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International Zieht Syrien den Irak mit in den Abgrund?

Fast täglich Attentate und hunderte Tote allein in diesem Monat. Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak droht zu eskalieren. Ein Grund für die neue Welle der Gewalt: Der Krieg in Syrien.

Brennenden Autos nach einem Bombenanschlag in Bagdad.
Legende: Erst am Montag wurden bei Anschlägen in Bagdad 75 Menschen getötet. Keystone

Es ist ein trauriger Rekord. Der Mai war im Irak der blutigste Monat seit mindestens einem Jahr. Bereits sind über 500 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Anschläge im Irak hat seit Jahresbeginn wieder deutlich zugenommen. Nun herrscht Furcht vor einem neuen Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten wie in den Jahren 2005-2007. Damals wurden Zehntausende bei Attentaten getötet. 

Guido Steinberg ist Irak-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Er sieht drei Gründe für die zunehmende Gewalt:

Abzug der US-Truppen

Ende 2011 sind die letzten US-Truppen abgezogen. Diese hatten den irakischen Sicherheitskräften bei der Terrorismusbekämpfung geholfen. Nun sind die militanten Gruppen stärker geworden. Die irakische Polizei könne die Sicherheit alleine nicht garantieren, weil sie «nicht so professionell» wie die Amerikaner seien, sagt Steinberg. Im Gegensatz zu den Amerikanern habe die schiitische Regierung nicht genügend Geheimdienstinformationen über die Sunniten.

Diskriminierung der Sunniten

Die von Schiiten dominierte Regierung benachteiligt Anhänger der sunnitischen Minderheit. Ministerpräsident Nuri al-Maliki versuche seine Machtposition auszubauen und entlässt Angehörige der Sunniten aus wichtigen Positionen. In den letzten Jahren habe sich gezeigt, dass al-Maliki vor allem ein Vertreter der schiitischen Bevölkerungsmehrheit sei. «Er möchte die Macht nicht teilen.» Laut Experte Steinberg geht es dabei nicht nur um Religion. «Al-Maliki ist ein knallharter Machtpolitiker. Er versucht, ein eigenes autoritäres Regime zu errichten.»

Der Bürgerkrieg in Syrien

In Syrien kämpfen vor allem sunnitische Rebellen. Viele Sunniten im Irak sind überzeugt, dass ihre Position dadurch gestärkt wird. In weiten Teilen des Iraks und Syriens sei die Bevölkerung seit Jahrhunderten sehr eng miteinander verbunden, so Steinberg. Das gilt vor allem für die Sunniten. Im Irakkrieg 2003 kämpften sunnitische Syrer im Irak  und nun unterstützen irakische Gruppen ihre syrischen Verbündeten. Die Erfolge der Aufständischen in Syrien führten, laut Steinberg, deshalb dazu, dass auch die Sunniten im Irak stärker werden.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Teil 3: Die von den Kolonialmächten gezogenen Grenzen in der Levante u. Irak v. 1916 werden je länger je obsoleter. Die im soz. Panarabismus wichtigen Staaten wie Aegypten, Syrien u. Irak sind mit sich selbst beschäftigt, resp. die periphären Kräfte wie Islamisten, Kurden, Alewiten u. Schiiten stellen die zentral. geführten Staaten in Frage. Syrien u. Irak werden mögl. zerfallen u. neue Strukturen entstehen; vielleicht in kleinere, ethnisch klarer definierte Staaten als wir Sie heute kennen.
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Teil 2: Die Einschätzung der Lage durch BND u. US-Admin. ist nicht mehr eindeutig auf einen Sieg der Rebellen in Syrien ausgerichtet wie noch v. ein paar Wochen. Die Rebellen mussten herbe Rückschläge einstecken u. wenn nun im Osten von Syrien den Kurden freie Hand gelassen wird, ist die Frage erlaubt wie sich die Zentalreg. in Bagdad im Hinblick auf die eigenen Autonomiegebiete darauf einstellen wird. Die weitere Entw. wird interessant wie auch das Verhältnis zwischen Teheran u. Bagdad
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    @SRF/Steinberg: Erklären Sie mir einmal plausibel wie Nuri al-Maliki als Machtpolitiker, wie von Hrn. Steinberg dargestellt, agieren kann, wenn er sich nicht auf die Mehrheit seiner Religionsgemeinschaft unter dem Scharfmacher Sadr stützen kann. Wenn da keine Unterstützung kommt, kann er kaum ein autoritäres Regime aufbauen. Sobald Assad mit der Hisbollah u. Iran den Rebellen den Garaus bereitet haben wird es eine Achse Teheran/Bagdad/Damaskus u. Hisbollah geben.
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