerte auf den Tisch legt und die Russen Limassol als Flottenbasis angeboten bekommen? Das sind lediglich "Spielchen" und weder von mir noch von Ihnen zu beinflussen
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  • Kommentar von Tarkan Ülkücü, Zürich
    Die Südzyprioten sollten nicht nur ihre Bodenschätze verpfänden, sondern auch die im staatlichen Besitz befindlichen Ländereien. Die Türkei und die Türkische Republik Nordzypern haben sicher Interesse und auch die finanzielle Kaufkraft dazu, zumal die Bodenpreise im Süden wegen der Krise stark gefallen sind.
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