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International Wohin die griechischen Hilfsgelder flossen

216 Milliarden Euro haben internationale Geldgeber bisher an Griechenland ausbezahlt. Gestern fasste das Parlament in Athen neue Sparbeschlüsse, weitere Kredite werden wohl folgen. Eine Studie zeigt: Das Geld diente vorwiegend dazu, Schulden und Zinsen vor allem ausländischer Banken zu begleichen.

Die Euro-Finanzminister wollen den Reformstreit mit der griechischen Regierung noch in diesem Monat beilegen und den Weg für die Auszahlung weiterer
Milliardenhilfen freimachen. Doch wohin genau fliessen eigentlich diese Milliarden? Lediglich 10 der insgesamt 216 Milliarden Euro an Krediten sind in den griechischen Staatshaushalt geflossen. Das heisst: Nicht einmal 5 Prozent der Gelder wurden ins griechische Sozialwesen oder in die Bildung investiert, um die Folgen der schweren Krise abzufedern. Dies zeigt eine Studie der European School of Management and Technology.

Der grosse Rest dieses Geldes war nur ganz kurz in Athen und wurde sofort wieder ins Ausland zurückbezahlt. Den Löwenanteil verwendete der griechische Finanzminister dafür, fällige Schulden und Zinsen zu begleichen. An Gläubiger wie die Europäische Zentralbank EZB, den internationalen Währungsfonds IWF, europäische Staaten aber auch ausländische Privatbanken, unter ihnen besonders viele deutsche.

Ein weiterer, erheblicher Teil der ausbezahlten Kredite floss in die griechischen Banken, die kurz vor dem Bankrott standen und nur mit diesen Finanzspritzen über Wasser gehalten werden konnten.

Der richtige Ansatz?

Die milliardenschweren Kredite halfen also vor allem dazu, Gläubiger und Banken zu retten, dies das Fazit der Studie, die die in Berlin ansässige European School of Management and Technology verfasste. Diese Kernaussage ist nicht neu, doch noch nie wurde sie so detailliert belegt.

Als Folge streiten sich Ökonomen nun wieder einmal darüber, ob der bisherige Ansatz der Griechenlandhilfe richtig war. Prominentester Kritiker ist der internationale Währungsfonds, selber einer der grossen Gläubiger, der darauf drängt, anstatt weiterer Kredite zu sprechen, die griechischen Schulden nachhaltig zu reduzieren.

Ein solcher Schuldenschnitt würde den Gläubigern zwar milliardenschwere Abschreibungen bringen. Doch das wäre unter dem Strich wahrscheinlich billiger, als fortwährend neue Hilfskredite nach Athen überweisen zu müssen.

Fristen strecken

Griechenland einen Teil der Schulden zu erlassen, ist vor allem für Deutschlands Regierung aus innenpolitischen Gründen derzeit nur schwer möglich. Ein Kompromiss könnte die massive Streckung der Rückzahlungsfristen sein.

Das würde den Druck auf die griechischen Finanzen und die ganze Wirtschaft erheblich vermindern und das Wachstum ankurbeln. Dafür nur ein Beispiel: Zwar erhielten die griechischen Banken diverse Finanzspritzen, trotzdem leihen sie nach wie vor kaum Geld aus, was die griechische Wirtschaft nachhaltig lähmt.

Die ESMT-Studie

Hier finden Sie die Studie der European School of Management and Technology zum Gebrauch der internationalen Hilfsgelder.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Womit also bewiesen wäre dass wie oft schon moniert wurde der einfache Mann der Strasse in GR die Zeche bezahlt für die Fehler der Politiker. Allerdings haben sie ja diese Politiker gewählt. Jedenfalls lasse ich nicht gelten dass die Steuerzahler der andern €U Länder gross hätten einspringen müssen. Jedenfalls nicht bis jetzt. Schliesslich handelt es sich ja um Kredite, d.h. die Geberländer haben diese Summen immer noch "zugut", obwohl das Geld faktisch bereits wieder zurückgeflossen ist.
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  • Kommentar von Sebastian Demlgruber (SeDem)
    Selbstverständlich wurde das Geld an Banken ausbezahlt - schließlich hat GR ja bei Banken seine Schulden gemacht. Schulden, die es dann selber nicht zurückzahlen konnte (oder wollte?) und dafür die Steuerzahler anderer Staaten einspringen liess. Klar, dass die anderen Länder nur beim Schuldendienst helfen, damit GR nicht sofort den Bankrott erklären muss und das europäische Finanzsystem wankt. Aber natürlich pumpen sie keine Milliarden ins marode GR-Sozialsystem, wäre ja noch schöner.
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  • Kommentar von Claude Nobs (bernstein)
    Tsipras versäumte es, als neu gewählter Präsident, einen Euro-Austritt, kombiniert mit kontrollierter Bindung der neuen Drachme an den Euro (à la Yen) sowie Aussetzung von Schuldenzahlungen an ausländische Gläubiger zu verkünden. Das hätte grosse Konsequenzen gehabt, aber mit >150% BIP Verschuldung kriegt man eh keine zusätzlichen Kredite mehr, da gehts nur noch darum die Schulden zu "erneuern". Die Wirtschaft wäre kaum um 25% - 50% geschrumpft und es gäbe massiv weniger Arbeitslose.
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