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Panorama Auch Pferde haben Sorgenfalten

Die Augen seien das Fenster zur Seele, heisst es im Volksmund. Offenbar drücken nicht nur Menschen Gefühle mit ihrer Mimik aus, sondern auch Tiere. Mit ihrer Dissertation hat die Forscherin Sara Hintze nämlich entdeckt, dass auch Pferde Sorgenfalten haben können.

Augen von Pferden mit Sorgenfalten
Legende: Die Sorgenfalten links, das entspannte Tier rechts. SRF

SRF News: Warum haben Sie den Gesichtsausdruck von Pferden untersucht?

Sara Hintze: Mein Engagement für Tiere geht davon aus, dass Tiere empfindsame Wesen sind, dass sie Gefühle haben und leiden können. Die grösste Herausforderung ist, zuverlässige Indikatoren für Leiden und für Wohlbefinden zu identifizieren. Wir wollen feststellen können, ob es einem Tier gut oder schlecht geht und wir wollen das auch objektiv machen können. Schon Darwin ist davon ausgegangen, dass sich Gefühle si in der Körpersprache und in der Gesichtsmimik widerspiegeln und dass das nicht nur beim Menschen so ist, sondern auch beim Tier. Wir haben einen sehr spezifischen Aspekt angeschaut, nämlich die Augenfalten beim Pferd.

Wie untersucht man die Gefühle von Pferden? Man kann sie ja nicht einfach fragen.

Wir sind davon ausgegangen, dass wir Situationen haben, die Emotionen auslösen. Basierend auf der Literatur haben wir diese Situationen ausgesucht. Wir haben zwei positive Situationen und zwei negative verwendet. Bei der einen positiven Situationen wurden die Pferde gekrault, bei der anderen erwarteten sie eine besondere Belohnung durch Futter. Bei der einen negativen Situation ging es um Futterneid bei der einen und bei der anderen haben wir Angst ausgelöst, indem wir einen Plastiksack und einen Regenschirm geschwenkt haben.

Und was war die Erkenntnis?

Wir haben zwei Haupterkenntnisse gewonnen. Die eine ist, dass wir eine Skala entwickelt haben, mit der man die Augenfalten objektiv beurteilen kann. Sie ist sehr zuverlässig und beinhaltet unterschiedliche Aspekte der Augenfalten. Weiter haben wir geschaut, was diese positiven oder die negativen Situationen in Bezug auf die Augenfalten auslösen, wie sich die Augenfalten verändern.

Und wie verändert sie sich?

Es geht vor allem um den Winkel. Der Winkel ist wie ein Mass der Kontraktion des Muskels. In positiven Situationen reduziert sich die Anspannung, während sie sich in negativen Situationen verstärkt. Der Muskel spannt sich mehr an. Das könnte einen Hinweis darauf geben, dass man die Augenfalte als Indikator für das Wohlbefinden von Pferden nutzen könnte. Wenn sich der innere Augenbrauen-Heber-Muskel zusammenzieht, dann werden die Falten verstärkt. Und der Winkel wird grösser.

Was bedeuten diese Erkenntnisse für den Tierschutz?

Wir haben mit dieser Skala ein Instrument für weitere Forschungsstudien entwickelt. Damit haben wir einen ersten Schritt gemacht, damit es weitere Forschungen in diesem Bereich geben kann. Wir haben auch gezeigt, dass das Potential da ist, dass bestimmte Eigenschaften der Augenfalte durch die Emotionen des Pferdes beeinflusst sein könnten. Bevor wir das in die tägliche Anwendung bringen, bräuchte es aber noch andere Studien zum Vergleich. Man müsste sich das auch noch in längerfristigen Situationen anschauen.

Kann man die Erkenntnisse auch auf andere Tiere übertragen?

Ja. Bei Pferden ist diese Augenfalte sehr eindrücklich, die fällt einem sofort auf. Es gibt auch Studien, dass eine ähnliche Kontraktion auch bei Hunden beobachtet wird.

Sara Hintze

Sara Hintze hat in Giessen (D) Tiermedizin studiert. Später leitete sie ein Forschungsprojekt an der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Österreich. Am veterinärmedizinischen Institut der Universität Bern schreibt sie eine Dissertation zu den Veränderungen der Augenfalten von Pferden als Ausdruck von Emotionen.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Tiere zeigen ihre Emontionen und Gefühle auch mit den Augen, davon bin ich überzeugt. Sei es Freude oder Aengste, Tiere drücken es durch ihre Augen aus. Beispiel: Kälbchen die nach der Geburt von der Kuh getrennt werden, zeigen ihre Angst durch ihren Blick, der ins Herz geht. Der Mensch sollte viel mehr auf die Zeichen der Tiere eingehen und sie verstehen lernen. Sie verdienen unsere Achtung und unseren Respekt.
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  • Kommentar von Beatrice Mayer (signorinetta)
    Hochinteressant. Die Anspannung auf dem linken Bild ist gut zu sehen.
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  • Kommentar von Lutz Bernhardt (lb)
    Grossartig dass es hier Fortschritte gibt! Ich musste im Biologie-Unterricht noch lernen, dass Tiere keine Gefühle haben und dass Brehm's Tierleben grosser Quatsch sei. Ich bin ganz sicher: Unsere ganze Emotionalität haben wir aus dem Tierreich und wir teilen sie mit den Tieren!
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