Zum Inhalt springen

International «Wer sich nicht an die Regeln hält, bleibt draussen»

Wer – wie Italien – in Europa offene Grenzen wolle, solle sich gegen die Staaten zusammenschliessen, die ihre Grenzen schliessen. Das fordert der Leiter der italienischen Migrationsbehörde. Er setzt dabei auch auf die Zusammenarbeit mit der Schweiz.

Legende: Video Italien fordert klare Fronten abspielen. Laufzeit 1:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.09.2016.

Derzeit arbeiten die europäischen Regierungskanzleien fieberhaft auf den am Freitag beginnenden EU-Sondergipfel in Bratislava hin: Die Kluft zwischen Befürwortern und Gegnern der europäischen Migrationspolitik soll auf keinen Fall weiter aufreissen.

Anders sieht man die Situation in Italien. In einem Interview mit der «Tagesschau» spricht sich Mario Morcone, der Chef der italienischen Migrationsbehörde, für klare Fronten aus: Wer weiter offene Grenzen wolle, solle sich zusammenschliessen. Gerade gegen jene Staaten, die Migranten abschieben und Grenzen schliessen wollen – auch auf Kosten der europäischen Einheitsidee. Beim Thema Migration und Grenzsicherung schliesst er deshalb weitere Verhandlungen mit Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn aus.

Offene Grenzen als Ziel

Morcone spricht Klartext: «Wer sich nicht an die Regeln hält, bleibt draussen. Italien, Deutschland, Schweiz, Frankreich und Holland müssen jetzt noch enger zusammenarbeiten – auch mit dem Risiko, dass andere Länder sich abwenden. Das sorgt mich nicht.»

Hingegen macht Morcone zu schaffen, dass immer mehr Länder Europas geschlossene Grenzen fordern. Das soll verhindert werden – auch mit Hilfe der Schweiz. Denn für den Migrationspolitiker ist klar: «Wer der Migration wegen die Personenfreizügigkeit aufheben will, spielt mit dem Feuer. Das ist gefährlich für die Wirtschaft, aber auch für unsere gemeinsamen Werte.»

Schweiz soll Flüchtlinge übernehmen

Die gutnachbarliche Beziehungen wurden diesen Sommer auch in Como auf die Probe gestellt, als Tausende von Migranten über die Schweiz nach Nordeuropa wollten. Die konsequente Rückweisung durch das Grenzwachkorps hat die Italiener vor einige Probleme gestellt, vor allem, weil noch immer Unterbringungsplätze für Migranten fehlen: «Wir sind am Limit. Schon jetzt müssen wir 155'000 Menschen versorgen (in ganz Italien, Anm. d. Redaktion), dazu viele Minderjährige. Unser Ziel sind 200'000 Unterbringungsplätze. Das zu erreichen, wird schwer.»

Italien hofft deshalb, dass auch die Schweiz zusätzliche Migranten aufnimmt. Einen ersten Schritt hat Deutschland bereits getan: Es will jetzt monatlich 500 Asylbewerber aus Italien übernehmen. Denn weiterhin kommen über das Mittelmeer Flüchtlinge in das Land. Allein in diesem Jahr sind fast 130'000 Menschen an den Küsten Italiens gelandet – Tendenz steigend gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

35 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    Italien ist sieben Mal grösser als die Schweiz und wir haben zusätzlich zu einem Ausländeranteil von 25 Prozent mehr als 100000 Migranten/Flüchtlingen. So hat Italien mindestens 700000 aufzunehmen. Leider wurde unterlassen mit Schiffen zu blockieren. Die Schlepper lachen sich ins Fäustchen und machen ihre Geschäfte.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von lorenz Bertsche (lorenz.bertsche)
    Wer spielt hier eigentlich mit dem Feuer?? Mit offenen Grenzen spielt man genauso mit dem Feuer. Es ist nur eine Zeitfrage wann dann das Feuer losbricht. "Es Zündhölzi cha scho lange"....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Mario Morcone würde am liebsten soviele Flüchtlinge wie nur möglich gerne in die Schweiz weiterleiten. Italien braucht Unterstützung der EU um das Problem besser zu bewältigen. Ausserden müssen sie Wirtschaftsflüchtling in ihr Heimatland überweisen, dann sind es einige Tausende weniger. Das hat auch Signal. Nicht nur jammern, sondern handeln.Leider werden noch X-Tausende nach Italien kommen - so kann es nicht weitergehen. Europa ist kein Auffangbecken für alle.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Wie gesagt, Italien soll endlich mal seine Grenzen sichern, das müsste Italien auch ohne EU und deren für sie reichlich sprudelnden finanziellen Hilfen tun. Italien könnte Nachhilfeunterricht bei den Spaniern nehmen. Geht doch dort wie bei den Balkanländern, die viel ärmer sind als I, das sich rühmt, eines der reichsten Länder der Welt zu sein. Unfug so wie bei Merkel, die Flüchtlinge auf ganz Europa verteilen zu wollen, weil man eigene Grenzen nicht entsprechend Gesetz und Recht sichern will.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen