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Kampf gegen Dschihadisten Wie die IS-Miliz zu ihren Waffen kommt

Eine Gruppe von Forschern analysiert, woher die IS-Terrormiliz ihre Waffen hat. Ihre Erkenntnisse sind bedrückend.

Legende: Audio «Waffen landen sehr oft anderswo als geplant» abspielen.
11 min, aus SRF 4 News aktuell vom 02.12.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit sieben Wochen läuft die Offensive der Regierungstruppen und ihrer Verbündeten gegen die IS-Milliz in Mossul.
  • Im Norden des Iraks wird heftig gekämpft. Mehr als 900 Zivilisten wurden dabei laut neusten UNO-Angaben getötet.
  • Die Nicht-Regierungsorgansiation Conflict Armament Research untersucht, woher die Dschihadisten ihre Waffen haben.
  • Seit zweieinhalb Jahren dokumentiert sie Kampfschauplätze, Patronenhülsen und Waffenfunde.

Jede Waffe hat eine Geschichte. Die Geschichten, die David und sein Team beschäftigen, haben alle eines gemeinsam: Sie enden irgendwo in den umkämpften Gebieten des Iraks, in staubigen Strassen, in verlassenen Häusern, in Kirchen, die als Waffenlager missbraucht werden.

Doch wo diese Geschichten beginnen, wo diese Waffen produziert wurden und wie sie an diese Orte gelangt sind – das ist, was David herausfinden will. David heisst nicht wirklich David. Seinen richtigen Namen will er nicht nennen. Zu vielen zwieliechtigen Gestalten sei er in den letzten Monaten begegnet, sagt er.

Zehntausende Waffen dokumentiert

Sobald ein Gebiet vom sogenannten Islamischen Staat (IS) befreit ist, machen er und seine Kollegen sich an die Arbeit: Sie machen Fotos von Waffen, die zurückgelassen wurden, von jedem Einzelteil, jeder Markierung, jeder eingravierten Nummer. 30'000 Waffen haben sie allein im Irak dokumentiert – beauftragt und finanziert von der Europäischen Union.

Ihre Resultate seien ein Abbild des Stellvertreterkriegs im Irak und in Syrien, sagt David. Es seien Waffen aus Beständen der irakischen und der syrischen Armee. Daneben auch chinesische, russische, iranische Rüstungsgüter, Waffen aus den USA und Saudi-Arabien – sämtliche Kriegsparteien tauchen in seiner Datenbank auf.

Rasche Weitergabe

Was David aber wirklich beunruhigt, ist nicht die Herkunft, sondern wie rasch die Waffen in die falschen Hände geraten: In vielen Fällen dauere es weniger als zwei Monate zwischen dem Export aus dem Herstellerland und bis David und sein Team die Waffen in ihren Händen hielten.

Dass dieser Prozess so schnell vor sich geht, ist eine neue Erkenntnis. Aber wirklich überrascht klingt David nicht. Wer Waffen in ein Konfliktgebiet liefere, der müsse damit rechnen, dass er – früher oder später – mit den eigenen Waffen bekämpft werde.

Die Rüstungsforscher

Auf ihrer Internet-Seite dokumentieren die Waffen-Dokumentalisten von Conflict Armament Research unter anderem die Ergebnisse ihrer Spurensuchen.

46 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    In Europa hat man noch nicht begriffen, dass der Nahe- und Mittlere Osten und Nordafrika für die USA kein Problem darstellen. Flüchtlingsboote stranden nicht an der US-Küste und Gas/Öl fördert man selbst genug. Europa ist im Nahen- und Mittleren Osten und Nordafrika nun allein zu Hause. Und die Problemzonen reichen bereits von Weissrussland bis nach Tunesien und in den Irak. Schon H. Clinton brachte die neue US-Strategie in einem Interview auf den Punkt: "Zuerst ist jetzt Europa dran!"
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Im Mai 2015 filmte ein Türkisches Journalisten-Team per Zufall, wie türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien zwei Laster voller Waffen und Munition (deklariert als Hilfsgüter für die Flüchtlingscamps) für den IS stoppten. Das fatale daran: die festgenommenen Fahrer waren allesamt türkische Geheimdienstleute. Zudem: Als der IS mit 800 Leuten Mossul einnahm, übernahm er auch gleich die gesamte US-Ausrüstung der dortigen Truppen der Irakischen Armee. Von der Pistolenkugel bis zum Panzer.
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      ...und weiter: Den 2 Journalisten, die diesen Waffentransport öffentlich gemacht hatten, mussten ins Gefängnis. Zitat "spiegel online vom 27.11.15: "Dem Chefredakteur der oppositionellen Zeitung "Cumhuriyet", Can Dündar, und seinem Büroleiter in Ankara, Erdem Gül, werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Spionage vorgeworfen. Hintergrund ist ein von Dündar und Gül verfasster Bericht über angebliche Waffenlieferungen von der Türkei an Extremisten in Syrien."
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Jetzt kommen auch bei Europas Anti-Assad Medien erhebliche Selbstzweifel über die journalistische Qualität ihrer Berichterstattung aus Irak und Syrien auf; ihre Informationen stammen immer aus zweiter Hand und von Al-Qaida kontrollierten Medien. Independent am 02.12.2016: This is why everything you’ve read about the wars in Syria and Iraq could be wrong....the temptation is for the media give credence to information they get second hand. Interessant der Vergleich zwischen Mosul und Aleppo.
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