Zum Inhalt springen

Von Duty Free und Reisepässen 7 Volksweisheiten rund ums Reisen – richtig oder falsch?

Jetzt haben sie Hochsaison: Tipps und Weisheiten ums Reisen. Manches stimmt - einiges ist aber auch schlicht falsch.

Offener Kofferraum beim Auto, Familie mit Koffern am Einladen
Legende: Planen, buchen, packen, reisen - wir zeigen, wie man Ärger vermeiden kann Colourbox

Ohne gültigen Reisepass kann man zu Hause bleiben.

Falsch. Im Schengenraum genügt auch eine gültige ID. Von Fall zu Fall akzeptieren gewisse Nachbarländer auch abgelaufene Schweizer Pässe – wer sich darauf verlässt, geht aber immer ein Risiko ein. In der Tendenz verschärfen viele Länder (etwa nach Terroranschlägen) ihre Einreisebestimmungen, und oft sind es auch die Airlines selbst, die in jedem Fall gültige Pässe verlangen von ihren Passagieren. Auch die Anzahl jener Länder, die nur noch Ausweise mit Computerchips (etwa biometrische Pässe) akzeptieren, steigt stetig. Wer also nicht an der Grenze oder am Flughafen hängen bleiben will, sollte über die aktuellen Bestimmungen auf dem laufenden sein.

Tipp: Je nach Destination kann man eine Reise auch mit einem Notpass antreten...

Im Flugzeug sind die sichersten Plätze hinten.

Falsch. Leider gibt es den sichersten Platz im Flugzeug sowieso nicht. Allerdings: Es gibt Plätze, auf denen man im Unglücksfall wenigstens statistisch gesehen bessere Überlebenschancen hat. Grundsätzlich sind es jene (möglichst am Gang) in der Nähe von Notausgängen. Die Universität Greenwich hat 2008 in einer Studie festgestellt: die besseren Überlebenschancen mit 65 Prozent Wahrscheinlichkeit haben Passagiere im vorderen Bereich des Flugzeuges, hinten sinkt die statistische Überlebenswahrscheinlichkeit auf 53 Prozent.

Tipp für Leute mit Flugangst: Halten Sie sich an die Verkehrssicherheits-Statistik bezogen auf die zurückgelegte Strecke: Umgerechnet auf die Reisekilometer ist das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel.

Wem schnell schlecht wird beim Fahren sollte vorne sitzen.

Richtig. Ganz wichtig: Aus dem Fenster schauen, möglichst nach vorne. So liefern das Auge und der Gleichgewichtssinn kongruente Informationen ans Hirn. Schaut das Auge aber beispielsweise auf das Stoffmuster des Vordersitzes, und meldet «keine Bewegung» ans Hirn weiter, während der Gleichgewichtssinn eine Serpentinenstrasse registriert, dreht sich als Folge davon oft der Magen um. Deshalb: Im Auto oder im Car vorne und wenn möglich am Gang sitzen, damit man in Fahrtrichtung rausschauen kann, erklärt auf Anfrage das Schwindelzentrum des Universitätsspital Zürich.

Tipp: Neigezüge bilden die Ausnahme! Aufgrund ihrer speziellen «Überanpassung» an eine Bewegung sollte man möglichst weit hinten sitzen im Zug und auch den Blick aus dem Fenster vermeiden.

Wer aus dem Mittelland in den frühen Morgenstunden losfährt, kommt am schnellsten durch den Gotthardtunnel.

Falsch. Erfahrungswerte der Staumeldezentrale Viasuisse zeigen, dass an verkehrsreichen Wochenenden die Wartezeit am Gotthard Richtung Süden gegen Mitternacht am geringsten ist – schon um drei Uhr morgens kann die Blechlawine wieder 9 Kilometer messen! Von Montag bis Donnerstag treten die Staus Richtung Süden meist nach 9 Uhr auf und dauern bis ca. 19/20 Uhr.

Der Rückreiseverkehr Richtung Norden führt vor allem in der zweiten Tageshälfte zu Staus. Diese treten meist nach 10/11 Uhr auf und dauern bis nach 20/21 Uhr. Hier lohnt es sich, die Rückreise in den Morgenstunden anzutreten.

Tipp: Für die Fahrt in den Süden Wochenenden meiden, von Montag bis Donnerstag am Morgen oder abends die Fahrt durch den Gotthard einplanen.

