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Jahresrückblick 2012 Kriege und Konflikte in der arabischen Welt und Nahost

Der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan wird Sondergesandter für die Syrien-Krise – und gibt nach nur acht Monaten auf. Ein Mohammed-Film sorgt für Unruhen. In Ägypten wehren sich die Menschen gegen das islamische Regime. Diese Kriege und Konflikte haben uns 2012 bewegt.

03. Januar: Muslimbrüder kommen an die Macht

Dritte Runde der Parlamentswahl in Ägypten. Die islamistischen Parteien sichern sich mehr als 70 Prozent der 498 Mandate. Die Muslimbrüder erzielen 47,2 Prozent. Auf den zweiten Platz kommt die radikal-islamische Partei des Lichts («Hizb al-Nur»).

11. Januar: US-Soldaten schänden tote Taliban

Ein Internet-Video zeigt US-Soldaten, die in Afghanistan auf getötete Taliban urinieren. Die Schändung sorgt international für Empörung. Am 27. August erhalten drei Marines Disziplinarstrafen.

03. Februar: Der syrische Bürgerkrieg wird immer blutiger

Bei Angriffen auf die Stadt Homs kommen nach arabischen Berichten bis zu 330 Menschen ums Leben. Es ist einer der bislang blutigsten Zwischenfälle im syrischen Bürgerkrieg.

Legende: Video Bürgerkrieg in Syrien abspielen. Laufzeit 01:21 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.12.2012.

04. Februar: UNO-Resolution scheitert

Im UNO-Sicherheitsrat scheitert eine Resolution. Sie sollte das syrische Regime verurteilen. Aber Russland und China legen ihr Veto ein. Am 19. Juli lassen die beiden Mächte erneut einen Entwurf platzen.

Annan an einem Tisch, dahinter ein UNO-Logo.
Legende: Kofi Annan blieb nur 8 Monate lang UNO-Sonderbotschafter für Syrien. keystone

23. Februar: Kofi Annan greift ein

Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan wird Sondergesandter für die Syrien-Krise. Mit einem Sechs-Punkte-Plan will er den Konflikt beilegen. Nach dem Scheitern des Plans legt Annan am 2. August sein Amt nieder.

11. März: Amoklauf eines US-Soldaten

Ein US-Soldat erschiesst in der südafghanischen Provinz Kandahar 16 Zivilisten. Das Massaker gilt als eines der schlimmsten in Afghanistan. Der Amokschütze kommt in den USA vor Gericht, ihm droht die Todesstrafe.

21. Mai: Al-Kaida tötet in Jemen

Ein Selbstmordattentäter sprengt sich in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa in die Luft. Er tötet 96 Menschen. Ein Mitglied des Terrornetzwerks Al-Kaida bekennt sich zu dem Anschlag. Sein Name: Ansar al-Scharia.

02. Juni: Lebenslange Haft für Hosni Mubarak

Ein Kairoer Gericht verurteilt den Ex-Präsidenten Hosni Mubarak zu lebenslanger Haft. Mubarak trägt Mitschuld am Tod von mehr als 800 Demonstranten. Sein früherer Innenminister Habib al-Adli erhält lebenslänglich.

Mursi bei einer Rede, dahinter eine Volksmenge.
Legende: Ägyptens Präsident Mursi greift nach immer mehr Macht – und verliert immer mehr an Boden. keystone

17. Juni: Mursi gewinnt Stichwahl

Der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, gewinnt die Stichwahl um das Präsidentenamt in Ägypten. Mit knapp 52 Prozent siegt er über den ehemaligen Mubarak-Minister Ahmed Schafik.

8. August: Attacken auf ägyptische Soldaten

Extremisten töten auf dem Sinai 16 ägyptische Soldaten. In den folgenden Tagen gibt es weitere Attacken. Mursi entlässt in Abstimmung mit dem Militär den Geheimdienstchef, den Chef der Militärpolizei und den Gouverneur der Provinz Sinai-Nord.

12. August: Mursi greift nach mehr Macht

Mohammed Mursi feuert erneut hohe Chargen: den Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Streitkräfte sowie den Generalstabschef. Der ägyptische Präsident setzt zudem Verfassungszusätze ausser Kraft, die seine Macht zugunsten des Militärs eingeschränkt haben. Juristen kritisieren Mursi, er habe seine Kompetenzen überschritten.

16. August: UNO-Beobachter fliehen aus Syrien

Die UNO-Beobachter in Syrien verlassen wegen der ausufernden Gewalt das Land. Der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi wird neuer Syrien-Sondervermittler. Er löst Kofi Annan ab.

11. September: Anschlag auf US-Konsulat in Libyen

Demonstranten töten im US-Konsulat der libyschen Stadt Bengasi den amerikanischen Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner. Als Auslöser der Tat gilt ein in den USA produzierter Schmähfilm über den Propheten Mohammed. Es kommt zu weiteren antiwestlichen Krawallen in der muslimischen Welt.

Legende: Video Unruhen wegen Mohammed-Film abspielen. Laufzeit 01:09 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.12.2012.

14. November: Israel-Konflikt artet aus

Mehrere Tage lang schiessen Palästinenser Raketen auf Israel. Dann tötet die israelische Luftwaffe in Gaza den Militärchef der radikal-islamischen Hamas. Drei Tage später zerbombt Israel die Regierungszentrale der Hamas. Insgesamt sterben mehr als 160 Menschen. Ab 21. November herrscht Waffenruhe.

Legende: Video Gezielter Anschlag auf Hamas abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.12.2012.

21. November: Türkei verlangt Hilfe

Das Nato-Mitglied Türkei bittet die Allianz um die Aufstellung von «Patriot»-Abwehrraketen an der Grenze zu Syrien. Darüber informiert Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Die Aussenminister des Bündnisses stimmen am 4. Dezember zu. Deutschland will sich an dem Einsatz mit bis zu 400 Soldaten beteiligen.

22. November: Mursis Verfassung sorgt für Unmut

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi erlässt ein Dekret, das seine Entscheidungen bis zur Verabschiedung einer neuen Verfassung unanfechtbar macht. Die islamistische Mehrheit im Parlament beschliessst am 30. November einen auf der Scharia basierenden Verfassungstext. Die Lage eskaliert. Nun soll das Volk entscheiden.

23./24. November: Grossdemonstrationen in Ägypten

Die Empörung unter den politischen Gegnern von Präsident Mursi wächst. Hunderttausende gehen auf die Strasse. Auch Ägyptens Richter protestieren, aber Mursi bleibt hart.

29. November: UNO wertet Palästina-Status auf

Mit grosser Mehrheit gewährt die UNO-Vollversammlung Palästina den Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen. Deutschland enthält sich der Stimme. Am nächsten Tag verkündet Israel den Ausbau von Siedlungen in Ost-Jerusalem und im Westjordanland.

Legende: Video Anerkennung Palästinas verändert wenig abspielen. Laufzeit 01:03 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.11.2012.

01. Dezember: Tunesiens Präsident will neue Regierung

In Tunesien herrschen Arbeitslosigkeit und Armut, es gibt schwere Ausschreitungen. Präsident Moncef Marzouki fordert wegen der Krise einen Führungswechsel. Die neue Regierung solle «mit kompetenten Technokraten und nicht auf der Grundlage politischer Fraktionen» gebildet werden.

06. Dezember: Mursi krebst bei Verfassung zurück

Bei Tumulten sterben mindestens fünf Menschen. Die Armee sichert den Präsidentenpalast in Kairo. Zwei Tage später annulliert Präsident Mohammed Mursi sein umstrittenes Vollmachten-Dekret. Am Verfassungsreferendum hält er fest. Die Unruhen dauern an.

10. Dezember: Anklage gegen libyschen Ex-Politiker

In Libyens Hauptstadt Tripolis steht der frühere Ministerpräsident des Landes, Baghdadi al-Mahmudi, vor Gericht: Die Anklage spricht von Mord und Korruption. Al-Mahmudi war einer der engsten Vertrauten des im Herbst 2011 gestürzten Machthabers al-Gaddafi.

17. Dezember: Ausschreitungen in Tunesien

Auch in Tunesien wird wieder gekämpft. Bei den Feiern zum zweiten Jahrestag der Revolution werfen Randalierer in Sidi Bouzid mit Steinen nach Spitzenvertretern der Übergangsregierung. Auch Staatspräsident Moncef Marzouki und Parlamentschef Mustapha Ben Jaafar sind auf dem Marktplatz. Die Gedenkveranstaltung soll an die Selbstverbrennung des jungen Strassenhändlers Mohamed Bouazizi erinnern. Die Randalierer erzwingen den Abbruch der Veranstaltung.

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