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International «Zypern geht schweren Zeiten entgegen»

Der am Bankrott vorbeigeschrammte Inselstaat soll aus dem Euro austreten. Das empfiehlt der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann. Nur so könne Zypern wirtschaftlich innert nützlicher Frist wieder auf die Beine kommen.

Geschlossener Laden in Nikosias Einkaufsviertel.
Legende: Die Wirtschaftskrise dürfte sehr lange dauern in Zypern. Reuters

Zypern gehört zum Euroraum. Das bedeutet in der jetzigen Krise: Der Inselstaat kann nicht einfach seine Währung abwerten, um international konkurrenzfähiger zu werden. Hätte Zypern noch sein Zypern-Pfund und würde dieses abwerten, würden Exporte und  Dienstleistungen – etwa der Tourismus – im internationalen Vergleich billiger. Dies wiederum würde eine erhöhte Nachfrage im Ausland nach sich ziehen, die Wirtschaft würde sich erholen.

Portraitbild von Tobias Straumann
Legende: Tobias Straumann ist Wirtschaftshistoriker mit Fachgebiet Geld- und Währungsgeschichte. zvg

Da diese Option mit der Euro-Gemeinschaftswährung aber nicht besteht, muss die Regierung ein sogenanntes Austeritätsprogramm auflegen: die staatlichen Ausgaben werden massiv gekürzt. So sollen die Staatsschulden stabilisiert werden.

Doch weniger Ausgaben des Staates bedeuten auch weniger Geld in der Binnenwirtschaft. Öffentliche Bau-Aufträge bleiben aus, die Ausgaben der Haushalte sinken z. B. wegen gekürzter Renten. Die Folge: ein Anstieg der Arbeitslosigkeit und ein Einbruch der Wirtschaftsleistung. Der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann sagt gegenüber Radio SRF: «Zypern geht sehr schweren Zeiten entgegen.»

Die Wirtschaft wird förmlich kollabieren

Manche Ökonomen bezeichnen eine solche Situation als Austeritätsfalle. Straumann ist überzeugt: Aus dieser Falle kann der Inselstaat nur entkommen, wenn er aus dem Euro austritt. Denn: «Das Austeritätsprogramm wird drastisch sein, und die Wirtschaft wird förmlich kollabieren in den nächsten drei, vier Jahren.» Auch andere Ökonomen, etwa Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, propagieren den Austritt Zyperns aus dem Euroraum.

De facto habe sich Zypern ja bereits von der Währungsunion getrennt, meint Tobias Straumann. Der tatsächliche Austritt und die Einführung einer neuen Währung wäre da nur noch ein kleiner Schritt. «Wenn Zypern im Euro bleibt, wird es unglaublich schwierig sein, wieder zu Wachstum zurückzufinden», so der Privatdozent an den Universitäten Basel und Zürich. «Das Drinnenbleiben ist auf längere Zeit eigentlich gar keine Option für Zypern – es kommt sowieso nicht gut raus.»

Kapitalverkehrskontrolle

Der Fahrplan sieht keinen Austritt Zyperns aus dem Euro vor: Mit Hilfe von Kapitalverkehrskontrollen soll das Land finanziell stabilisiert werden. «Wenn man keine Kapitalverkehrskontrollen einführt, bricht das Bankensystem sofort zusammen», sagt Tobias Straumann. Die Beschränkungen dürften mehrere Jahre in Kraft bleiben, ist er überzeugt.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Rudolf R. Blaser, Aeschi
    Herr Straumann, andere Ökonomen und Wirtschaftsnobelpreisträger (WNPT) propagieren AUSTRITT von Zypern aus dem €-Raum. WIESO SOLL FÜR ZYPERN gut SEIN, WAS FÜR DIE PIIGS -STAATEN schlecht WÄRE? Zusatzfrage: Ist es nach den Gesetzen der Ökonomie DRINGEND ERFORDERLICH, dass die Anzahl der WNPT sich umgekehrt proportional zum Verlauf der Wirtschaft verhält? + wenn NEIN, wieso haben dann die USA so viele + China keine? Ist dieser Preis, vergeben für Trivialitäten überhaupt etwas wert?
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Tobias Straumann hat mit seiner Einschätzung recht. Leider rechne ich aber nicht damit, dass die EU Cypern einfach so ziehen lässt. Man glaubt in Brüssel immer noch, das alleinige Mittel zu kennen auch den Club Med retten zu können. Bin neugierig wie lange da die Bevölkerung von den zentral.-europ. EU-Staaten noch mitspielt, oder nicht vorher gewisse Staaten finanzpol. implodieren.
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    «Nicht nur Zypern geht sehr schweren Zeiten entgegen, der ganze Süden von Euopa auch». - War das wirklich nicht vorhersehbar ? Hat man diese Austeritätsfalle nicht geradezu eventualvorsätzlich bzw. machtpolitisch ganz bewusst herbeigeführt in dem man die typischen Schwächen dieser Länder geschickt ausnutzte ? - Das ist doch auch eine interessante Frage. - Hoffentlich finden diese Länder rasch einen "Neuanfang", wenn nötig dann auch ohne EURO bzw. EU.
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