Für die Fahrt ins Ausland braucht es einen CH-Kleber am Auto.

Richtig. Und zwar in jedem Fall – und in der richtigen Grösse. Fantasieaufkleber zählen nicht, die offiziellen Sticker gibt es an jeder Tankstelle oder auch im Detailhandel. Wer ohne losfährt, kann im Ausland gebüsst werden, warnt das Bundesamt für Strassen ASTRA auf Anfrage. Im Inland ist Pflicht fürs CH-Zeichen schon vor Jahren aufgehoben worden. Und selbstverständlich gehören auch Pannendreieck und Erste-Hilfe-Kasten zur Grundausrüstung. Je nach Land gibt es weitere Standardvorschriften (zum Beispiel Leuchtweste).

Tipp: Wer mit Anhänger fährt, braucht für Zugfahrzeug und Anhänger einen eigenen Aufkleber!

Die besten Schnäppchenpreise für Flugreisen findet man als Selbstbucher im Internet.

Richtig und falsch. Im Dschungel der Buchungsplattformen und Vergleichsdienste kommt man schnell vom direkten Weg ab und verliert die Übersicht. Setzt man die Surferei mit einem fiktiven Stundenlohn in eine Vollkostenrechnung ein, fällt so manches Schnäppchen in sich zusammen. Nur wer Freude hat an der Schnäppchenjagd sollte sich darauf einlassen.

Oft wird bei Flugreisen auch nicht der effektive Preis, sondern nur der Basispreis angezeigt. Wer dann noch einen Koffer aufgeben oder den Sitzplatz selber wählen will, zahlt drauf.

Tipp: Setzen Sie sich vor der Suche klare Kriterien: Wie oft würden Sie unterwegs umsteigen, wie lange darf die Reise höchstens dauern usw. Setzen Sie die entsprechenden Filter, um Zeit zu sparen bei der Internetsuche.

Einkaufen im Duty-free lohnt sich immer

Falsch. Wer im Flughafen steuer- und abgabefrei einkaufen will, tut gut daran, die Preise der Produkte ausserhalb der zollfreien Zone ungefähr im Kopf zu haben, oder schnell zu googlen. Klar sparen kann man beim Kauf von Tabakwaren und oft auch bei hochprozentigem Alkohol.

Tipp: Wer in Ferienlaune durch den Duty-free spaziert und nicht zu spät dran ist, lässt sich gerne verführen. Wenn Sie sich ohne Kenntnisse der üblichen Handelspreise einen neuen Duft oder eine Uhr gekauft haben, freuen Sie sich einfach, und meiden Sie in den nächsten Tagen Schaufensterauslagen mit Preisvergleichsmöglichkeiten.

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Duty-Free-Shopping auf Flughaefen war noch fiskalisch unschaedlich, als die Waren auch ausgeflogen werden mussten, und Zollausschlussgebiete, als der einzige Ausweg aus dem abgelegenen Tal ins Ausland fuehrte. Heute wird ein horrender Verwaltungsaufwand betrieben, um Waren zu entzollen und -steuern, die dann zu einem immer groesseren Teil an der Bundeskasse um hohe Lenkungsabgaben auf Alkohol und Nikotin vorbei im Rahmen der Toleranzen und deren heufigem Missbrauch ins Inland verbracht werden...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Als weiterer Tipp: Das Gehirn nicht zuhause vergessen und: Einen Notpass kann man nur ein einziges Mal in seinem Leben beantragen..... (soviel in Sachen "Service Public...")
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Der Service "Public" entfernt sich immer mehr vom Buerger und Konsumenten zur Wirtschaft. Frueher konnten Privatwaren immer eingefuehrt werden. Handelswaren nur von 8-12 und 2-6 an Werktagen. Heute werden die Wege fuer die Konsumenten zu noch rund um die Uhr offenen Strassenzollaemtern immer laenger, derweil das Personal der Strassenzollaemter nur noch waehrend dem Nacht- und Sonntagsfahrverbot fuer Lastwagen Ruhe hat. Und die SBB laesst schon Personenzuege stehen, um Gueterzuegen Vorfahrt zu ge
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Joel Busch (Joel)
    Der letzte Tipp ist ja super. Quasi wenn Sie schon eingekauft haben, schützen sie sich mindestens gegen "buyers regret" :-)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen