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«Wenn sich jemand durch Geister belastet fühlt, hat er in der Regel ein echtes Problem»
Aus SRF 4 News aktuell vom 13.02.2020.
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Beratung von Geistergläubigen «Anfragen zum Thema Exorzismus haben ganz klar zugenommen»

Christoph Casetti, langjähriger Sprecher des Bistums Chur, ist gestorben. Er war auch als Exorzist tätig. Das bestätigt die Todesanzeige. Georg O. Schmid von der evangelischen Informationsstelle Relinfo erhält wöchentlich Anrufe von Menschen, die glauben, von einem Dämon besessen zu sein – Tendenz steigend.

Georg Otto Schmid

Georg Otto Schmid

Religionsexperte

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Georg Otto Schmid ist Religionsexperte und seit 2014 Leiter der evangelischen Informationsstelle Relinfo. Er berät Menschen aller Glaubensrichtungen.

SRF News: Wie oft kommen Sie bei der Arbeit mit Exorzismus in Kontakt?

Georg O. Schmid: Das Thema Exorzismus wird bei uns immer wieder nachgefragt. Im Schnitt einmal die Woche ruft jemand bei uns an, weil er sich von bösen Geistern belastet fühlt oder weil er glaubt, dass es in seiner Wohnung, seinem Haus spukt, und er jemanden sucht, der ihn davon befreit.

Was für Menschen sind es, die das Gefühl haben, sie seien besessen?

Menschen, die mit Besessenheit, dämonischer Belastung oder mit Spuk rechnen, kommen aus unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Es sind einerseits Menschen aus der katholischen Kirche; in der Regel aus einem Kulturkreis, in dem der Geisterglaube sehr wichtig ist und wo üblicherweise katholische Priester Exorzismen anbieten. Sie kommen in die Schweiz und erwarten hier dasselbe Angebot. Sie fragen bei uns an, wo sie diese Hilfe bekommen könnten. Andererseits sind es Menschen aus Freikirchen.

Es sind Menschen, die ein esoterisches oder schamanistisches Weltbild haben und mit bösen Geistern rechnen.

In der Pfingstbewegung gibt es die Vorstellung von Dämonen, die durch den sogenannten Befreiungsdienst vertrieben werden. Und es sind Menschen, die ein esoterisches oder schamanistisches Weltbild haben und mit bösen Geistern in der Wohnung oder im Haus rechnen, die vertrieben werden sollen.

Ein Anruf pro Woche, ist das mehr oder weniger als vor 10 bis 20 Jahren?

Anfragen zum Thema Exorzismus und Befreiungsdienst haben ganz klar zugenommen. Es gibt heute mehr Menschen in Schweiz, die einen Exorzismus wünschen, als vor 25 Jahren, als ich mit dieser Arbeit begonnen habe. Das liegt zum einen an der Migration aus Ländern, in denen der Glaube an Geister traditionell dazugehört. Zum anderen gibt es jene Menschen, die sich bei uns zu einer pfingstlich-charismatisch-freikirchlichen Weltsicht bekehren und, obwohl sie nicht in diesem Glauben aufgewachsen sind, diesen übernehmen.

Was raten Sie Personen, die das Gefühl haben, sie seien besessen?

Wenn sich jemand durch böse Geister belastet fühlt, dann hat er in der Regel ein echtes Problem. Aber der Glaube an böse Geister ist in meinen Augen die falsche Erklärung. Mein erster Versuch ist es jeweils, zur Wurzel des Problems durchzudringen und zu versuchen, dieses auf irdisch-säkularem Weg anzugehen. Wenn es möglich ist, diskutiere ich den Dämonenglauben, hinterfrage ihn, wenn sich die ratsuchende Person darauf einlässt.

Es gelingt nur selten, diesen Glauben zu relativieren.

Dann können wir andere Erklärungsansätze zusammen anschauen und vielleicht eine psychotherapeutische Lösung ins Auge fassen. Aber wenn ich mit Menschen konfrontiert bin, die schon seit der Kindheit mit bösen Geistern rechnen, dann gelingt es nur selten, diesen Glauben zu relativieren.

Was tun Sie in so einem Fall?

Dann muss es mein Ziel sein, ihnen in ihrer Weltsicht eine Hilfe zu bieten und zu schauen, dass – wenn sie schon einen Anbieter suchen – es einer ist, der die Sache in Anführungszeichen seriös durchführt. Denn Exorzismus kann gefährlich sein. Immer wieder gibt es Todesfälle im Zusammenhang mit problematischen Exorzisten und unabhängigen Befreiungsdiensten. Da muss es mein Anliegen sein, dass die Ratsuchenden sich an eine Stelle wenden, wo gewährleistet wird, dass niemand an Leib und Leben gefährdet wird.

Das Gespräch führte Raphaël Günther.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Gasser  (allesrotscher)
    @HOC. Es geht mir darum dass sobald man etwas zu wissen glaubt dieses Wissen sich sozusagen "versteiner", nicht mehr in Frage gestellt wird. Nicht darum dass der Mensch als ganzes geistiges Wesen sich nicht weiterentwickelt. Sorry wenn's zu ungenau war. Ihre These stimmt so sicher nicht. Ihr letzter Satz hingegen widerspricht Ihrer These, ist aber für mich richtig.
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    1. Antwort von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
      Diese Tendenz ist da, keine Frage, besonders, wenn man älter wird. Wird heute auch als Filterblase bezeichnet.
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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    Bis jetzt ja, aber man kann nie wissen, welche Krankheit einen noch ereilen wird. Wer übrigens ein echtes Interesse an diesem Thema hat, sollte sich antiquarisch die Bücher von der Schweizer Biologin Dr, Fanny Moser besorgen: Der Okkultismus, 2 Bände. Orell Füssli, 1935; sowie "Spuk" Gyr Verlag, Zürich 1950 (Vorwort von Carl Gustav Jung). Gemäss der heute immer noch herrschenden Meinung geht es hier um Fakten, nicht um Einbildungen psychisch gestörter Personen.
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  • Kommentar von Roger Gasser  (allesrotscher)
    @Alexanderermeinung: Hoffe für Sie dass diese Wesenheiten sie in Ruhe lassen. Jeder entscheidet selbst welcher Literatur er glauben will. Mit Wissen hat dies nichts zu tun. Glaube ist wandelbar. Wer WEISS hat die wandelbarkeit des Glaubens verloren. Der Anfang vom Ende der geistigen Entwicklung.
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    1. Antwort von Philipp Moreno  (HOC)
      Herr Gasser wenn Sie hier proklamieren, dass das Wissen der Anfang vom Ende der geistigen Entwicklung ist, möchte ich Ihnen etwas entgegen halten.
      Meine These ist folgende: Wer den Glauben über das Wissen stellt steht am Anfang vom Ende seiner geistigen Entwicklung. Glauben und Wissen schliessen sich gegenseitig nicht aus.
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